Gerne werden Sagen in diesem Zusammenhang mit Märchen in Verbindung gebracht. In vielen Sagen finden sich auch märchenhafte Elemente; oft taucht sogar der Teufel höchstpersönlich auf.

Allerdings war es den Menschen zur Entstehungszeit der jeweiligen Sage wohl nicht an fantastischer Unterhaltung gelegen. Vielmehr beschäftigte man sich auf diese Weise mit Begebenheiten, deren Ursache man sich nicht erklären konnte.

Regionale naturräumliche Besonderheiten wurden in diesem Zuge in Sagen ebenfalls aufgearbeitet. Sie beinhalten dann beispielsweise Deutungsversuche zur Entstehung von Höhlen oder zu prägnanten Gesteinsformationen.

Ein imposanter Felsbrocken

Ein solches Felsengebilde befindet sich zwischen Gräfenberg und Igensdorf. Hoch oben auf dem Eberhardsberg erhebt sich ein imposanter Felsbrocken, dessen Aussehen ihm seinen Namen gab. Um den "Teufelstisch" ranken sich gleich mehrere Sagen, eine handelt vom Zauberschloss auf dem Eberhardsberg.

In der Walpurgisnacht tafelt nicht nur der Teufel an diesem Tisch; auch die geisterhaften Schatten der einstigen fränkischen Könige gesellen sich dazu. Der Tisch ist in dieser Nacht von einem prunkvollen, hell erleuchteten Palast umgeben.

Diesem Lichterglanz im nachtdunklen Wald gingen zwei Musikanten nach, die vor vielen Jahren über den Eberhardsberg wanderten. Sie waren nach Gräfenberg eingeladen worden, um dort am nächsten Tag zum Tanz aufzuspielen. Das Schloss erhob sich aber in einer solchen Pracht vor ihnen, dass sie nicht anders konnten, als hineinzugehen und ebenfalls an der Tafel Platz zu nehmen.

Zauber oder ein tiefer Schlaf?

Vielleicht war es der schwere Wein, den man ihnen reichte, vielleicht bewirkte aber auch ein Zauber, dass sie bald in einen tiefen Schlaf fielen. Als sie erwachten, war der neue Tag schon angebrochen. So packten die beiden in Windeseile ihre Instrumente ein und machten sich auf den Weg nach Gräfenberg.

Dort angekommen staunten sie nicht schlecht, welch seltsame Tracht die Menschen dort trugen. Aber auch die Gräfenberger wunderten sich über die beiden Musikanten, deren Kleidung so altertümlich anmutete.

Noch verwunderlicher war ihre Frage nach der Gesellschaft, bei der sie heute zum Tanz aufspielen sollten. Das besagte Fest, so erinnerte man sich, hatte auf den Tag vor hundert Jahren stattgefunden. Da ergriff die Musikanten große Angst. In ihrer Not eilten sie der Kirche zu, um Gott anzuflehen, das Böse von ihnen zu nehmen. Kaum hatten sie jedoch die Kirchenschwelle überschritten, als sie tot zu Boden sanken.

Heute ein Naturdenkmal

Der Teufelstisch ist heute als Naturdenkmal ausgewiesen. Natürlich lässt sich seine Erscheinungsform wissenschaftlich erklären und somit entzaubern: Vor 150 Millionen Jahren war unsere Region vom Jurameer bedeckt.

Nachdem das Meer zurückgegangen war, wurden die freiliegenden Kieselschwammriffe durch Tektonik und Verwitterung weiter geformt. Letztere sorgte für das heutige Aussehen des Teufelstisches, dessen "Fuß" aufgrund der unterschiedlichen Dichte des Gesteins im Laufe der Zeit schneller verwitterte als die "Tischplatte".

Seinen Charme als geheimnisvoll-schauriger Ort durfte er indes behalten. Keine Frage, dass er unter anderem in den Rundwanderweg "Sagenhaftes Gräfenberg" eingebunden worden ist, hier mit der Erzählung vom Gräfenberger Schlossherrn, der vom Höllenfürsten zum Zechgelage an den Teufelstisch gerufen wurde.

App: "Sagenhaftes Gräfenberg"

14 sagenhafte Stationen führen auf dieser Wanderung rund um die Stadt; immer dem Schild mit dem kleinen Teufel nach. Mit der App "Sagenhaftes Gräfenberg", abzurufen über www.sagenhaftes-graefenberg.de, können die Sagen nachgelesen werden; an den Stationen befinden sich zudem entsprechende QR-Codes.

Wer möchte, kann sich die Texte auch vorlesen lassen und einfach zuhören - denn gerade das macht den Reiz einer Sage ja erst aus.

Die FT-Sagenserie und die nächsten Folgen

Serie Der Fränkische Tag Forchheim nimmt Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt der Sagen und Mythen im Landkreis Forchheim. Immer montags erscheinen dazu in den nächsten Wochen Sagen zu den unterschiedlichsten Themen, die eng mit der Region Forchheim verbunden sind.

30. November Der Türmer von Forchheim

7. Dezember Die Orakelquelle bei Leutenbach

14. Dezember Die Fehde zwischen den Burgherren von Streitburg und Neideck

21. Dezember Die Entstehung der Kirche zum Heiligen Kreuz

28. Dezember Das wütende Heer bei Kirchenbirkig