Ob es am schönen Wetter lag, am Zeitpunkt des Samstagnachmittags oder einfach daran, dass die Bürger kein großes Interesse an der Innenortsentwicklung von Gößweinstein haben, wird ein Rätsel bleiben. Jedenfalls kamen zum Marktspaziergang mit den Gemeinderäten und den Planern Roland Wölfel und Sylvia Auerswald vom Büro Cima aus Forchheim zur Fortschreibung des so genannten "Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts" (kurz Isek) nur ganze sechs Bürgerinnen und Bürger. Auch die Beteiligung der Marktgemeinderäte selbst an der zweitägigen Klausur im Hotel Stempferhof ließ zu wünschen übrig. Denn nur etwa die Hälfte des Gremiums nahm daran teil.

Wohl wichtigste Erkenntnis aus der nun stattgefundenen Klausurtagung ist es, dass das Sanierungsgebiet für die Städtebauförderung sich nicht mehr nur auf den Ortskern beschränkt , sondern in Nord-Ost - und Süd-West-Richtung erweitert werden soll. Und zwar bis zum Gößweinsteiner Therapiezentrum am Steinern Herrgott und der Gärtnerei Wiedow. Dies hätte
vor allem für private Hausbesitzer den Vorteil, dass sie Sanierungsmaßnahmen steuerlich besser geltend machen können. Aber auch die Vorteile für die Gemeinde liegen auf der Hand, da zum Beispiel das Hallenbadgelände mit einbezogen und gefördert werden könnte. Der Antrag auf Erweiterung des Sanierungsgebiets soll demnächst gestellt werden. Vor acht Jahren wurde das Konzept für die Innenstadtentwicklung von Gößweinstein durch Hartmut Holl erstellt. Damals war die Euphorie groß und viele Bürger beteiligten sich an der Konzepterstellung, damals im Pfarrzentrum.

Seitdem, so könnte man meinen, ist nicht mehr viel geschehen. Dennoch wurden einige Maßnahmen aus dem Holl'schen Papier bereits umgesetzt. So wurden zum Beispiel Infostelen aufgestellt, Krippenplätze geschaffen, die Basilikakonzerte wieder etabliert, die Balthasar-Naumann-Straße
verkehrsberuhigt, Parkplätze am Höhenschwimmbad errichtet oder kleinere Plätze, wie der beim Scheffel-Denkmal, neu gestaltet. Größere Baumaßnahmen, wie ein neues Rathaus, die Umnutzung des Hallenbads für Wohnzwecke, die Marktplatzneugestaltung und so einiges mehr, bleiben jedoch bislang aus.

Damit der Ortskern ein touristischer Erlebnis- und Aufenthaltsraum werden kann, wäre auch dringend die seit Jahrzehnten diskutierte Ortsumgehungsstraße nötig. Wichtig, so Planer Geograf Roland Wölfel, ist die Schaffung und das Attraktiveren von Parkplätzen für Touristen an den Ortsrändern. Nur wenn ein Parkplatz attraktiv ist parken die Gäste auch dort und erkunden dann zu Fuß den Ort.

Was fehlt ist vor allem ein Besucherleitsystem mit entsprechender Beschilderung im Ort. "Wir müssen weg von der Hauptstraße, rein in die Nebenstraßen", so Wölfel. Denn gerade hier hat Gößweinstein sehr viel zu bieten. Nicht nur den schönen Blick von allen Seiten auf die Burg, sondern auch alte Fachwerkhäuser, historische Stadel und Gastronomie.

Erste Station des Marktspaziergangs war das geschlossene Hallenbad. Hier ist immer noch im Gespräch das aus dem Hallenbadgebäude ein Wohnkomplex mit bezahlbaren Wohnungen für Jedermann werden soll.

