Sommerzeit ist Reisezeit - aber 2020 sieht das alles ganz anders aus. Das merken auch die Forchheimer Reisebüros - eins hat seit Beginn der Pandemie bereits geschlossen. Monika Mäx vom Reisebüro Mäx sieht sich nun auch gezwungen, zu reagieren. In einer Rundmail an ihre Kunden erklärt sie Anfang der Woche, dass künftig nur die Zentrale am Marktplatz geöffnet habe. Montag bis Samstag, 10 bis 13 Uhr.

"Ich bin sehr dankbar über die finanzielle Unterstützung der Bundesregierung", erklärt die Chefin der Mäx-Reisebüros, "jedoch muss ich damit rechnen, dass in den kommenden Monaten keine verlässlichen Einkünfte erzielt werden und muss deshalb unsere Kosten so weit wie möglich minimieren."

Viel zu tun

Täglich müsse die Lage neu bewertet werden. Und auch wenn nicht viel gebucht wird, Arbeit gibt es dennoch: "Als Reisevermittler sind wir viel von dem Informationsfluss, den Bedingungen und Erreichbarkeiten der Reiseveranstalter abhängig, was unsere Arbeit in dieser herausfordernden Zeit oft erschwert", erklärt die Forchheimer Unternehmerin. Manchmal hänge man stundenlang in einer Servicehotline - sofern es überhaupt eine gibt.

"Wegfahren und doch nicht zu weit weg sein, das wollen aktuell viele", erklärt Huberta Sassa vom Deutschen Tourismusverband. Dabei seien die Binnenregionen in Deutschland die großen Gewinner. "Der Run auf die Küsten und das Alpenvorland ist für uns nicht überraschend", erklärt sie. "Die meisten, die dort sind, haben schon im vergangenen Herbst oder Winter gebucht, von einer neuen Deutschland-Reisewelle profitieren eher die anderen Regionen."

Sassa empfiehlt, über ein Reisebüro oder über Touristinformationen vor Ort zu gehen. "Dort gibt es einen guten Überblick, wo es noch freie Übernachtungsmöglichkeiten gibt", sagt sie. Bayern habe den Vorteil, dass in vielen Bundesländern die Ferien bereits vorbei sind und der Andrang nicht mehr so groß ist wie Ende Juli oder Anfang August. "Der Altweibersommer bietet tolle Möglichkeiten für einen Urlaub in Deutschland", erklärt sie. Fast überall gebe es noch freie Betten, man müsse nur genau schauen und vielleicht anstatt einer Ferienwohnung eine Pension wählen.

Weniger Besucher, weniger Umsatz

Eine genaue Zahl, wie groß der Zulauf in diesem Sommer für den Tourismus in Deutschland war, kann Sasse noch nicht sagen. "Aber eindeutig kann ich sagen, dass wir im Mai und Juni starke Einbrüche im Vergleich zum Vorjahr hatten", sagt Sasse. 41,7 Prozent weniger Gästeübernachtungen als vor einem Jahr, bescheinigt das statistische Bundesamt für den Juni 2020 für den Deutschlandtourismus. "Man spricht so leicht von einem Boom für den Urlaub in Deutschland", findet Sasse, "aber viele sind auch zu Hause geblieben."

Schlimm sehen auch die Zahlen bei Monika Mäx aus. "Im Juni hatten wir einen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr von 97 Prozent", erzählt sie. Auch der Juli lag bei über 90 Prozent und durch die Reisewarnung für Spanien war der August ebenfalls sehr schlecht. "Auch jetzt wird wieder ein Land nach dem anderen zum Risikogebiet", weiß Mäx, "wir müssen abwarten, sind aber sicher, dass es weitergehen wird." Viele, die die Möglichkeit hatten, haben sich in Deutschland nach einer Urlaubsmöglichkeit umgeschaut. "Oft war eine Umbuchung aber gar nicht so einfach möglich", sagt sie. "Nur etwa zehn Prozent der Kunden haben umgebucht."

Da viele in Kurzarbeit sind und nicht wissen, wie es weiter geht, könne sie verstehen, wenn die Kunden mit Neubuchungen zögerlich sind. "Meine Mädels und auch unsere Kunden sind echt super und verständnisvoll", betont Mäx immer wieder. Wie die Kredite an die großen Reiseveranstalter vergeben wurden, das ärgert Monika Mäx. "Sie wurden nicht an Bedingungen geknüpft", sagt sie, "und jetzt warten noch viele Kunden darauf, dass sie ihr Geld zurück bekommen." Aber auch für diese Kunden sind Mäx und ihre Mitarbeiterinnen da. Montag bis Samstag, 10 bis 13 Uhr.