Der Bassist Stefan Großmann, ein gebürtiger Schweinfurter, witzelt in der Testa-Rossa-Bar über Skibob, Bebop und Vibop. Denn letzter Begriff steht für den Namen des Jazz-Trios, mit dem er hier auftritt: eine Hommage an ein Instrument, das Vibraphon, und an eine legendäre Jazzepoche.

In ihrer Nachfolge sieht sich Juri Smirnov, ein musikalisches Multitalent aus Riga. Er hörte einst unter Rauschen und mit vielen Störungen in seiner lettischen Heimat "The Voice of America" und war hingerissen von diesen (verbotenen) Klängen. Unter dem Titel "Mr Dexter Gordon" war denn auch eine Reminiszenz an den amerikanischen Tenorsaxophonisten und auch an andere Größen dabei.

Vorbild Transsib


Herr über das Vibraphon ist Ivan Ivanchenko aus Omsk. Nach Moskau sind es von dort in der Mitte Sibiriens 2300 Kilometer. "Diese Strecke ist der junge Mann mal zusammen mit seiner Mutter mit der Transsib gefahren", plauderte Großmann. Von dem Rhythmus, der durch das Schlagen der Räder an den winterlichen Schienenspalten entsteht, stamme Ivans unwahrscheinliches Timing.

Der junge Musiker spielt ein Instrument, das mit seinem Ruf zu kämpfen hat, genauer mit einer Verwechslung. Denn im allgemeinen wirft man Xylophon, Glockenspiel, Marimba und das Vibraphon in einen Topf und assoziiert sie mit den mageren Ping-Tönen, die man selbst als Kind mal produzierte.

Dabei erzeugt Ivanchenko Töne voll samtener Harmonie; wie Ketten von Perlen umschlingen sie die meist recht zarten Melodien Smirnovs, gleich ob der am Klavier sitzt oder Tenorsax, Sopransax oder die Querflöte gewählt hat. So entstehen weiche, sinnliche Eindrücke, ja auch dann, wenn der Blues den beiden Schwergewichtsboxern Vitali und Wladimir Klitschko gewidmet ist. Großmann kommentiert das Stück denn auch: "Da waren ein paar Takte für den Verlierer dabei."