Mit dem Tod des Altbürgermeisters verliert die Gemeinde nicht nur einen herausragenden Kommunalpolitiker, einen Freund und ein Vorbild. Wenn die Marktgemeinde um Altbürgermeister Alfred Derfuß trauert, trauert sie um einen Menschen, der dem Ort seine Handschrift verlieh, der durch seine vielen Verdienste und sein Engagement immer das Wohl der Gemeinde im Auge hatte. Alfred Derfuß ist 85 Jahre alt geworden.

"Er war eine Persönlichkeit, die ich sehr geschätzt habe und mit der sich immer mehr Freundschaft entwickelt hat", sagt der amtierende Bürgermeister Heinz Richter (FWG). Er war 18 Jahre alt und Übungsleiter beim TSV, als er Derfuß kennenlernte. Als Übungsleiter hatte man Kontakt zum Bürgermeister. Das war damals Alfred Derfuß. Für Richter waren diese Kontakte etwas Besonderes. Als später Heinz Richter selbst zum Bürgermeister der Marktgemeinde gewählt wurde, wurde er erneut von dem außergewöhnlichen Mann begeistert.

"Er betrachtete mich als Persönlichkeit, nicht als Jugendleiter des Sportvereins", erinnert sich Richter. Die Achtung vor den anderen Menschen, Wertschätzung - dies waren Derfuß' Eigenschaften, die sich in allem Tun widerspiegelten. Das Wohl der Bürger im Auge zu haben, sich immer für den Mitmenschen einzusetzen, das war sein Grundsatz, den er von Jugend an lebte und auch bei allen politischen Entscheidungen beibehielt.

Derfuß war Neunkirchen von Kindheit an eng verbunden. Kaum einer kannte sich in der Geschichte des Ortes besser aus als der verstorbene Altbürgermeister. Einblicke von Derfuß' Taten hat Richter erhalten, als er die Laudatio für die Übergabe des Ehrenrings vorbereitete. Der Altbürgermeister konnte nachvollziehen, wie schwer das Amt eines Bürgermeisters ist.


18 Jahre Rathauschef

Er munterte auf, "Das darfst du nicht so schwer nehmen" und er lobte "Du machst deine Sache gut". "Es hat mich begeistert, dass er das zu einem politisch jungen Bürgermeister gesagt hat", freut sich Richter. Aus diesen Erfahrungen, Erlebnissen und Gesprächen hat sich eine Freundschaft zwischen den beiden Amtsträgern entwickelt.

Der feine, edle Charakter von Alfred Derfuß machte nicht nur den Menschen und Bürgermeister aus, zusammen mit seinen Verdiensten machten sie den Altbürgermeister zu einer unvergesslichen Person. Dabei war die kommunalpolitische Struktur zu Derfuß' Zeiten ganz anders und stellte durchaus Herausforderungen dar. Schon als junger Mann setzte sich Alfred Derfuß für die Jugendgruppe ein und war Gründungsmitglied der katholischen Kolpingfamilie St. Josef. 1968 wurde Derfuß für die CSU in den Marktgemeinderat gewählt und war von 1974 bis 1992 Erster Bürgermeister des Marktes Neunkirchen. Damals wuchs der Ort durch massive Zuzüge immens und auch den neuen sozialen und kulturellen Ansprüchen der Neubürger musste er gerecht werden. Die Gebietsreform fand statt, die Infrastruktur musste angepasst werden und den historischen Ortskern zu erhalten, war ebenfalls ein Anliegen des Altbürgermeisters.

Ein bescheidener und aufrichtiger Mensch mit einem scharfen Verstand, so beschrieb Richter den Altbürgermeister bei der Verleihung des goldenen Ehrenrings der Marktgemeinde im vergangenen Jahr. Derfuß' Engagement sei weit über das kommunalpolitische hinausgegangen.

Auch in Vereinen - in mehreren - war er aktiv. Gerade im kulturellen Bereich hat er viel bewegt. So setzte er sich für die Wiederherstellung der geschändeten Synagoge Ermreuth ein, verfasste die Festschrift und war Gründungsmitglied, Vorsitzender und Ehrenvorsitzender. Der Altbürgermeister handelte aber immer auch in kluger Voraussicht. So konnte er während seiner Amtszeit viele zukunftsweisende Projekte verwirklichen.
Das Alten- und Pflegeheim, den neuen Friedhof, die Schule am Schellenberger Weg mit Gründung des Schulverbandes, den Hochbehälter am Hetzles oder den Umbau der ehemaligen Klosterschule für die Verwaltung, er brachte die Südumgehung und die Sanierung des Zehntspeichers auf den Weg und begründete die Partnerschaft mit Deerlijk, zählt Richter auf.
Dass er nun seinen Vorgänger - den Freund, das Vorbild und die Persönlichkeit - beerdigen muss, fällt Richter nicht leicht. "Er wird eine Lücke hinterlassen."