"Es ist enttäuschend für den Gemeinderat, dass wir nicht informiert worden sind über diese Mehrkosten." Dies sagte Marktgemeinderat Konrad Rosenzweig (CSU) während des Ortstermins des Bauausschusses des Marktes Wiesenttal am alten Schulhaus in Birkenreuth. Die Architektin Irmgard Belz klärte über den Baufortschritt der Sanierung und über die Kostenentwicklung auf. Laut Rosenzweig sei man "extrem über die Kostenschätzung hinausgegangen". Das ehemalige Dorfschulhaus wird momentan saniert und mit hohen Fördermitteln des Freistaats Bayern zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. Unten entsteht ein Schulungsraum für die Feuerwehr Birkenreuth-Trainmeusel- Wohlmannsgesees mit Sanitärräumen, im ersten Stockwerk ein Gemeinschaftsraum für den Stammtisch der Dorfgemeinschaft Birkenreuth.

Ehemalige Lehrerwohnung

Die ehemalige Lehrerwohnung im zweiten Obergeschoss soll zu einem späteren Zeitpunkt von den Bauhofmitarbeitern hergerichtet werden. Das Nebengebäude, in dem früher die Waschküche untergebracht war, soll als Stauraumgebäude erhalten bleiben. Wie die Architektin ausführte, seien die Preise "ins Unermessliche gestiegen". Aktuell läge man bei rund 860.000 Euro, würde man alles von Firmen machen lassen. Die Kostenobergrenze, die sich der Marktgemeinderat nun gegeben hat, liegt jedoch bei 700.000 Euro.

Erste Kostenschätzung 2016

Im November 2016 lag man mit einer Kostenschätzung bei rund 600.000 Euro. Da hatte man aber schon eingespart, denn die erste Kostenschätzung vom Oktober 2016 lag bei 668.000 Euro. Der Gemeinderat legte damals fest, dass sich die Gemeinde mit zehn Prozent an diesen Kosten beteiligen will. "Dies reicht nicht aus", sagte Belz. Sie informierte darüber, dass über das Kommunale Investitionsprogramm (KIP) des Freistaats bisher 405.000 Euro an Zuschuss in Aussicht gestellt wurden. Weitere 60.000 Euro wurden aus dem gleichen Programm heuer von der Bezirksregierung von Oberfranken in Aussicht gestellt. Dieses Geld hatte Belz im Frühjahr umgehend beantragt. Bis jetzt traf von der Regierung aber dafür noch kein Förderbescheid ein. Laut Belz konnte dieser Antrag wegen der Corona-Krise bis jetzt einfach noch nicht geprüft und behandelt werden.

Die Zeit drängt

Allerdings drängt inzwischen die Zeit, da die Schlussrechnung für die Sanierung bis Ende dieses Jahres vorliegen muss. Sonst gibt es gar keine Förderung des Freistaats mehr. Wie die Architektin erklärte, würden die Arbeiten trotz Corona erstaunlich gut laufen und voll im Zeitplan liegen. In zwei Wochen soll bereits das Gerüst abgebaut werden. Bis dahin muss die Außensanierung abgeschlossen sein. Auch ein neues Dach ist schon drauf.

Der Innenausbau

Danach geht es mit dem Innenausbau weiter. Neue Holzfenster sind schon eingebaut. Auch dies kritisierte Rosenzweig. Er hätte lieber Plastiksprossenfenster in Holzoptik gehabt, weil diese pflegeleichter seien und länger hielten. Als Gutachter würde er einen Wertabschlag des Gebäudes wegen der Holzfenster machen, erklärte Rosenzweig. Einige Räte kritisierten auch, das beide Kamine entfernt wurden. Diese braucht man allerdings nicht mehr, weil das Haus zukünftig mit Fernwärme aus der nahen Biogasanlage der Firma Hofmann beheizt wird. "Das ist auch ökologisch sinnvoll", meinte Bürgermeister Marco Trautner (FW). Und es schaffe mehr Platz, wenn die Kamine weg sind, ergänzte die Architektin. Einig waren sich die Räte, dass das Nebengebäude nicht abgerissen, sondern erhalten bleiben soll. Hier müsste allerdings das Dach gemacht werden. Zumindest sollten neue Ziegel drauf, und wenn man die dann austauscht, auf jeden Fall laut Belz auch neue Dachlatten. Da noch Biberschwanzziegel vom Haupthaus übrig sind, war nun die Frage, ob man die Dachdeckerarbeiten des Nebengebäudes gleich mit vergibt. Da jedoch Kosten gespart werden müssen, entschieden sich die Räte in anschließender nichtöffentlicher Sitzung mit einer Gegenstimme dafür, das Dach des Nebengebäudes selbst neu einzudecken. Dies sollen dann die Birkenreuther zu einem späteren Zeitpunkt mit Hand- und Spanndiensten mithilfe des gemeindlichen Bautrupps erledigen, was laut Trautner auch die Gemeinschaft stärke.

Blitzableiter

Außerdem war es die Frage, ob wieder ein Blitzableiter aufs Dach soll. Bisher war einer drauf, der aber schon längst nicht mehr funktionstüchtig war. Laut Planerin werde im Brandschutznachweis ein Blitzschutz gefordert und für öffentliche Versammlungsstätten ab 200 Personen sei dieser auch Pflicht. Da insgesamt aber nur rund 60 Leute in das Haus passen, brauche man diesen nicht unbedingt. Allerdings habe man auch eine Verantwortung gegenüber den Bürgern, betonte Belz. Als Einziger sah dies dann bei der Abstimmung in nichtöffentlicher Sitzung auch Bürgermeister Trautner so, der für einen Blitzschutz war. Werner Messingschlager vom Stammtisch wartete am Ende mit einer positiven Überraschung auf: Die Schuluhr am Außengiebel soll nicht nur erhalten, sondern auch wieder zum Laufen gebracht werden. Für das alte, nicht mehr zu reparierende Uhrwerk bekommt Messingschlager von einem Sammler für dessen Uhrenmuseum noch 300 Euro. Ein neues Funkuhrwerk hat die Firma Bayreuther Turmuhrenwerk für 1700 Euro angeboten. Die Hälfte davon steuern die Stammtischbrüder bei und die Restkosten spendete spontan Architektin Irmgard Belz.