Drei einstimmige Beschlüsse setzte der Marktgemeinderat Wiesenttal in der letzten Sitzung der Amtsperiode um. Der Markt ehrt den scheidenden Bürgermeister Helmut Taut (FWW) mit dem Titel Altbürgermeister und verleiht ihm zugleich die Ehrenbürgerwürde. Zu Tauts 65. Geburtstag, so kündigte sein Stellvertreter Gerhard Kraus (BGS) an, wird ihm auch noch der Goldene Ehrenring überreicht werden.

"Der Chef verlässt seinen Platz wohlbestellt", fasste Kraus das Wirken Tauts zusammen. Auch der Geehrte selbst geht mit einem guten Gewissen, weil die Arbeit im Rat und in der Verwaltung fruchtbar gewesen sei. "Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie entspannt ich gehe, weil ich so gut eingebettet war", wandte er sich an die Anwesenden.

Die Veranstaltung im Bürgersaal Streitberg war ein großer Ehrenabend, galt es doch, neben Taut fünf ausscheidende Ratsmitglieder und den Kämmerer Hans Müller zu verabschieden. 40 Jahre war der Amtsinspektor für die Finanzen Wiesenttals verantwortlich. Kaum zwei Jahre vor seinem Dienstantritt war die Gemeinde in heutiger Form aus den früheren selbstständigen Ortschaften entstanden. Dementsprechend viele Aufgabe warteten auf den damaligen Regierungsassistenten. Sein Fachwissen und eben die jahrzehntelange Erfahrung hätten, so Taut, seiner Stimme ein großes Gewicht gegeben.

Abschlussandacht

Die letzte Sitzung begann nach örtlichem Brauch mit einer Abschlussandacht durch Dekan Günther Werner. Aus der evangelischen theologischen Tradition heraus sieht er eine Verantwortlichkeit der Kommunalpolitiker, über die eigene Familie, den eigenen Ortsteil hinauszuschauen und weiterzudenken für das Ganze: "Es liegt an uns, was in der nächsten Generation sein wird."

Mit Taut verbindet ihn Wohnnachbarschaft und dessen Mitarbeit im Dekanatsrat. Auf menschlicher Ebene sieht Werner deshalb genau hin. "Tauts Lebensweise ist bewundernswert, aber nicht nachahmenswert", warnte er, gleichwohl galt sein Dank allen "für die übernommene Verantwortung".

Gut aufgelegt

Ein außerordentlich gut aufgelegter Bürgermeister sah denn auch augenzwinkernd die am selben Abend anstehende Probeschaltung der neuen Beleuchtung der Muggendorfer Kirche als ein zusätzliches Ehrenzeichen für sich und als Frucht der Aktion des Vereins Oberfranken Aktiv, "Muggendorf leuchtet", bei der Studenten der Hochschule Coburg den Ort in neues Licht rückten und Verbesserungen für die Kirchenbeleuchtung vorschlugen.

Fünf bisherige Ratsmitglieder hatte Taut zu verabschieden: Achim Windisch (FWW), Joachim Gebhardt (BGS), Christian Mühlhäuser (WU), Karl-Peter Schwegel (BFMW) und Roland Knauer (BGS). Taut fand für alle sehr persönliche Worte, gleichwohl bedauerte er, dass gerade junge Ratsmitglieder aus beruflichen und familiären Gründen aus der Kommunalpolitik ausgestiegen seien. Als schönste Erinnerungen aus der Ratsarbeit, versicherte Taut, nehme er die drei gemeinsamen Fahrten nach Berlin, Brüssel und Straßburg mit.

Die dritte Laudatio

Für seinen Stellvertreter Kraus, der selbst seit 36 Jahren im Rat ist, war es die dritte Laudatio für den nach 18 Jahren aus dem Amt Scheidenden. "Um alle Spuren aufzuzeigen, reicht hier die Zeit nicht", begann er. Dennoch wurde es eine längere Liste, beginnend mit der Ortsumgehung von Muggendorf, deren großer Befürworter Taut war. Zeitlich folgten, so Kraus, der Grundschulneubau und eine Vereinsheimlösung für den Muggendorfer Sportverein. Für die Wasserversorgung habe Taut die entscheidenden Weichen gestellt, für die Umsetzung sei nun sein Nachfolger Marco Trautner (FWW) gefordert. Auch wenn vor Jahren der Bau der Kläranlage die Wüstensteiner entzweit habe, sei sie mit den Lösungen für die kleinen Bergorte ein wichtiger Schritt gewesen. Und für ihn, den Streitberger, komme noch das Lochgefängnis auf der Streitburg hinzu, für dessen Zugänglichkeit sich Taut mit anderen Projekten der Tourismusförderung - von Binghöhle bis Streitberger Schwimmbad - eingesetzt habe.

Der Dankesrunde schlossen sich noch Dritte Bürgermeisterin Susanne Braun-Hofmann (CSU), Manfred Bischoff für die Freien Wähler und Konrad Rosenzweig an, der CSU-Fraktionssprecher und ehemalige Gegenkandidat bei den Bürgermeisterwahlen. Und ganz zuletzt gab es noch eine Geburtstagsgratulation für Maria Schwegel, die Ehefrau von Karl-Peter Schwegel: Da eine Feier derzeit nicht zulässig ist, hatte sie sich für die Teilnahme an der Ehrungssitzung als Alternative entschieden. Wie auch Gerlinde Taut, die Frau des nunmehrigen Altbürgermeisters.