Als Martin Vierling das erste Abblendlicht dieser Welt erblickte, war EBS längst Geschichte. Vor 28 Jahren war das, zwölf Jahre nach der Gebietsreform von 1972. Damals ging der Landkreis Ebermannstadt im Landkreis Forchheim auf, das Autokennzeichen "EBS" wurde von "FO" verdrängt. Und doch fährt der junge Mann heute den wohl einzigen Wagen mit einem Original-Kennzeichen von einst - ohne blaue EU-Markierung. Es ist ein Mercedes 200, Baujahr 1966. In diesem himmelblauen Prachtstück kutschiert Vierling am Dienstagabend Hartmut Koschyk, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, 200 Meter vom Rathaus zum Marktplatz. Sie sind Teil der Oldtimerparade zum Auftakt des Politischen Abends am Altstadtfest.
"Bitte sorgen Sie dafür, dass wir in Ebermannstadt wieder unser heißgeliebtes Kennzeichen erhalten", ruft Bürgermeister Franz Josef Kraus (CSU) seinen hochrangigen politischen Gästen zu, während Martin Vierling den Mercedes in der Nähe sicher abstellt. Das dauert schon ein bisschen, denn Schnelligkeit ist nicht die Stärke des noblen Schlittens. "Man fühlt sich darin wie in einem Wohnzimmer der 70er-Jahre - und so fährt er sich auch", sagt der 28-Jährige.
Warum der EU-Zusatz fehlt
Der Mercedes ist ein Firmenwagen der Ebermannstadter Elektronik-Firma Vierling, angeschafft hat ihn einst Oskar Vierling, der Gründer des Unternehmes und Großvater von Martin. Viel gefahren wurde er nicht: Der Tacho zeigt heute gerade mal über 40.000 Kilometer an. Weil der Wagen stets Besitz der Firma war, behielt er sein ursprüngliches Kennzeichen "EBS - V 151". "Wenn bei privaten Fahrzeugen der Eigentümer stirbt, muss ja sonst ein neues Kennzeichen angemeldet werden. Das erhält dann auch den EU-Zusatz", erklärt Martin Vierling. Seit 2010 ist er Mitglied der Geschäftsleitung und bewegt nun die 96 PS starke Edelkutsche häufiger selbst.
Indessen hat Melanie Huml (CSU), Staatssekretärin im Bayerischen Umwelt- und Gesundheitsministerium, das Podium am Marktplatz betreten. Sie, so hofft Bürgermeister Kraus, wird sein Anliegen in München vortragen. Sie versichert: "Das Wirtschaftsministerium ist offen dafür." Dann kommt das Aber: "Andere Ministerien fragen: Gibt's denn nichts wichtigeres?"
Der Satz ist später noch häufiger zu hören - von Klaus Karl-Kraus genauso wie von den lokalen Mandatsträgern. Er könne mit einem Comeback von EBS leben, sagt Landrat Reinhardt Glauber (FW), aber in einem gut zusammengewachsenen Landkreis Forchheim sei das "eigentlich ein Rückschritt". Ähnlich bewertet das der CSU-Landtagsabgeordnete Eduard Nöth: "Es ein Ausdruck der heutigen Zeit, dass die Menschen nach Identifikation suchen." In der CSU-Fraktion gebe es noch keine Mehrheit für die Wiedereinführung der alten Kennzeichen, aber er sei dafür, solange es nur Fahrzeughalter bekommen, die es ausdrücklich wollen. Landtagskollege Thorsten Glauber (FW) stimmt zu: "Wenn es der Volksseele gut tut, sollte man es mit Wohlwollen behandeln."
Melanie Huml versucht, genau diese zu ergründen, indem sie bei den rund 800 Zuhörern nachfragt, wie wichtig ihnen das Thema sei. Der Applaus fällt - jenseits der ersten Reihen - verhalten aus. "Ich werde von diesem Abend die Stimmung mitnehmen", verspricht Huml - schwer zu sagen, ob das eine gute Nachricht für EBS ist.
