Von Wehmut, ob dem nahenden Ende der Jahn-Halle, war keine Spur als etwa 270 Gäste das Tanzbein beim diesjährigen glamourösen Liedervereinsball schwangen. In ihrer Begrüßung wies die erste Vorsitzende des Liedervereins, Gisela Steinlein, keck auf das Roll-Up im Foyer hin, welches von der Tanzschule Rupprecht-Moser gestellt wurde. Dieses freistehende Plakat mit dem Slogan "Hier tanzt Forchheim" sei glücklicherweise mobil: "Denn ob und wo wir nächstes Jahr tanzen werden, wissen wir noch nicht", so Steinlein. Sie empfahl den besonderen Charme der Jahn-Kulturhalle zu genießen, denn diese soll abgerissen werden und ein alternativer Ort für eine Kulturveranstaltung dieser Größenordnung ist noch nicht in Sicht.


Tanzorchester für die deutschen Meisterschaften der Profitänze


Das erstklassige Tanzorchester PIK10 aus Bayreuth mit der Sängerin Kathrin Kohlmann unterstrich das glanzvolle Ambiente. Die Tänze wurden angesagt, der Takt gehalten und das Ensemble war optisch eine Augenweide.
Ein Paar aus Neumarkt beziehungsweise Roth, das sich den Besuch von Galabällen zum Hobby gemacht hat, reiste extra für den Liedervereinsball nach Forchheim an, um zu der Musik des Tanzorchesters PIK 10 zu tanzen. "Wir suchen im Internet nach den passenden Veranstaltungen und sind dabei auf den Liedervereinsball gestoßen."



Feuriger Samba und klassischer Wiener Walzer


Den Blick hoheitsvoll über die Schulter des Partners gerichtet, die rechte Hand "auf Kante" auf das Schulterblatt des Mannes gelegt, die rot geschminkten Lippen streng verschlossen, konnten die Tänzerinnen mit disziplinierter Haltung den "Valentino"- eine Schrittfolge des Tangos, präsentieren. Lateinamerikanische Tänze wechselten sich in harmonischer Folge mit Standardtänzen ab: Beim Paso Doble, der mit dem Aufstampfen der beiden Tänzer ein wenig an einen spanischen Stierkampf erinnert, blieb genügend Platz auf der Tanzfläche um extravagante Figuren zu tanzen. Beim Wiener Walzer hingegen, musste der Rotationsweg genau berechnet werden, um nicht eine Massenkarambolage hervorzurufen. Halbe Brezel beim Disco-Fox, Wiegeschritt bei der Rumba - die Tänzer und Tänzerinnen bewiesen ihr Können auf hohem Niveau.


Sehen und gesehen werden


Im Gegensatz zu Übungsstunden bei einer Tanzschule bietet ein Ball eine Gelegenheit sich elegant in Schale zu werfen. Bei den Damen waren fast alle Stilrichtungen vertreten: Von der Hose&Bluse-Kombination bis hin zu schillernden bodenlangen Galakleidern mit raffinierten Aufsteckfrisuren. Die Herren - meist in Anzug und Fliege - boten ebenfalls ein ansehnliches Bild. Wer Abkühlung vom Geschehen auf der Tanzfläche suchte, fand draußen an der Bar Gelegenheit zu Gesprächen bei Sekt oder alkoholfreien Getränken.


My fair Lady und Geburtstagsständchen


Ein Höhepunkt des Abends war der Auftritt der rund 30 Sänger des Liedervereins. Alexander Ezhelev dirigierte Lieder aus My fair Lady - "Ich hätt" getanzt heut nacht!", "Hello Dolly" und "Who can say where the road goes" von Enya. Den krönenden Abschluss bildete ein Geburtstagsständchen mit anschließendem Walzer für die viele Jahre amtierende ehemalige erste Vorsitzende des Liedervereins Heidi Neubauer.

Zu später Stunde zeigte die Aktivgarde der Närrischen Siedler Lichteneiche ihr akrobatisches Können mit einer Showeinlage.

Der Liedervereinsball, als einer der letzten großen Tanzveranstaltungen in Forchheim, setzt jedes Jahr neue Maßstäbe für gelungene Unterhaltung. Hoffentlich findet er nächstes Jahr wieder statt.