Ein bisschen anders hatte Natalie Kugler sich ihre erste Schwangerschaft schon vorgestellt. Jetzt, seit sie im Mutterschutz ist, wäre sie gerne noch in Babygeschäfte gegangen, hätte noch ein paar Strampler oder Lätzchen gekauft.

Doch die Corona-Pandemie hat viele ihrer Pläne über den Haufen geworfen. Anfang Mai hat die Forchheimerin Entbindungstermin. So lange versucht sie noch das beste aus der Situation zu machen: die freie Zeit genießen, viel Bewegung an der frischen Luft, Ruhe. "Ich versuche, die Zeit möglichst entspannt zu verbringen. Ich mache mich nicht verrückt", sagt Kugler. Das Wichtigste: "Ich bin dankbar, dass unsere Maus gesund ist."

Entbinden möchte Kugler im Klinikum Forchheim. Sie wohnt in der Nähe, hat sich bei einem Infoabend bereits mit den Räumlichkeiten für die Geburt vertraut gemacht, schätzt die familiäre Atmosphäre vor Ort. Als vor rund einer Woche dann bekannt wurde, dass die Geburtshilfe des Forchheimer Klinikums wegen eines Verdachtsfalles vorübergehend geschlossen ist, musste Kugler auch hier über Alternativen nachdenken - falls sich ihre Tochter eher auf den Weg macht oder die Schließung andauert. Notfalls würde sie auf das Erlanger oder Bamberger Klinikum ausweichen.

Vater soll bei Geburt dabei sein

Am meisten Angst hat Kugler davor, dass der künftige Vater nicht bei der Geburt dabei sein darf. Das ist in der Corona-Zeit in manchen Krankenhäusern schließlich bereits vorgekommen. In Forchheim hat man bisher davon nichts gehört. "Dem Vater dieses Ereignis zu verwehren, wäre sehr schade", sagt sie. Kurzfristig hatte die 24-Jährige an eine Hausgeburt gedacht, das aber wieder verworfen.

Viel Unterstützung und Hilfe bekommt Kugler in dieser Zeit von ihrer Hebamme. In der Hebammenpraxis in Ebermannstadt hat sie bereits einen Geburtsvorbereitungskurs besucht. Der musste wegen des Coronavirus früher als geplant beendet werden. Sabine Lindenberger, Kuglers Hebamme, war dann noch einmal bei ihr Zuhause, hat alle Fragen geklärt und Tipps gegeben.

Doch manche Hebammen, vor allem freiberufliche, fühlen sich im Stich gelassen, sagt Sabine Lindenberger, die in der Hebammenpraxis Ebermannstadt arbeitet. "Wir betreuen täglich rund 40 Schwangere oder Wöchnerinnen im persönlichen Kontakt, auch in der Pandemie", sagt sie. Gerade in den ersten zwei Wochen nach der Geburt sei es wichtig, dass die Hebamme zur Wöchnerin nach Hause kommt, ihr persönlich zur Seite steht.

Hebammen schlagen Alarm

Doch es mangelt an Schutzkleidung, die Hebammen fühlen sich nicht genügend informiert. "Unser Beruf taucht ja nirgendwo auf", sagt Lindenberger. Vom Klinikum und der Notfallpraxis habe die Hebammenpraxis zwischenzeitlich drei Sets Schutzausrüstung und einige Schutzmasken bekommen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Lindenberger.

Die Pressestelle des Landratsamtes Forchheim teilt dazu mit: Im Normalfall würden sich selbstständige Hebammen selbst mit Schutzausrüstung versorgen. Die Menge, die der Staat ausgibt, sei "viel zu gering" und deshalb vorrangig für das Klinikum bestimmt. "Für andere Bereiche hat es leider nicht gereicht."

"Vier Hebammen haben sich infiziert"

Dr. Stefan Weingärtler, Chefarzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz, gibt einen Überblick über die aktuelle Lage am Klinikum.

Wie lange bleibt die Geburtshilfe des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz noch geschlossen?

