Ende 2019 und auch in den ersten Monaten dieses Jahres nahmen die Leerstände von Ladenlokalen in Forchheim auffallend zu. Das nahm nicht nur Manfred Schade, Vorstandsmitglied der Forchheimer Händlervereinigung HeimFOrteil, wahr.

Besonders die Hornschuchallee war betroffen; der Afrikaladen schloss und auch die Metzgerei Frank. Seiner Meinung nach stammen die Leerstände nicht aus Überkapazitäten. Vielmehr seien einige Branchen nicht (mehr) vertreten; Interessenten für neue Läden seien vorhanden; aber das Risiko des Scheiterns sei derzeit auch besonders hoch, sagte Schade auf einer HeimFOrteil-Versammlung.

Peter Markert von der Coachingfirma Imakomm, der HeimFOrteil berät, listete bei seiner Analyse bei den Schwächen die zunehmende Leerstandsproblematik besonders in der Hornschuchallee auf; er hält den Branchenmix für verbesserungswürdig, sieht aber auch eine zusätzliche Belastung für die Attraktivität der Innenstadt durch die zwei Großbaustellen Rathaus und Luitpoldstraße.

"Wenn die Hornschuchallee eine Fressmeile werden soll, bräuchte man dort einschlägige Geschäfte nebeneinander", sagte Schade. So ist es für ihn bedauerlich, dass auch der Gewürzfachhändler seine Filiale in der Nähe aufgab. "Daneben müsste zum Beispiel ein Käsegeschäft sein", spinnt er den Gedanken weiter. Dicht an dicht, diese optische Wirkung sei auf Kunden verlockend.

Schade engagiert sich als Händler in der Innenstadt und leitet bei HeimFOrteil eine Arbeitsgruppe, um Vermieter und potenzielle Mieter zusammenzubringen.

Mundpropaganda hilfreich

So hat er vor einiger Zeit dem Hauseigentümer gleich neben seiner Buchhandlung den Weltladen, der sein Domizil an der Martinskirche verlassen musste, vermittelt. Dieser individuelle Weg komme allerdings wegen der Corona-Pandemie fast zum Erliegen. "So von Kollege zu Kollege spricht sich's leichter, als zur Stadt zu gehen", erklärte Schade seine Vorgehensweise.

Denn ein angedachtes Vermittlungsportal existiert noch nicht. Dringend sei ein Runder Tisch für Mietgespräche notwendig, fordert Schade. Seiner Einschätzung nach sinken aktuell die Mietpreise für Gewerbeobjekte. Deren Höhe wird seit Längerem ins Feld geführt, weshalb es so viele und so langdauernde Leerstände gäbe.

Nicht abschätzen kann er, ob noch weitere Schließungen bevorstehen. Das hänge von der Entwicklung der Pandemie ab. Bislang haben dank der Überbrückungshilfen die meisten Inhaber die Einschränkungen überstanden. Bei einer Umfrage unter den Mitgliedern von HeimFOrteil gaben etwa 20 Prozent an, dass "alles ok sei"; die Hälfte meinte, es "ginge so gerade", und 20 Prozent sprachen von "Sargnägeln".

Weitere Ideen für die Forchheimer Innenstadt

Imagefilm Louisa Herold und das Team von Jung-Adler aus Forchheim haben den Imagefilm "HereFOryou" gedreht, den sie den HeimFOrteil-Mitgliedern präsentierten. "Das ist unsere Coronamaßnahme, um zu zeigen, dass wir alle noch da sind", erläuterte Vorsitzende Petra Dietzel die Marketingkampagne. Der Imageclip soll auf möglichst vielen Kanälen präsent sein, um auf Forchheim neugierig zu machen und die Kauflust anzuregen.

Der Film ist aber nur der erste Schritt; die Filmemacher werden auf die HeimFOrteil-Mitglieder zugehen, um sich mit individuellen Inhalten zu ihrem Geschäft an den Trailer anzuhängen.

Eine nicht ganz billige Idee: Die Produktion des dreiminütigen Imagefilms kostete rund 4000 Euro.

Gutscheine Peter Markert von der Coachingfirma Imakomm, der HeimFOrteil berät, sprach von einem Gesamterlebnis Innenstadt, das befördert werden müsse.

Als weiteren Baustein schlug er Stadtgutscheine vor, wie es sie unter anderem in Bamberg und Erlangen gäbe. Die Gutscheine in kleinen Stückelungen seien beliebte Geschenke. Durch sie werde eine permanente Kaufkraftbindung erreicht, belegte er mit Beispielen deutscher Städte.

Seine Empfehlung sind Mitarbeiter-Gutscheine, die ein Firmeninhaber bei besonderen Leistungen oder Anlässen verschenken kann.

Die HeimFOrteil-Mitglieder reagierten eher vorsichtig, hat doch vor Jahren die Citycard nicht funktioniert. Wenn ja, so argumentierte ein Vereinsmitglied, müssten sehr viele Geschäfte mitmachen und vor allem die Gutscheine an vielen Stellen zu erwerben sein.lp