Um im Duktus des Stadtmarketings zu bleiben: Forchheim goes to Hollywood. In Anlehnung an den "Walk of Fame" in der Filmmetropole Los Angeles, will Forchheim als Biermetropole mit einem "Walk of Beer" glänzen. Wie am Hollywood-Boulevard sollen am Gehweg vor den vier Forchheimer Brauereien und am Fuße des Kellerwaldes messingglänzende Bodenplatten eingelassen werden. Der Bauausschuss bewilligte dies und vollzog somit die formale Grundsteinlegung für die neue geschichtliche Themenroute. Gepflastert werden soll sie in einigen Wochen. "Wenn wir Glück haben noch vor dem Annafest", hofft Nico Cieslar, der Leiter der Tourist-Information.


Mit den Krügen zu den Sternen

Wie Cieslar erläutert, soll die Themenroute die Innenstadt und den Kellerwald verbinden. Beim "Walk of Beer" sollen Messing-Sterne im Boden die Passanten auf die Bierkulturstätten aufmerksam machen - es gehe dabei nicht um Werbung, heißt es im Sitzungsvortrag. Jeder Stern habe eine eigene Nummer und einen QR-Code. "Über die Nummer im Flyer oder den QR-Code können vertiefende Informationen abgerufen werden", erklärt Cieslar.
Die Bodenplatten vor den Brauereien werden von den jeweiligen Betreibern finanziert, die Bodenplatte am Kellerwald von der Stadt Forchheim. Und was kostet so eine Platte? Zwischen 500 und 600 Euro, erklärt Nico Cieslar auf Nachfrage von Mitgliedern des Bauausschusses.
Zusammen mit Viktor Naumann, dem Leiter des Referates für Wirtschaft und Stadtmarketing, hat er die Hoffnung: "Der Walk of Beer könnte für große mediale Strahlkraft, auch international, sorgen und zusätzliche Touristen nach Forchheim locken".


Ärger über Anglizismus

Internationales Flair in allen Ehren, "aber wir leben nicht in Texas", stößt sich SPD-Stadtrat Albert Dorn an der Bezeichnung "Walk of Beer". Nicht jeder verstehe Englisch. Ins gleiche Horn stößt Holger Lehnard (CSU). Man solle wenigstens beim Bier die deutsche Schreibweise beibehalten. Als Lehrer gebe er sich alle Mühe den Kindern Rechtschreibung beizubringen und dann stehe auf der Straße hochoffiziell das Wort "Beer" geschrieben. Ganz anders sieht es CSU-Stadtrat Josua Flierl: Die Menschen machten überall auf der Welt Urlaub - "Walk of Beer" sei international verständlich "und geht gut über die Lippen, besonders wenn man was getrunken hat", weiß Flierl .


Stimmen vom Stammtisch

Man habe mit den Brauereien gesprochen, die seien mit dem "Walk of Beer" einverstanden, versichert Tourismus-Leiter Nico Cieslar. Unsere Zeitung hörte sich - wir wollen im internationalen Sprachgebrauch bleiben - bei den "Usern" im Neder um: "Bei so etwas Deutschem, wie dem Bier, sollte man auch einen deutschen Titel für diese Aktion wählen", erklärt Karl Heinz Distler an seinem Stammtisch - fügt allerdings hinzu: "Die Idee an sich finde ich klasse". Im Hofausschank treffen wir Georg Manfred Götz-Klaus. Für ihn ist der "Walk of Beer" eine geniale Idee "mit der man die Leute aufmerksam macht auf eine Stadt, die eine wahnsinnige Geschichte hat und eine lange Braukultur". In einer Zeit, in der sämtliche Innenstädte um Kunden kämpften, sei diese Aktion eine gute Werbung für Forchheim - und jeder Besucher trage dies weiter, betont Götz-Klaus. Auch Brauer und Schenker Raphael Thiermeyer ist begeistert: "Ja, das ist eine gute Idee. Der Walk of Beer macht die Leute aufmerksam auf die Forchheimer Brauereien und die Bierkultur, die hier gepflegt wird".