Auch dahinter, bis hinunter zur Behringersmühler Straße, gäbe es noch gemeindeeigene Bauplätze. Der Kinderspielplatz am Hallenbad soll, wenn möglich, erhalten bleiben. Weiter geht es zum Friedhof. Konkrete Übernahmegespräche für den Friedhof durch die Gemeinde gibt es mit der Kirchenverwaltung noch nicht. Die Wiese neben dem Friedhof und der vorgelagerte Friedhofsparkplatz sollen zu einem Multifunktionsplatz umgestaltet werden. Ein Platz zum Parken, Feiern und für Wohnmobile. Hinter dem Platz soll eine Auffahrt zum Friedhof gebaut werden.

Weiter geht es auf den Kreuzberg bis zum Pfarrgarten. Wenn das Rathaus ins Pfarrhaus kommt kann der herrliche Pfarrgarten im Zentrum des Ortes neu gestaltet und für Besucher geöffnet werden - vielleicht sogar mit Gastronomie. Auch ein idealer Platz um Barock- wie Bürgerfest abzuhalten.

Der Pfarrgarten könnte der "Englische Garten" von Gößweinstein werden, schwärmt Wölfel. Die Verhandlungen mit der Kirche dazu laufen. Konkretes dazu konnte Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) aber noch nicht sagen. Über die "Schwarze Ecke" geht es dann hoch Richtung Burg und wieder hinunter zum Rathaus und Haus des Gastes. Was aus dem denkmalgeschützten Rathaus wird wenn die Verwaltung ausgezogen ist, ist fraglich. Das Haus des Gastes ist gut in Schuss und könnte mit wenig Aufwand barrierefrei gemacht werden. Nämlich durch einen Anbau eines Aufzugs in Richtung Parkplatz hinter dem Haus des Gastes. Dadurch könnte es eine Art Bürgerhaus für alle möglichen Veranstaltungen werden. Gegenüber des Rathauses wird die niedergebrannte ehemalige Asylunterkunft (früher Restaurant Akropolis) nächste Woche abgerissen. Hier sollen dann zunächst provisorische Parkplätze entstehen, so Zimmermann.

Die Erkenntnis nach zwei Stunden Spaziergang: Es sind kostengünstige Maßnahmen dabei, die schnell realisierbar sind, andere, wie die Umgehungsstraße, werden aber noch länger brauchen. Je schneller allerdings der Innenort attraktiver für Besucher wird, je eher wird auch die Umgehungsstraße kommen. Feinfühlig müsse man jedoch mit der Priorisierung der Maßnahmen umgehen, so Zimmermann, der erste Maßnahmen spätestens bei den Haushaltsberatungen diskutieren will um diese dann schon nächstes Jahr zu realisieren.

"Ich finde es schade das ein so wichtiges Thema für unsere Gemeinde so wenige interessiert", war das Resümee von Brigitte Wolf, eine der Bürgerinnen die daran teilnahm. Brigitte Haselmeier kritisierte, dass der neue Tourismusprospekt nur noch in deutscher Sprache ist. Früher war er noch mehrsprachig und zumindest englisch sollte er sein. Rainer Polster (FWG) kritisierte das nur maximal die Hälfte der Gemeinderäte sich an der Klausur beteiligt hatte. Auch Marktgeschäftsführer Peter Thiem hätte sich mehr Beteiligung gewünscht, auch von den Bürgern. Für Bernard Vogel (SPD) war die Klausur erkenntnisreich. Nun habe man einen ganz konkreten Rahmen für eine gute Zukunft von Gößweinstein, so Vogel.

Tanja Rost (JuF) meinte, dass es nicht nur ein Vortrag, sondern ein Miteinander war und Jürgen Kränzlein (SPD) wünscht sich nun alle zwei Jahre eine Fortschreibung des Isek und betonte, das die Südumgehung nur dann kommt wenn der Kernort für Gäste attraktiver wird. Von den Planern werden die Klausurergebnisse nun in das bestehende Konzept eingearbeitet und eine vereinfachte Quartieruntersuchung zur Erweiterung des Sanierungsgebiets erstellt. Im noch zu erstellendem Endbericht gibt es dann auch ein konkretes Handlungsprogramm das der Marktrat absegnen muss.