Für eine Überraschung sind sie immer gut. Das haben die "Nederbierpatscher" in ihren lokal angehauchten Video-Clips schon oft bewiesen. Jetzt dringen die beiden Forchheimer Komödianten in eine neue Domäne vor und präsentieren ihr erstes Musik-Video, das kaum besser zur Bierstadt Forchheim passen könnte: die "Brauerei-Fachverkäuferin".

Zugegeben - daraus machen Klaus Fietzeck und Marco Bauer kein Geheimnis - sowohl Melodie, als auch die Grundzüge des Textes sind mit freundlicher Genehmigung des unterfränkischen Kabarettisten Michl Müller von dessen etwa vor zehn Jahren veröffentlichten Song "Fleischerei-Fachverkäuferin" entlehnt. Die Idee, das Lied Müllers für Forchheimer Ansprüche umzutexten, entstand Anfang des Jahres bei der Planung zur Prunksitzung der "Närrischen Siedler Lichteneiche", wo Bauer und Fietzeck in der Vorstandschaft des Faschingsvereins und als Büttenredner agieren. Letzterer verrät Details: "Auf die Spur brachte uns Florian Gräf, der ebenfalls dabei ist und jeder von uns dreien steuerte was dazu."

Seidla statt Gelbwurst

Aus der in Michl Müllers Version verschenkten Gelbwurst wurde ein Seidla Bier und die 100 Gramm Schinken einfach in einen Kasten Export getauscht. Aus der namenlosen Fleischerei-Fachverkäuferin wurde "Astrid", die Brauerei-Fachverkäuferin. Schon war das Lied fertig.

Geplant war, das Lied vom Band laufen zu lassen, während beide zur Melodie mimen, doch Fietzeck wollte kein Playback:"Entweder live oder gar nicht. Also habe ich auf der Bühne richtig gesungen und Marco tänzelte mit Perücke und Rock als Astrid Neder-Haub verkleidet um mich herum. Der Saal tobte, die Stimmung kochte, es war eine Mordsgaudi." So reifte der Entschluss, das Lied als Musikvideo umzusetzen. Dann kam Corona.

Nachdem die Beschränkungen für die Gastronomie gelockert waren, sollte nun endlich der Dreh am Originalschauplatz im Forchheimer Biertempel - ein lange gehegter Wunsch des Duos - stattfinden. Intensive Vorplanungen waren nötig, bis die Kameraleute Adam Kudlek und Armin Mundt die erste Klappe schlagen konnten. Die Gäste, die als Statisten den Wirtsraum füllten, waren schon per Einladungsverfahren namentlich erfasst, der Dreh als geschlossene Gesellschaft gemeldet.

Darunter der Präsident der Närrischen Siedler, Bernd Uttenreuther, der die Musik vom Band abspielte und Karate-Europameisterin Silvia Schnabel, die im Frühjahr für einen Clip schon im Kampfanzug zur Verfügung stand. Neben früheren Bierköniginnen, Stadträten und weiteren Gästen ging der Ex-Braumeister Rainer Kalb dem Schenker Erhard zur Hand, damit das von Neder-Chef Rafael Thiermeyer gestiftete Freibier Krug um Krug samt gesalzenen Laugenbrezeln unter die Leute kam.

Bevor Klaus "Karel" Fietzeck die ersten Töne ins Mikro schmettern konnte, gab es noch Regieanweisungen ans Publikum. Bis dahin wusste selbst Astrid Neder-Haub nicht - wie der überwiegende Teil der Statisten - was geschehen sollte. Und das, obwohl der ehemaligen Brauerei-Besitzerin eine Hauptrolle zugedacht war und sie zu diesem Zweck hinter dem Ausschank platziert wurde.

Einmarsch der singenden Gladiatoren

Nach dem Einmarsch der singenden Gladiatoren stieg das Publikum singend und klatschend ein. Als die "Sänger" sich erst von "ihrer Astrid" einen Kasten Export-Bier geben ließen, reichte diese ihnen zum Abschied zwinkernd mit einem "Prost" noch zwei Krüge Freibier über den Tresen. Die Szenerie endet mit dem liebevoll besungenen Refrain und wird symbolisch der fiktiven Spenderin gewidmet: "Das macht mich jung, das macht mich schön - gibt meinem Leben wieder Sinn. Sie ist die Brauerei-Fachverkäuferin."

Binnen der folgenden zweieinhalb Stunden werden die Strophen geschätzt zwanzig Mal wiederholt. Schon nach den ersten Versuchen wird klar. Der Mix aus eingängiger Melodie mit dem leicht nach zu singenden Text hat das Zeug für einen Ohrwurm. Die stetig steigende Begeisterung der Komparsen, deren Klatschrhythmus und Mitgesang Runde um Runde feuchtfröhlicher und lauter wird, ist nicht nur dem Freibier geschuldet.

In den letzten Szenen erweitern sich die Darsteller um zwei verkleidete Akteure, worauf das Gejohle nochmals anschwillt. Christian Lucius hüpft als Eisbär zur Melodie umher, ein weiterer Fan des Duos galoppiert in einem aufgeblasenem Pferdekostüm, das schon beim Clip zu den Kellerwaldzäunen Anwendung fand.

Video dauert knapp fünf Minuten

Kurz vor dem Erschöpfungszusammenbruch von Darstellern und Publikum ist für das am Ende knapp fünfminütige Musikvideo genügend Schnittmaterial im Kasten. Die beiden Nederbierpatscher resümieren beim Abschlussbierchen zufrieden. Bauer erklärt: "Unser Ziel mit dem Lied war vorwiegend Spaß und gute Laune zu verbreiten." Fietzeck: "Der Song ist eingängig und geradezu prädestiniert für Events wie das Annafest oder Faschingsbälle und Feiern in Tanzsälen. Auch in jedem Vereinsheim oder in Wirtschaften und Kneipen kann man das Lied singen. Überall wo Bier gezapft wird, steckt meistens eine Frau dahinter, die es einschenkt oder an den Tisch bringt. Jeder hat seine Astrid."

Das Forchheimer Duo will den fertigen Clip auch an Michl Müller senden und Bauer hofft zumindest auf eine kurze Resonanz: "Wer weiß, vielleicht singt er ja unsere Version auch mal beim TV-Fasching aus Veitshöchheim? Das wäre ein Traum." Fitzeck indes unterstreicht zum Abschluss augenzwinkernd die Wichtigkeit des ihrer Fantasie entsprungenen Berufsstandes: "Ich vermute sogar, Brauerei-Fachverkäuferin ist wohl der systemrelevanteste Beruf in ganz Deutschland."