Rückenschmerzen und der Hausarzt weiß nicht weiter? Für das Ugef (Unternehmen Gesundheit Franken) Ärztenetz zwischen Bamberg und Erlangen ist das kein Problem. Denn der Wissensaustausch steht hier im Vordergrund - und das seit mittlerweile 10 Jahren.

Bei einer Gruppe von rund 15 Ärzten und einer Computerfirma entwickelte sich der Gedanke, ein Ärztenetz aufzubauen, erinnert sich der Vorstandsvorsitzende der Ugef, Joachim Möhrsdorf, der Arzt in Pretzfeld ist. Damit könnte einerseits die Patientenversorgung verbessert, andererseits die Arbeit einfacher und sicherer machen. Eines der Ziele der Gründer war die gegenseitige Vernetzung, um die medizinische Versorgung zwischen Bamberg und Erlangen zu verbessern, sagt die Geschäftsführerin des "Unternehmens Gesundheit Franken", Sabine Kramp.

Hausärzte in der Region halten, wurde ein weiteres Ziel. "Die Behandlung soll gewährleistet bleiben und kleine Praxen nicht von Großkonzernen aufgekauft werden", sagt Kramp. Dazu sollte das Ärztenetzwerk beitragen.

Zudem soll die Vernetzung für eine bessere Kommunikation zwischen verschiedenen Ärzten führen. "Die Gesundheit der Patienten ist das wichtigste. Mit einem Austausch können wir beispielsweise Polypharmazie vermeiden, was zum Tod führen kann", erläutert Kramp. Polypharmazie heißt: mindestens fünf Medikamente gleichzeitig einzunehmen.

Ein weiterer Vorteil: "Patienten bekommen schneller einen Termin, wenn sie zu anderen Ärzte aus dem Netzwerk gehen", erläutert Kramp.


Ausstiegswelle

Damit dieser Austausch funktionieren kann haben alle Ärzte die gleiche Praxissoftware. "Alle Patientendaten darin sind natürlich anonymisiert und verschlüsselt", berichtet Kramp. Zugleich ist diese Praxissoftware eine Hürde für einen Arzt, sich diesem Ärztenetz anzuschließen. "Denn so eine Software ist teuer", erläutert Kramp. Und bisher haben Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Apotheken und Ärzte verschiedene Programme. Neue Mitglieder müssten sich deshalb erst die Software des Ärztenetzes besorgen.

Geld spielte auch eine Rolle während der Austrittswelle im Jahr 2012, sagt Joachim Möhrsdorf. Die rund 80 Mitglieder waren hohen finanziellen Belastungen ausgesetzt. Das Ugef hat mit der Krankenkasse AOK einen Vertrag geschlossen. Darin erhalten Patienten kostenlose Untersuchungen und diverse Gesundheitschecks. Der Nachteil für Ärzte: Sie müssen diese Untersuchungen in Vorkasse bezahlen, sagt Sabine Kramp. Nach vier Jahren gibt es das Geld für diese Untersuchungen.

Dazu kam der monatliche Beitrag von 150 Euro, den jeder Arzt zahlen musste. "Der war viel zu hoch. Mittlerweile sind wir bei monatlich 50 Euro", erklärt Kramp. Sie erläutert, dass der geringere Beitrag dank des AOK-Vertrages möglich gewesen ist.

Insgesamt sind rund 40 Ärzte ausgestiegen, bestätigt Kramp. Aktuell sind 30 Ärzte sowie das Klinikum Forchheim, das Klinikum Fränkische Schweiz und das medizinische Versorgungszentrum Lichtenfels in dem Ärztenetzwerk.

Die Teilnehmerzahl steigt langsam wieder. "Jährlich gibt es rund drei Bewerber. Außerdem wollen noch zwei Kliniken eintreten", sagt Kramp.

In den 10 Jahren des Ugef war die Ausstiegswelle nicht das größte Ärgernis. "Die Kommunikation mit dem Klinikum Forchheim war sehr schwer", erinnert sich Kramp. Sie betont aber: "Jetzt ist sie brilliant."
Die größte Errungenschaft in zehn Jahren Ugef sei die Notfallmappe für Patienten."Eine Mappe, in der alle wichtigen medizinischen Daten stehen, die jeder Patient bei sich hat", erklärt Kramp.


Ärzte benötigen viel Zeit

Dennoch sei ein Ärztenetz kein Selbstläufer. Ärzte benötigen vor allem Zeit. Konferenzen, Wissensaustausch, Fortbildungen. Das bietet das Ugef für Ärzte. "In den Anfangsjahren war das noch immens. Wir haben an der Effizienz und dem Zeitmanagement gearbeitet", erklärt Kramp.
Anstelle von vier jährlichen Hauptversammlungen gibt es nur noch zwei. Die monatlichen Konferenzen müssen nicht mehr persönlich, sondern können per Telefon abgehalten werden.
"Das ist vor allem für junge Ärzte besser. Denn die wollen nach der Arbeit noch Zeit mit der Familie verbringen", meint Kramp.

Deshalb sei ein effizientes Zeitmanagement wichtig, um die Ärzte nicht zusätzlich zu belasten.
Für die Zukunft sieht Kramp noch einige Projekte. Sie würde gerne mit anderen wichtigen Krankenkassen der Forchheimer Region zusammenarbeiten. "Leider sind diese allerdings nicht gesprächsbereit", sagt Kramp. Daneben stehe die digitale Vernetzung im Mittelpunkt des Ärztenetzwerks, um den Austausch zwischen Ärzten, Pflegern, Apotheken und Krankenhäusern zu verbessern.