Dr. Stefan Weingärtler: Unsere Geburtshilfe kann voraussichtlich wie geplant am 15. April wieder starten. Alle Patientinnen mit möglichem Kontakt wurden informiert, ans Gesundheitsamt gemeldet und getestet. Es waren alle negativ getestet worden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit möglichem Kontakt sind zu Hause in vierzehntägiger Quarantäne, alle anderen werden zur Sicherheit alle zwei Tage getestet. Somit sind wir ab 15. April wieder einsatzbereit.

In einer ersten Meldung hieß es, eine Hebamme habe sich möglicherweise extern mit dem Coronavirus angesteckt. Wurde dieser Verdacht inzwischen bestätigt?

Unsere Vermutung und sofortige Reaktion hat sich als richtig erwiesen, der Verdachtsfall wurde bestätigt. Es wurden die entsprechenden Maßnahmen durchgeführt, im Moment gibt es keinen Verdachtsfall mehr.

Wie viele bestätigte Corona-Fälle gibt es aktuell im Bereich der Geburtshilfe am Klinikum?

Letztendlich haben sich vier Hebammen infiziert, beziehungsweise wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Die Schließung hat Wirkung gezeigt, zumal beim Personal seit über einer Woche keine neuen Fälle mehr diagnostiziert wurden und insgesamt keine Übertragung auf Wöchnerinnen erfolgte.

Wie viele Geburten mussten wegen der Schließung der Geburtshilfe in andere Krankenhäuser verlagert werden?

Es wurden ca. 35 Geburtsanmeldungen für diesen Zeitraum informiert und darauf hingewiesen, sich eine alternative Entbindungsstation zu suchen. Die benachbarten Kliniken wurden informiert. Laut deren Angabe sollte es zu keinem Problem kommen unsere Schwangeren zu übernehmen.

Dürfen nachsorgende (selbstständige) Hebammen die Frauen, die zuletzt im Klinikum Forchheim entbunden haben, in der Zeit nach der Geburt zu Hause besuchen und betreuen?

Natürlich dürfen die nachsorgenden Hebammen die Frauen betreuen. Es sind alle Wöchnerinnen aus dieser Zeit soweit bekannt symptomfrei entlassen und negativ getestet worden. Sollte es dennoch einen Verdachtsfall geben, kann die Hebamme über das Gesundheitsamt oder über uns eine entsprechende Schutzausrüstung bekommen.

Das müssen werdende Eltern jetzt über die Schwangerschaft wissen

1. Sind Schwangere durch das Coronavirus gefährdeter als andere Frauen?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es international keinen Hinweis, dass Schwangere durch das Coronavirus (SARS-CoV-2) gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung. Es wird erwartet, dass die große Mehrheit der schwangeren Frauen nur leichte oder mittelschwere Symptome, ähnlich einer Erkältung beziehungsweise Grippe aufweist. Schwerwiegendere Symptome wie Lungenentzündung scheinen bei älteren Menschen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Langzeiterkrankungen häufiger zu sein. 2. Können Mütter ihr Baby stillen?

Ja. Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass das Virus über die Muttermilch übertragen werden kann. Daher wird davon ausgegangen, dass die anerkannten Vorteile des Stillens die potenziellen Risiken einer Übertragung des Coronavirus überwiegen. Infizierte Mütter oder Verdachtsfälle sollten beim Stillen durch Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Kind eine Übertragung des Virus durch Tröpfcheninfektion verhindern.

3. Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf das ungeborene Baby, wenn bei der Mutter eine Infektion diagnostiziert wird?

Es gibt keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass das Virus während der Schwangerschaft auf das Baby übertragen werden kann (dies wird als vertikale Übertragung bezeichnet). Es wird daher als unwahrscheinlich angesehen, dass das Virus beim Fetus zu Anomalien führt. Bislang wurde international nur über 20 Schwangerschaften berichtet, alle fanden in China statt. In keinem Fall war ein Neugeborenes infiziert. Es wurden keine Auffälligkeiten bei Mutter und Kind berichtet.

Quelle: Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik