Für Warmduscher sind die aktuellen Wetterberichte ein Horror. Ins Freibad gehen deshalb nur die wenigsten. Tatjana Arnold aus Ebermannstadt hat es satt, sich von dunklen Wolken und kühlen Temperaturen die Sommerlaune verderben zu lassen. Den "schönsten Tag in der Woche" hat sich die 23-jährige Studentin aus Ebermannstadt ausgeguckt, um im "Ebser Mare" (so heißt das Freibad seit der Renovierung) ihre Bahnen zu ziehen. "Das Wasser ist gar nicht so kalt, wie ich es mir vorgestellt habe", erzählt Tatjana am Beckenrand. Überwindungskraft habe nur der erste Sprung in den immerhin 23 Grad warmen Pool gekostet. "Ich schwimme jetzt schon fast eine Stunde."

Keine Sonne unterm Zuckerhut
Blaue Lippen hat Tatjana nicht. Einen Sonnenbrand genauso wenig. "Richtig braun wird man heute leider nicht." Damit das mit dem Teint noch was wird, müsse sich der Sommer schon noch einmal blicken lassen, findet Tatjana. Die gute Laune lässt sich die 23-Jährige davon nicht verderben. Egal ist ihr auch, dass die Liegewiese menschenleer ist. Die Aussicht ist trotzdem traumhaft. Im Rücken thront der Gipfel des Zuckerhuts. Die Wiesent umfließt in zwei Armen die Liegewiesen. Im Biergarten löschen die Sonnenhungrigen normalerweise ihren Durst.

Ganz normal findet Tatjana das aktuelle Wetter nicht. "Der Sommer soll sich langsam mal blicken lassen." Mit einem Satz springt Tatjana aus dem Becken. Der Pool ist jetzt platt wie ein Ententeich. Im Nicht-Schwimmerbecken blubbert es dagegen gewaltig. "Das Becken hier kommt mir ein bisschen wärmer vor. " Außerdem seien die Massagedüsen jetzt genau das Richtige, sagt Tatjana.



Derweil kann Bademeister Klaus Wagner zwei neue Badegäste begrüßen. Unerschrocken springen die zwei Schülerinnen sofort ins Wasser. Wolken hin und her - die Mädchen haben Ferien. Einen Besucherandrang musste das Ebser Mare heuer noch nicht verkraften, erzählt Betriebsleiter Harald Herbach. Lediglich 365 Badegäste hätten sich in diesem Jahr bislang in die Fluten gewagt. Zum Vergleich: Im letzten Jahr waren fast im gleichen Zeitraum bereits über 5000 Menschen im Bad.

Sorgen bereitet das Jürgen Fiedler von den Stadtwerken Ebermannstadt nicht. Bei schlechtem Wetter (unter 20 Grad) öffne das Bad nur morgens und abends für eineinhalb Stunden, um Kosten zu senken. "Für schwimmbegeisterte Senioren und Berufstätige ist das ideal." Traurig findet der Geschäftsführer der Stadtwerke freilich, das Sonnenbaden heuer noch nicht stattfinden konnte. Ein Zuckerl hat Fiedler für Schwimmlustige: "Wir haben besonders warme Duschen."