Zum 50. Mal hat die Bayerische Forstverwaltung gemeinsam mit der Waldbesitzervereinigung Kreuzberg (WBV) eine "Vor-Ort-Beratung" durchgeführt. Zum Waldstück in der Nähe von Willersdorf kamen 30 Waldbesitzer, um sich über die aktuellen Waldschädlinge und die Fördermöglichkeiten beim Waldumbau zu informieren. In der WBV Kreuzberg sind rund 1100 Waldbesitzer aus den sieben umliegenden Kommunen organisiert.

Experten der Informationsveranstaltung waren die beiden Förster Matthias Jessen und Matthias Koch (WBV-Geschäftsführer). Jessen, Revierleiter des Forstreviers Hallerndorf, appellierte: "Es ist schon merklich später als fünf vor zwölf." Borkenkäfer an der Fichte, Diplodia-Triebsterben, Mistelbefall oder der Blaue Prachtkäfer an der Kiefer sind nur die Vorboten dessen, was auf die Wälder rund um die Untere Mark mit dem Klimawandel zusteuert.

"Bislang waren wir von einer Erwärmung von maximal zwei Grad der Jahresdurchschnittstemperatur ausgegangen und haben dafür Szenarien für die Wälder entwickelt. Wir würden dann mit der Unteren Mark und den Waldgebieten um Forchheim irgendwo bei einem Klima ankommen, wie es derzeit in der Italienischen Po-Ebene herrscht", veranschaulichte Jessen. Wo man in Willersdorf im Jahr 2050 und 2100 stehen werde, sei ungewiss. "Vielleicht ein Klima wie jetzt in Sizilien oder Afrika?", malte er als düsteres Bild an die Wand oder vielmehr in den Wald.

Zusammen mit der Waldbesitzervereinigung Kreuzberg, deren Vorsitzendem Bernhard Roppelt, Zweitem und Drittem Vorsitzenden Martin Amtmann aus Haid und Georg Batz aus Schnaid sowie dem Ortsobmann aus Willersdorf riefen die beiden Förster die Waldbesitzer auf, ihre Wälder schnellstmöglich umzubauen. "Wenn solche Dürrejahre, wie wir sie 2003 und 2015 erlebt haben, unser Alltag wird, dann haben wir die Zeit verspielt, die uns geblieben ist, um neue Wälder anzupflanzen", warnte Matthias Koch.

Zum 50. Mal seit 2011 haben Bernhard Roppelt und das Staatliche Forstamt die Waldbesitzer in die Wälder eingeladen. Matthias Koch erläuterte, wie der Umbau funktioniert: "Damit unten etwas Neues entstehen kann, muss oben etwas passieren." Waldbesitzer sollen ihre alten Wälder durchforsten, den Zuwachs auf die besten Bäume lenken und somit "Lichtschächte" für die neue Generation Wald schaffen.


Beispiel Fichtenwald

Am Beispiel eines Fichtenwaldes, der vor zwei Jahren nach einem Sturm durchforstet wurde, zeigten die Experten den Waldbesitzern, wie der Waldumbau in der Praxis aussehen kann. "Vor-Anbau mit Rotbuche unter dem Schirm des Fichten-Altholzes" heißt das in der Fachsprache. In einem Abstand von einem Meter in der Reihe und zwei Meter von Reihe zu Reihe wurden Rotbuchen in den Fichtenwald gepflanzt. Das Ziel: Sollte der Fichtenwald von Borkenkäfer oder Sturm zerstört werden, so ist schon der neue klimatolerante und standorttaugliche Wald angelegt worden. Klimatolerant nennen die Förster solche Waldbäume, von denen sie annehmen, dass diese der in den kommenden 100 Jahren zu erwartenden Klimaerwärmung auch gewachsen sind.


Kiefer und Fichte als Verlierer

"Verlierer werden die Kiefer und die Fichte in unserem Vereinsgebiet sein", ermahnte Matthias Koch. Das zeigten auch die Klimarisikokarten, die Matthias Jessen präsentierte. Rot - wie bei einer Ampel - sind die Aussichten für die zwei Nadelbaumarten in den nächsten 100 Jahren. Das sind die Zeiträume, in denen Förster denken müssen. Denn 100 Jahre und teilweise noch viele Jahrhunderte mehr stehen die Bäume bis zu ihrem natürlichen Tod.

"Fichte und Kiefer werden mit der Hitze und Trockenheit in den Sommermonaten nicht mehr hier leben können", zeichnete Bernhard Roppelt ein düsteres Bild und appellierte an die Waldbesitzer, "Holz zu machen", die Wälder zu bewirtschaften.


Staatliche Förderung

"Besser denn je" ist laut Jessen die staatliche Förderung. "Die Politik hat längst erkannt, dass es unseren Wäldern an den Kragen geht", resümierte er. Jessen rechnete vor: "Die seit 2015 aufgelegte Waldförderrichtlinie ermöglicht es jedem Waldbesitzer, seinen Wald ohne finanzielle Anstrengung klimatauglich umzubauen."


Gefürchteter Blauer Kiefernprachtkäfer

An einem angrenzenden Waldstück erklärte Matthias Koch, wie der Befall des gefürchteten Blauen Kiefernprachtkäfers frühzeitig erkannt werden kann. Der ursprünglich in südlichen Gefilden beheimatete Käfer ist in der Region angekommen. Begünstigt durch den heißen und trockenen Sommer 2015 wurden bayernweit auffällige Schäden, zumeist an den Waldrändern von Kieferbeständen, beobachtet. Erste Anzeichen sind kleine Spechtabschläge. Im Anfangsstadium ist ein Befall für den Laien nur schwer erkennbar. Die Larven fressen zickzackförmige Gänge, es kommt zu einer graugrünen Verfärbung der Nadeln, die Rinde fällt ab und die Bäume beginnen abzusterben.