Es geht um die Schaufel. Genauer um die fränkische Knuspervariante: das Schäufala. Das besondere Bratenstück ist zum Symbol einer Debatte um die Tourismusregion geworden. Sind Bier und Braten in der Fränkischen Schweiz zu billig? Eine Protestlawine hat Sandra Schneider, die neue Tourismus-Chefin der Fränkischen Schweiz, mit folgendem Satz ausgelöst: "Wenn das Schäufala 5,50 Euro kostet, wie viel bleibt denn davon dem Wirt?" Als sie dann auch noch davon redete, dass ein Seidla Bier auch zu billig sein könnte, fürchteten viele Menschen schon um ihre schöne fränkische Genussregion. Sandra Schneider sagt, so habe sie das gar nicht gemeint. Sie fühlt sich falsch zitiert. Bierpreise wolle und könne sie gar nicht vorschreiben. Auch über den richtigen Preis für das heiß geliebte Knusperstück Schulter müsse jeder Gastwirt selbst befinden. "Mir geht es um die Qualität und die Zukunft der Fränkischen Schweiz", sagt die Tourismus-Chefin. "Und um die Vermarktung nach Außen."

Mit den Leuten ehrlich sein


Georg Hötzelein springt der Tourismus-Chefin zur Seite: Schneider habe lediglich gesagt, es könne ein bisschen teurer werden. Und das findet der Kreisvorsitzende des Hotel-und Gaststättenverbandes gut. Schließlich müsse jeder irgendwie - auch ein Gastronom - Geld auch verdienen. Wie könne man sonst Speck für schlechte Zeiten ansetzen. Woher kommt sonst das Geld für Investitionen? Hötzelein fände es schade, wenn das "Wirtshaussterben" weitergeht. "Gib dem Wirt was des Wirtes ist", fordert er deshalb und rät seinen Kollegen, sich nicht einschüchtern zu lassen.

Auch bei der Brauerei Meister in Unterzaunsbach redet man über das Thema. "Es hilft nichts, wenn man viel verlangt und keiner kommt", sagt Braumeister Georg Meister. Freilich müsse sich auch sein Familienbetrieb mit Brauerei und Gaststätte finanziell tragen. Und was verdienen wolle er auch. "Für die Fränkische Schweiz ist es gut, dass wir ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben."

Bei der Brauerei Meister kostet ein halber Liter Bier vom Fass derzeit genau zwei Euro. "Wir haben die Bierpreise erhöht vor zwei Jahren. Früher hat das Seidla bei uns noch 1,80 gekostet", sagt Georg Meister. "Aber wir sind ehrlich mit die Leut', und haben keine übertriebenen Preise." Auch Georg Sponsel vom gleichnamige Gasthaus in Oberfellendorf bei Wiesenttal macht sich zu dem Thema seine Gedanken. "Es ist ein zweischneidiges Schwert", sagt er. Die Tourismus-Chefin habe sicher recht, dass der Mehrheit in der Gastronomie nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Schließlich seien die Gewinn-Margen in der Fränkischen gering.
Andererseits sei es gefährlich, eine Erhöhung der Bierpreise ins Spiel zu bringen. Das komme nicht gut an. "Wir leben halt davon, dass viele aus Nürnberg zu uns rausfahren. Wenn wir Preise wie in Nürnberg haben, kommen auch weniger Gäste." Sponsel schlägt vor, mit steigender Leistung und Qualität auch die Preise moderat zu erhöhen. "Was uns gut tun würde, wäre eine Reduzierung der Mehrwehrt-Steuer", sagt Sponsel.

Diese Maßnahme habe den Investitionsstau bei den Hotels gelöst. Das würde gerade schwächeren Regionen entgegen kommen, dann bliebe Geld zum Investieren und dann würden sich auch Service und Leistung verbessern. Aber nachdem die FDP für die Steuersenkung 2009 Prügel bezogen habe, glaube er nicht mehr daran, dass die Politik sich an das Thema noch herantraue. "Dabei wäre es für Gastronomie fast noch wichtiger", sagt er.

"Die Qualität ist da"


"Die Mehrwehrtsteuer-Reduktion für Hoteliers von 19 auf sieben Prozent trägt Früchte und viele investieren", sagt Sebastian Körber, der für die Liberalen im Bundestag sitzt. Die Mehrwertsteuer werde derzeit im Finanzministerium überprüft. Den Ausgang dieser Diskussion kennt Körber noch nicht.

Derweil steht Georg Sponsel in der Küche. Es gibt Pfifferlinge für 9,90 Euro. Pilze? Kein Schäufela? "Zu mir raus kommt keiner nur wegen einem Schweinebraten." Da müsse er sich mehr einfallen lassen. Nudeln mit Meeresfrüchten zum Beispiel. Die kommen zwar nicht aus der Region. Aber schließlich wolle er die internationale Küche nicht allein den Spezialisten aus dem europäischen Nachbarländern überlassen. Ein anderer Gastwirt erzählt: "Ich habe so viel Schulden auf der Bank. Ich zahle so viel Zinsen jedes Jahr. Ich kann nicht noch billiger mein Bier verkaufen." Er will zwar anonym bleiben, stärkt aber gleichzeitig der Tourismus-Chefin den Rücken.

Auch Andreas Bugl vom Hotel Goldener Stern in Muggendorf ist sauer: "Mir tut die Frau Schneider leid, die hat einen Weitblick und sagt, dass wir Qualität schaffen müssen. Das ist doch der richtige Weg. Das finde ich toll."
Der Erlanger Reisebuch-Verleger Michael Müller betont in der Diskussion eher die Stärken: "Wir haben immer noch die höchste Dichte an Bäckereien, Brauereien, Brennereien und Metzgereien - diese Vielfalt gilt es zu bewahren." Im Internet stellt er unterwww.gscheitgut.de regelmäßig fränkische Gasthäuser mit ihren regionalen Spezialitäten vor.
"Die Qualität ist da. Die müssen wir in der Fränkischen Schweiz nicht erfinden. Die wollen wir nur nach Außen auch zeigen", sagt Sandra Schneider.