Die neue Forchheimer Bierkönigin wird am Samstag um 17 Uhr am Musikpodium gegenüber dem Greif-Keller gekrönt, bevor mit dem Umzug von den Unteren zu den Oberen Kellern, den der Spielmannszug Jahn Forchheim musikalisch begleitet, der offizielle Startschuss fällt. Weitere Programmpunkte sind das Schaubrauen der Hobbybrauer "Brauwastl" sowie kostenlose Bierkellerführungen. Für ein abgerundetes Familienvergnügen steht Marco Lützelberger mit seiner Schiffschaukel und der Eis- und Süßigkeitenbude bereit.


Warmes Essen schlägt Brotzeit

Die Wetterfrösche sind zuversichtlich, das Wochenende soll überwiegend sonnig ausfallen, die Regenwahrscheinlichkeit ist gering. Zwar erreichen die Temperaturen nicht die Grade der Vorwoche, aber einen echten Bierkeller-Fan wird dies nicht von einem Besuch abhalten, weiß Frank Bernklau, Juniorchef am Neder-Keller, der mit dem Wirtsgebäude ganzjährig geöffnet hat: "Unsere Gäste sitzen gerne im Freien und sind für die kühleren Abendstunden kleidertechnisch gut ausgerüstet. Hohe Temperaturen im April, wie zuletzt, ist die Ausnahme. Da haben wir an manchen Tagen Mühe gehabt, alle Kundenwünsche zu erfüllen."

Seiner Beobachtung nach gibt es den typischen "Brotzeiter" kaum noch, der Bedarf von kalten Speisen hat sich hin zu warmer Kost verändert: "Vor allem der Schnitzeltag ist seit etwa zehn Jahren der Renner, am Dienstag ist noch mal etwas mehr los. Wobei wir aber auch erlauben würden, dass Besucher ihre Brotzeit selbst mitbringen und verzehren. Das ist schließlich alte Tradition und im Kellerwald bei den meisten geduldet." Sein Rat: Essen mitbringen ist okay, aber vorher fragen - mitgebrachte Getränke sind allerdings überall verpönt.

Bruno Alberti, der Wirt des "Aachhörnla-Kellers" (Eichhorn-Keller), ist beim Rundgang gerade mit dem Aufhängen der bunten Lichter beschäftigt. Er ist froh, dass es endlich offiziell losgeht, denn seine Familie ist bereits seit knapp vor Ostern auf dem Keller im Einsatz.

Etwas nachdenklich lässt er die vergangenen Tage Revue passieren: "Es wäre wünschenswert, wenn die Marketingleute der Stadt etwas offener publizieren würden, dass das Leben im Kellerwald nicht erst mit dem Saisonauftakt beginnt. Die Forchheimer wissen es natürlich, dass sie schon vorab bei annehmbarem Wetter bewirtet werden. Aber potenzielle Gäste von auswärts sind hier ziemlich uninformiert und sagen uns das immer wieder."

Auch bei ihm sind Brotzeiten in den letzten Jahren zurückgegangen, stattdessen hält er an den am Eichhorn-Keller traditionell angebotenen Grillhähnchen fest: "Freitag haben wir Riffala-Tag und am Samstag ist Gögerla-Tag. Sonntags bereiten wir mehrere fränkische Braten für die Gäste vor."


Auch Salate kommen an

Der Trend zu warmen Speisen ist für Traudl Kraus, seit 18 Jahren Wirtin am Greif-Keller, längst kein Geheimnis mehr. Sie hat nur noch wenige Besucher, die grundsätzlich am Keller eine Brotzeit wünschen - und meist sind dies Stammgäste: "Wir haben deshalb das Angebot in Richtung kleinerer Warmspeisen erweitert. Nicht jeder möchte Abends noch einen Haxn oder ein Salzknöchla haben, obwohl Schnitzel oder Braten auch immer verlangt werden. Vor allem bei Frauen sind Salatkreationen mit Thunfisch, Feta- oder Mozzarella-Sticks beliebt."

Den immer wieder aufkeimenden Gerüchten, sie würde bald ihre Schürze an den Nagel hängen wollen, begegnet die beliebte Kellerwirtin weise lächelnd: "Mein Team lasse ich doch nicht allein. Außerdem brauche ich diesen Stress doch, sonst geh ich ein. An manchen Tagen ist es wirklich sehr hektisch, wenn der Keller voll ist und alle gleichzeitig bedient werden wollen. Dann muss man schon bis an die Grenze gehen, aber es macht unter dem Strich ja auch Spaß."


Kleine Kapazitäten

Vielen Gästen sei gar nicht bewusst, welche kleinen Kapazitäten in den Kellerwirtschaften vorhanden sind und welch organisatorischer Aufwand sich dahinter verbirgt, sagt die erfahrene Kellerchefin: "Meist finden sich in den Hütten nur ähnliche Küchengrößen wie zu Hause. Erwartet wird jedoch die Leistungsfähigkeit einer Großküche."

Diese Erfahrungen machte bereits Birgit Hempel, die am 6. April den Schindler-Keller unter eigener Regie eröffnete. Hempel kann jede Menge Gastro-Erfahrung vorweisen und ist seit 32 Jahren im Servicebereich tätig, davon 14 Jahre lang als Kellnerin im Kellerwald: "Wir haben uns sehr über den tollen Zuspruch an unserem Eröffnungswochenende gefreut. Zudem hatten wir sehr schönes Wetter, weshalb unsere 400 Außenplätze nahezu voll waren."


Koch hat gekündigt

Ein perfekter Auftakt, sollte man meinen, jedoch verließen Hempel just am Eröffnungstag unvorbereitet der hauptamtliche Koch sowie ein Beikoch.

Trotz bester Vorbereitung klappte eben nicht alles, wie geplant und aufgrund der Kürze der Zeit musste vielfach improvisiert werden: "Leider hatte nicht jeder Besucher Verständnis für die Situation, wie sehr wir uns dennoch bemühten, den Wünschen gerecht zu werden."

Es seien fast ausnahmslos die beworbenen Warmspeisen wie Schäuferla, Schnitzel und Braten verlangt worden, die Tisch für Tisch serviert wurden - was bei den Mengen klarerweise mehr Zeit verschlang: "Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich unsere Abläufe bald normalisiert und auf den wechselnden Bedarf eingespielt haben. Auf diesem Weg möchte ich mich deshalb ausdrücklich bei denjenigen Gästen bedanken, die uns aufmunternd zugesprochen und geduldig ausgeharrt haben."
Auch am Samstag und Sonntag wird bei den traumhaften Wetteraussichten in den Küchen am Kellerwald wieder Großkampftag sein. Ob dann kalte oder warme Speisen verzehrt werden, bleibt aber natürlich weiterhin jedem selbst überlassen.