"Verkaufsoffene Sonntage halten wir ab, um Gewerbetreibende zu unterstützen", sagt der Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft Ebermannstadt, Andreas Kirchner. Denn Paul Lehmann von der Gewerkschaft Verdi, Bezirk Oberfranken-West, hat beim Landratsamt Forchheim eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Stadt Ebermannstadt eingereicht, um den für den 13. September geplanten verkaufsoffenen Sonntag zu verhindern. Im Verdi-Schreiben heißt es unter anderem: "Die Stadt Ebermannstadt sah auf unsere Aufforderung, die Verordnung abzuändern, keinen Handlungsbedarf." Kirchner bestätigt, dass er persönlich mit Lehmann telefoniert habe. Dabei habe er den Eindruck gewonnen, dass Verdi grundsätzlich gegen verkaufsoffene Sonntage sei und Paul Lehmann, ein gelernter Einzelhandelskaufmann, eine persönliche Motivation habe, Verkäufer vor Sonntagsarbeit zu bewahren. "Ich habe auch mit dem Landratsamt telefoniert, die von uns eine Stellungnahme anfordern", erklärt Kirchner.

Das Beispiel Hirschaid

Im Schreiben wird unter anderem darauf hingewiesen, dass zum Beispiel die Aufsichtsbeschwerde gegen Hirschaid erfolgreich war. Auch hier war für den 13. September ein verkaufsoffener Sonntag geplant. Zudem heißt es, dass "Läden einer Kommune nur sonntags öffnen dürfen, wenn es eine Veranstaltung gibt, die für den Sonntag prägend ist und für sich alleine genügend Besucher anzieht". Hierzu meint Andreas Kirchner: "In Hirschaid war das anders. Wir haben einen Markt festgesetzt." Außerdem wird in dem Schreiben auf die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung hingewiesen. Laut der sechsten bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sind Großveranstaltung derzeit untersagt. Eine Großveranstaltung ist laut Verdi aber Voraussetzung für das Abhalten eines verkaufsoffenen Sonntags. Kirchner erklärt, dass der geplante Markt am Oberen Markt räumlich abgegrenzt sein werde. Es werde Absperrungen geben und Hinweisschilder, dass Mund- und Nasenschutz getragen werden müssen. Das soll von einer Security-Firma auch kontrolliert werden. Außerdem verweist Kirchner auf einen Brief vom stellvertretenden Bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger (FW), in dem die Kommunen ermuntert werden, die Veranstaltung solcher verkaufsoffenen Sonntage zu unterstützen. "Wir machen uns da richtig Arbeit, weil wir die Gewerbetreibenden in der schweren Zeit unterstützen wollen", fasst Andreas Kirchner zusammen.

Für diesen Einsatz der Stadt bedankt sich der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Ebermannstadt und Inhaber des Fachgeschäftes "Geschwister Detzel", Christian Schlee. Er sagt: "Wir sind froh für jeden Tag, den wir Umsatz machen." Deshalb verstehe er Verdi auch nicht. "Wir wollen unsere vier offenen Sonntage, denn den Weihnachtsmarkt werden wir auch verlieren", sagt Schlee. Er verweist auf das städtische Konzept für den Markt am Sonntag und ergänzt: "Geschäfte haben eh ein ständiges Sicherheitskonzept." Er ist der Meinung, dass die Gewerkschaft damit Arbeitnehmer eher gefährdet. Außerdem denkt er laut nach, ob der Verfasser der Beschwerde wohl sonntags zum Beispiel nicht essen gehe oder was er wohl tut, wenn er am Sonntag krank wird. Denn auch in anderen Bereichen arbeiten Menschen am Sonntag.

"Ich hoffe, dass uns das Landratsamt da unterstützt", wünscht sich Schlee und merkt noch an, dass am Sonntag nur er selbst und eine freiwillig arbeitende Mitarbeiterin in seinem Laden stehen würden: "Wir haben in Ebermannstadt doch nur kleine Läden." Ähnlich wird es auch in der Buchhandlung "Faust" sein. Hier wird Inhaber Michael Holz beraten und verkaufen. "Das ist ein zusätzlicher Verkaufstag, der hilft. Es kommen nicht wenige. Vom Umsatz her ist das ein interessanter Tag", sagt er. Dadurch hat er keine weiteren Personalkosten, bekommt aber einen freien Tag. "Ich fände es super, wenn ein verkaufsoffener Sonntag stattfinden würde", meint auch Nadine Graßer, Inhaberin der Blumenladens "Meisterblümchen". Sie sagt, dass sich für sie diese Sonntage lohnen, da dann auch viele Touristen unterwegs sind und bei ihr Mitbringsel für zuhause kaufen.