Für besondere Anlässe
Martin Vierling verfolgt die Reden mit einem Schmunzeln. Er hat ja sein EBS. Das gefällt ihm, denn das sei ja auch die Abkürzung für die Stadt. "Ich war in Ebs in der Schule, ich gehe in Ebs ins Schwimmbad - da ist die Verbindung schon noch intensiver", sagt Vierling. Trotzdem holt er den Mercedes 200 nur zu besonderen Anlässen aus der Garage. Wenn er seine Großeltern am Sonntag zum Schäuferla-Essen fährt zum Beispiel. Oder eines Tages dann auch zur eigenen Hochzeit.
"Bitte sorgen Sie dafür, dass wir in Ebermannstadt wieder unser heißgeliebtes Kennzeichen erhalten", ruft Bürgermeister Franz Josef Kraus (CSU) seinen hochrangigen politischen Gästen zu, während Martin Vierling den Mercedes in der Nähe sicher abstellt. Das dauert schon ein bisschen, denn Schnelligkeit ist nicht die Stärke des noblen Schlittens. "Man fühlt sich darin wie in einem Wohnzimmer der 70er-Jahre - und so fährt er sich auch", sagt der 28-Jährige.
Warum der EU-Zusatz fehlt
Der Mercedes ist ein Firmenwagen der Ebermannstadter Elektronik-Firma Vierling, angeschafft hat ihn einst Oskar Vierling, der Gründer des Unternehmes und Großvater von Martin. Viel gefahren wurde er nicht: Der Tacho zeigt heute gerade mal über 40.000 Kilometer an. Weil der Wagen stets Besitz der Firma war, behielt er sein ursprüngliches Kennzeichen "EBS - V 151". "Wenn bei privaten Fahrzeugen der Eigentümer stirbt, muss ja sonst ein neues Kennzeichen angemeldet werden. Das erhält dann auch den EU-Zusatz", erklärt Martin Vierling. Seit 2010 ist er Mitglied der Geschäftsleitung und bewegt nun die 96 PS starke Edelkutsche häufiger selbst.
Indessen hat Melanie Huml (CSU), Staatssekretärin im Bayerischen Umwelt- und Gesundheitsministerium, das Podium am Marktplatz betreten. Sie, so hofft Bürgermeister Kraus, wird sein Anliegen in München vortragen. Sie versichert: "Das Wirtschaftsministerium ist offen dafür." Dann kommt das Aber: "Andere Ministerien fragen: Gibt's denn nichts wichtigeres?"
Der Satz ist später noch häufiger zu hören - von Klaus Karl-Kraus genauso wie von den lokalen Mandatsträgern. Er könne mit einem Comeback von EBS leben, sagt Landrat Reinhardt Glauber (FW), aber in einem gut zusammengewachsenen Landkreis Forchheim sei das "eigentlich ein Rückschritt". Ähnlich bewertet das der CSU-Landtagsabgeordnete Eduard Nöth: "Es ein Ausdruck der heutigen Zeit, dass die Menschen nach Identifikation suchen." In der CSU-Fraktion gebe es noch keine Mehrheit für die Wiedereinführung der alten Kennzeichen, aber er sei dafür, solange es nur Fahrzeughalter bekommen, die es ausdrücklich wollen. Landtagskollege Thorsten Glauber (FW) stimmt zu: "Wenn es der Volksseele gut tut, sollte man es mit Wohlwollen behandeln."
Melanie Huml versucht, genau diese zu ergründen, indem sie bei den rund 800 Zuhörern nachfragt, wie wichtig ihnen das Thema sei. Der Applaus fällt - jenseits der ersten Reihen - verhalten aus. "Ich werde von diesem Abend die Stimmung mitnehmen", verspricht Huml - schwer zu sagen, ob das eine gute Nachricht für EBS ist.
Für besondere Anlässe
Martin Vierling verfolgt die Reden mit einem Schmunzeln. Er hat ja sein EBS. Das gefällt ihm, denn das sei ja auch die Abkürzung für die Stadt. "Ich war in Ebs in der Schule, ich gehe in Ebs ins Schwimmbad - da ist die Verbindung schon noch intensiver", sagt Vierling. Trotzdem holt er den Mercedes 200 nur zu besonderen Anlässen aus der Garage. Wenn er seine Großeltern am Sonntag zum Schäuferla-Essen fährt zum Beispiel. Oder eines Tages dann auch zur eigenen Hochzeit.