Noch heute heißt eine Straße in Eggolsheim "Am Schwedengraben" und geschichtlich interessierte Zeitgenossen werden diesen Straßennamen mit der Zeit des Schwedenkrieges (Teil des 30-Jährigen Krieges im 17. Jahrhundert) verbinden. Tatsächlich ist der Schwedengraben jedoch älter, wohl schon 800 Jahre.

Es gibt aber nur wenige, die den ehemaligen Verlauf dieser aus Wall und Graben bestehenden Schutzanlage wirklich kennen. Mit Begeisterung folgten Viertklässler Rudolf Distler, einem Profi auf diesem Gebiet, der diesen Erlebnisrundgang auch im neuen Schuljahr wieder nicht nur Kindern anbietet, sondern in modifizierter Form auch Erwachsenen.

Nahe der Schule an der Stelle des nicht mehr existierenden Bamberger bzw. Unterstürmiger Tors (Richtung Norden) begann die Geschichtswanderung, auf der Distler nicht nur viel historisch Interessantes über Eggolsheim auf lebendige Weise erzählte, sondern noch wirklich sichtbare Reste des "Schwedengrabens" zeigen konnte. Natürlich gab es vorherige Absprachen mit den Eigentümern, da diese augenfälligen Beweise - die Teil der ganz alten Grenze des Ortes waren - inzwischen auf Privatgrund liegen.

Meterhoher Wall

Da gab es Stücke des etwa zwei Meter hohen Schutzwalls und andererseits des genauso tiefen Grabens, der in den alten Zeiten mit dem Wasser des Eggerbachs versorgt wurde, das um den ganzen Ort geleitet wurde.

An besonderen Haltepunkten, zum Beispiel an der sogenannten östlichen Spitzenkapelle - einer von vieren, die in der Nähe der Tore standen bzw. stehen - wurde deren Bedeutung erklärt und es wurden mehr oder weniger gruselige Ortssagen erzählt.

Einen der spielerischen Höhepunkte gab es vor dem Rückweg zur Schule. In der Straße "Am Schwedengraben" erläuterte Distler am Hirtentor, dem einzigen noch erhaltenen Tor im Süden des Orts, die Gerichtsbarkeit in Eggolsheim.

Drakonische Strafen

Vor einem dort aufgestellten Marterl nach Todesurteil (zwei Brüder waren im Streit mit Flegeln aufeinander losgegangen) sprach Rudolf Distler über die damalige Gerichtsbarkeit und die Galgenstelle außerhalb des Orts, aber auch über geringere öffentliche Strafmaßnahmen - etwa über das Einsperren zänkischer Frauen in die so genannte Halsgeige. Zwei Mädchen der Schülergruppe meldeten sich und spielten zum Vergnügen der Schulkameraden diese peinliche Situation nach.

Das Besondere der Geschichtswanderung besteht gerade darin, dass man - größtenteils ohne es oft sinnlich wahrnehmen zu können - Geschichte unter den Füßen hat.