Der Kanal ist schon wieder eisfrei. Diesen Eindruck gewinnt man, quert man die Schifffahrtsstraße auf der Forchheimer Südumgehung. Doch der Eindruck täuscht. Das Tor der Schleuse bei Hausen ist durch zwei mächtige Eisfälle versperrt. Der "Aufbruch" erfolgt zuerst auf Donau und Main, denn die beiden Flusssysteme liegen tiefer.

Vier Lastkähne liegen im Oberwasser fest. "Wir fahren, solange es geht", erklärt Schiffer Robert Kifee. "Wir dachten ja, das Wasser bleibt offen, aber die Schleusen wurden dicht." Sie froren zu. Am 4. Februar begann es, um 13.50 Uhr war schon die Hausener Schleuse betroffen, und am 7. ging im ganzen Main-Donau-Kanal nichts mehr.


Jeden Winter Zwangspausen



Die MSG 2000 erwischte es auf Höhe der Hausener Schleuse, auf dem Weg von Antwerpen nach Wien. Für Schiffer und Bootsmann ist es das erste Mal, dass sie hier Zwangsrast machen müssen. Aber sie rechnen jeden Winter damit. Vor zwei Jahren hing Kifee in Regensburg fest und vergangenen Winter in Hanau. Da war allerdings nicht der Frost die Ursache, sondern der Frachter, der in der Mainmündung havariert war. "Das war schlimmer", sagt Kifee. Drei Wochen waren seine Kollegen schon gelegen, als seine "Schicht" begann und er an Bord ging. Und erst eine Woche später konnte das Schiff wieder ablegen.

Er arbeitet als angestellter Schiffer immer vier Wochen durch und macht dann einen Monat Pause. Schröder bleibt sogar drei Monate an Bord und pausiert dann einen Monat . Ihre "Pausen" könnten die beiden doch jetzt nehmen, denkt sich die Landratte. Jedoch: "Der Schiffseigner will, dass wir an Bord bleiben." Und zwar aus zwei Gründen: Einmal muss es schnell gehen, wenn das Wasser- und Schifffahrtsamt Nürnberg die Main-Donau-Kanal wieder freigibt. Zum anderen gibt es an Bord immer genug zu tun. "Wir sind gerade beim Ölwechsel", sagt Schröder und dreht die großen Schrauben wieder fest. In den Ruhezeiten des Schiffes machen die beiden alle Arbeiten, die während des Fahrens nicht möglich sind. Geräte vorbereiten, bewegliche Teile warten...


Aufbruch von unten



"Nicht gerade Deck schrubben", lacht Schröder, "aber gestern mussten wir ganz schön Schnee schippen." Und sonst? In Forchheim waren sie schon ein paar Mal zum Einkaufen. "Das Auto steht ja unten, da können wir los, wenn wir wollen."

Ehe es "Leinen los!" für die MSG 2000 und ihre Nachbarin, die Tauber , heißt, werden noch ein paar Tage vergehen. Und das gilt auch nur, wenn nicht nochmal eine Witterungsperiode mit strengem Frost kommt. "Solange Main und Donau noch zu sind, bestimmt noch nicht", erklärt dazu Jürgen Lang vom Schifffahrtsbüro in Nürnberg. Der Aufbruch komme immer von unten nach oben. "Donau und Main liegen tiefer als der Kanal. Der Scheitel ist zwischen Hilpoltstein und Bachhausen."