Es war das unrühmliche Ende eines seit Jahren schwelenden Ehestreits. Anfang Februar dieses Jahres hat ein 79-jähriger Pensionär versucht, die Wohnung seiner ein Jahr jüngeren Noch-Ehefrau in Forchheim in Brand zu setzen. Nur die Unfähigkeit des Rentners rettete die drei anwesenden Bewohner vor dem Feuer. Den Täter bewahrte sie vor einer längeren Haftstrafe. Er kam vor dem Amtsgericht Bamberg wegen versuchter besonders schwerer Brandstiftung mit 15 Monaten zur Bewährung davon.

Jahrzehntelang lief sein Leben in geordneten Beamten-Bahnen. Erst als man Walter N. (Name geändert) vor 20 Jahren vorzeitig aufs berufliche Abstellgleis schob, kam ihm der Zug abhanden. Er gab sich dem Alkohol hin - und zwar nicht nur einem Feierabendbier, sondern ganz anderen Mengen. "Nach dem dritten Glas verliere ich die Kontrolle", sagte er vor Gericht.

Fall für den Nervenarzt

Es folgten mehrere stationäre Aufenthalte in der Nervenklinik St. Getreu in Bamberg und in einer Entziehungsanstalt in Furth im Wald - manche davon freiwillig, andere auf richterliche Weisung hin. Unter der Abhängigkeit litt auch die Ehe. Beide Partner sind mit Depression beziehungsweise Suchterkrankung inzwischen Fälle für den Nervenarzt.

Über Jahre hinweg hatte man sich gegenseitig das Leben schwergemacht - ein Kleinkrieg. Das ging von üblen Beschimpfungen und Schikanen wie herausgedrehten Sicherungen bis hin zu Verdächtigungen, Walter N. hätte ein Verhältnis mit einer früheren Mieterin gehabt. "Sie kann Realität und Fantasie nicht mehr auseinanderhalten. Ich lasse es mir nicht mehr gefallen", erklärte der Angeklagte. Sogar Anzeigen bei der Polizei und Bedrohungen gehörten dazu. So schrieb er ihr: "Dank Deiner tatkräftigen Hilfe bin ich meinen Führerschein los, wohl für immer. Das werde ich Dich spüren lassen. Verlass Dich drauf!"

2,5 Promille

Bei der Tat selbst, kurz nach 8 Uhr morgens, hatte Walter N. 2,5 Promille Alkohol im Blut - angeblich vom Portwein, dem er in einer schlaflosen Nacht zugesprochen hatte. Als er zu seinem Wagen wollte, damit der Nachbar damit zum Einkaufen konnte, weigerte sich die Ehefrau, ihr Auto aus dem Weg zu fahren. Das war offenbar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. "Ich war so wütend. Sie kommen nicht gegen eine Psychopathin an", behauptete der Pensionär. Kurzerhand griff Walter N. sich ein Stück Pappe und ein Feuerzeug. Da er keinen Schlüssel für ihre Wohnung hatte, schob er das Stück Karton durch die Katzenklappe, wohl, um den dahinter hängenden Windfang aus Kunstfaser in Brand zu setzen.

Der Pflichtverteidiger

"Er hatte aber nicht vor, das gemeinsame Haus in Brand zu setzen," erklärte sein Pflichtverteidiger Joachim Voigt aus Bamberg. Allerdings hatte die Gattin sein nicht gerade leises Tun bemerkt und die glimmende Pappe schnell gelöscht. Vier Stunden später kam er noch einmal zurück und trat mit dem Fuß die Katzenklappe kaputt. Die 100 Euro Sachschaden muss er nach dem Urteil auch noch bezahlen.

Wenn man ein Wohngebäude anzündet, dann ist es schwere Brandstiftung. Wenn dann noch jemand im Inneren ist, dessen Gesundheit dadurch in Gefahr gerät, ist es besonders schwere Brandstiftung. Denn in dem Mehrfamilienhaus befanden sich nicht nur die Bald-Ex-Ehefrau, sondern auch ein Paar, das sich eingemietet hatte. Der Mann ist gehbehindert und verlässt die Räume nur selten. Wie ein Brandgutachter des Landeskriminalamts Bayern feststellte, bestand für die Menschen im Haus keinerlei Gefahr. Der Brandstifter hatte gleich mehrere "Fehler" gemacht: etwa den Pappkarton so angezündet, dass keine größere Flamme entstand. Auch ein Brandbeschleuniger kam nicht zum Einsatz. So kam es, dass es im Flur nicht gebrannt hatte. "Das war ein untauglicher Versuch", meinte Staatsanwalt Alexander Baum, "eine dumme Idee, aber von großer Gefährlichkeit."

Nicht vorberstaft

Dass Walter N. vom Schöffengericht nicht härter belangt wurde, hatte gleich mehrere Gründe: Er war nicht vorbestraft und stand erheblich unter Alkoholeinfluss. Er gestand die beiden Vorwürfe. Es entstand kein Schaden bei der Brandstiftung und nur sehr geringer Schaden beim Eintreten der Katzenklappe. Er verbrachte die letzten vier Monate in Untersuchungshaft und gehört mit 79 Jahren doch zur Fraktion der sehr haftempfindlichen Insassen der Justizvollzugsanstalt Bamberg. Nun muss er außerdem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit bei der Arbeiterwohlfahrt Forchheim ableisten.

Verhältnisse zerrüttet

Inzwischen sind die familiären Verhältnisse so zerrüttet, dass keines seiner drei erwachsenen Kinder und auch nicht seine Schwester in der Schweiz Walter N. aufnehmen wollen. Daran scheiterte beinahe die Aussetzung der Freiheitsstrafe zur Bewährung. Das eigene Haus darf Walter N. nach einem Beschluss des Familiengerichts zum Schutz der Ehefrau bis August 2020 nicht mehr betreten. Allerdings gestand ihm der Vorsitzende Richter Michael Herbst einen Kurzbesuch in den eigenen vier Wänden zu, um das Nötigste einzupacken. Nun lebt Walter N. vorerst in einem Fremdenzimmer im Stadtgebiet.