Am kommenden Sonntag werden der Obertrubacher Pfarrer Werner Wolf und Erzbischof Ludwig Schick die drei neuen Glocken der Filialkirche Maria Himmelfahrt in Geschwand weihen. Für die Einwohner des 450-Seelen-Dorfes auf der Jurahochfläche geht damit ein Herzenswunsch in Erfüllung. "Wenn ich in letzter Zeit das Läuten auf der Kirschanlage gehört habe, klang das nicht mehr wirklich gut", sagt Kirchenrat Erwin Arnold.

Die Geschwander errichteten ihre schmucke Filialkirche im Jahr 1951. Seit der Fertigstellung im Jahr 1954 hörten sie den vertrauten Klang ihrer drei Glocken. 1986 renovierten sie ihr Gotteshaus unter der Ägide von Pfarrer Werner Wolf gründlich innen und außen. Sie passten außerdem den Altarraum an die Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil an.


Defektes Geläut

In den vergangenen drei Jahren war der Missklang im Geläut immer stärker zu hören. Arnold sprach daraufhin Willi Müller, den Seniorchef von Schmetterling Reisen und früheren Bürgermeister von Obertrubach, an.
Gemeinsam mit Pfarrer Werner Wolf vereinbarten sie kurzerhand, die Glocken von der Firma aus Passau untersuchen zu lassen. "Die Glocke zwei des Geläutes ist defekt. Sie ist gesprungen und hat deshalb keinen klaren Klang und keinen Nachhall mehr", lautete das Urteil der Experten.

Aber Geschwand wäre nicht Geschwand, würde das Dorf seine Anliegen nicht selbst entschlossen in die Hand nehmen. Die Einwohner haben dabei das entscheidende Glück, großherzige Sponsoren und Macher zu besitzen, die allerdings nicht genannt werden wollen. Dazu haben sie einen praktisch veranlagten Pfarrer, der ihnen nicht nur hier mit Rat und Tat zur Seite stand. Schließlich galt es, Gesamtkosten in Höhe von 47 000 Euro zu stemmen. Ein Zuschuss von der Erzdiözese Bamberg und Mittel der Kirchenstiftung halfen den Geschwandern ebenfalls sehr.


Langsames Abkühlen

Am 19. Juli reiste eine Delegation der Filialkirche Geschwand mit Pfarrer Werner Wolf nach Passau, um beim Glockengießen dabei zu sein. Sie waren Zeugen, wie das Material - vorwiegend Kupfer und dazu Zinn - eingeschmolzen wurde. Zuvor sprach Pfarrer Wolf ein Gebet und bat um gutes Gelingen. Die Oberfranken erlebten in Passau, wie hier eine hohe Kunst praktiziert wird, die viel Erfahrung verlangt.

Nach einigen Tagen langsamen Abkühlens öffneten die Glockengießer das Erdreich und konnten das glückliche Ergebnis an die Geschwander vermelden. Am Sonntag können die Geschwander Gläubigen nun endlich feiern.