Das Jahr 1968 war das Jahr der Proteste: In Deutschland sind es die Studentenbewegungen mit Protesten gegen die Notstandsverfassung und die außerparlamentarische Opposition. In Tschechien herrschte der Prager Frühling mit dem Einmarsch der Panzer. In den USA schlugen die Wellen hoch, wegen des Vietnam-Krieges und dem Tode des Bürgerrechtlers Martin Luther King. Davon war hier auf dem Lande wenig zu spüren, es wurde gefeiert, was das Zeug hielt.

In Egloffstein feierte Altbürgermeister Peter Wirth zu Beginn des Jahre 1968 seinen 60. Geburtstag, der Fränkische Schweiz-Verein rief auf zur Sammlung alten Liedgutes und Ende Februar vertrieb ein Fosenacht-Brauch den Winter, indem man das ganze Haus putzte und auf Vordermann brachte und den Tiere besondere Pflege gab. Touristisch bedeutsam war die Einführung einer "Kurkarte" der "Werbegemeinschaft Fränkische Schweiz", einem Zusammenschluss der wichtigsten Tourismusgemeinden, mit der man Vergünstigungen bei Eintrittspreisen bekam.

Zum 1. April ist in Egloffstein mit Dieter Endres (30) einen neuen Pfarrer installiert worden. Für politische Furore sorgte die "Arbeitsgemeinschaft Fränkische Schweiz" die unter Leitung des damaligen Zahnarztes Amandus Deinzer "Möglichkeiten für eine verwaltungsmäßige Zusammenfassung der Fränkischen Schweiz zu einem eigenen Landkreis" prüften. Das ist "kein Spleen einiger Verrückter" so Deinzer 1968, sondern der Versuch die kulturellen Strömungen die zusammengehören, auch zusammen zu bringen. Als Beweis für sein Vorhaben nannte er eine Veröffentlichung des Waischenfelder Historikers Michel Hofmann, der die Entstehung des Landkreises Ebermannstadt als Beispiel nannte, wie man auf politischer Ebene "willkürliche Amtsgrenzen" zog, als man 1862 die Landgerichtsbezirke älterer Ordnungen zusammen fasste. Fehler die damals gemacht wurde, könnte man im Zuge der Neuorganisation der Landkreise, die ab 1972 anstand, wieder beheben.

Im Juni feierte Hundsboden das 10-jährige Bestehen des örtlichen Gesangvereins mit einer Fahnenweihe und einem großen Sängerfest zu dem auch der Patenverein "Eintracht Reuth" und als Schirmherrin natürlich Gudila Freifrau von Pölnitz beitrugen, obwohl sie erst ein Jahr vorher ihren Ehemann Götz, Freiherr von und zu Pölnitz verloren hatte. Kurz darauf, im September, feierte dann Egloffstein ein großes Fest: die Einweihung der neuen Schule, die am 11. September ihren Betrieb aufnahm und damit auch die Schulen von Bieberbach und Affalterthal überflüssig machte. Der "modernste Schulbau im Forchheimer Raum" so die Lokalpresse, kostet rund 2,2 Millionen Mark. Er bietet neun Schulsäle und einige "Funktionsräume", wie Lehrküche, Werkraum oder Handarbeitsraum, eine Turnhalle und eine Hausmeisterwohnung sowie ein Pausenraum und die großzügige Aula.

Dem Bau vorangegangen war ein sogenannter "Schulversuch" in dem man auch umliegende Gemeinden mit einbezog. Neben den Kindern aus Bieberbach, dort wurde erst 1963 eine eigene Schule gebaut und Affalterthal, werden künftig auch die Kinder aus Schweinthal hier unterrichtet.

Bieberbach feierte auch großes Fest in diesem Jahr: Die Soldaten- und Kriegerkameradschaft beging im Oktober den 75. Geburtstag "in Anwesenheit aller Soldaten- und Kriegervereine des Landkreises Forchheim", wie die Lokalpresse bemerkt. Und das, obwohl der Ort damals noch, bis 1972, zum Landkreis Pegnitz gehörte und daher auch als Schirmherr der Pegnitzer Landrat fungierte. Pfarrer Hatto Hack aus Affalterthal zelebrierte den Festgottesdienst, in der 1952 neu erbauten Bieberbacher Kirche. Auch die örtliche Raiffeisenbank hatte allen Grund zum Feiern. Erstmals gelang es "trotz anhaltender Rezession" 1968 die Umsatzmillion zu überschreiten, was eine Steigerung von 25 Prozent bedeutete. Deshalb stand der Verband dem Bau eines Geschäfts- und Lagerhauses "wohlwollend gegenüber", hieß es in der Presse. Beides ist heute noch in Betrieb.