Bei der Neunkirchner Achsenfabrik (NAF) wird gebaut. Schon im vergangenen Jahr wurde an der Ecke Werkstraße zur Industriestraße ein Parkplatz mit 113 Stellplätzen errichtet. Nun ist eine weitere Baustelle vor dem Fabrikgelände in der Gräfenberger Straße zu sehen.


Bis März 2018

"Wir brauchen eine neue Lackieranlage", informiert Helmut Wagner, der Managementbeauftragte der NAF. Eine Lackieranlage mit rund 3200 Quadratmeter für mehr Kapazitäten und den neuesten umweltfreundlichsten und energieeffizientesten Technologien für mehr Qualität, wird in der Gräfenberger Straße errichtet werden. Dieses große Projekt soll bis März 2018 fertig gestellt sein. Der Fertigstellungstermin für das neue Bürogebäude wird mit der zweiten Jahreshälfte 2018 genannt. Das Verwaltungsgebäude mit rund 1600 Quadratmeter Bürofläche wird vor der Lackiererei entstehen - als Kopfbau. Dreigeschossig ist der Bau bereits genehmigt, die endgültige Genehmigung für das fünfgeschossige Gebäude wurde im Marktgemeinderat bereits genehmigt.
Nun wartet man noch auf das endgültige Ja vom Landratsamt. Eine Höhe von circa 19 Meter wird das Bürogebäude messen. "Das vorhandene Gebäude ist marode und wandert", sagt Wagner, denn der Untergrund ist eine Lehmschicht. Weiter in das Gebäude zu investieren, lohne sich nicht. Ein weiterer Grund ist, die Belegschaft "beieinander" zu haben. Die Führungskräfte, die Vorstände, Prokuristen, Bereichsleiter und Verwaltungsmitarbeiter sollen in einem Gebäude sein und nicht wie jetzt in der gesamten Firma verstreut. Zahlreiche Lkws fahren bei der Achsenfabrik ein und aus, um dieses 15-Millionen-Bauprojekt zu starten. Doch gerade für diese normalen Lkws stellt die Firma keine Achsen her. Eher sämtliche Spezialachsen für schwere Arbeitsgeräte, Baufahrzeuge oder Mähdrescher, die nicht auf der Straße unterwegs sind. Für Maschinen ab 10 Tonnen bis 47 Tonnen Gewicht.
"Unsere Hauptbetätigung liegt in den Forst-, Land- und Baumaschinen, sagt Helmut Wagner. John Deere, aber auch Achsen für Mähdrescher und Grünlandernter für die Firma Claas, nennt Wagner als Betätigungsfeld und einige der großen Kunden, für die die NAF arbeitet. Deren Starprodukt sind die Tandemachsen, die zum überwiegenden Teil in der Forstindustrie eingesetzt werden. Mit über 90 Prozent Marktanteil dieser Tandemachsen für die Kurzholzerntemethode sind die Neunkirchner Marktführer.


Beliebte Harvester

Und genau für die Tandemachsenseitenteile des Starprodukts wurde bereits eine Lagerhalle entlang der Weyhausenstraße errichtet. Gerade die skandinavischen Länder favorisieren die Kurzholzerntemethode der sogenannten Harvester, die nicht nur kosteneffizienter arbeiten, sondern einer unabhängigen Studie zufolge auch umweltfreundlicher. Die Achsen für diese Maschinen sind mit dem Patent PBBS der Firma NAF ausgestattet, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 125 Millionen Euro verzeichnen konnte. "Jedes Rad bleibt in jeder Geländelage am Boden", erklärt Wagner den Vorteil. Der Harvester hält den Baum zudem fest und entästet ihn auch noch. Mit den bislang üblichen Langholzerntemethoden wurde der Baum mit einer Kettensäge gefällt, der Baum schlug irgendwo im Wald ein und wurde mit irgendeinem Gerät herausgezogen.


480 Mitarbeiter

"Der Kunde kommt, nennt einen Wunsch, erklärt, was die Maschine können muss und welchen Belastungen sie standhalten muss. Dann wird für diesen Kunden der Antrieb konstruiert", sagt Wagner. Das Konstruktionsbüro mit den 15 Mitarbeitern ist in München. Ein Mitarbeiter davon ist jedoch immer in Neunkirchen vor Ort. Derzeit beschäftigt die NAF 480 Mitarbeiter, inklusive Verwaltung und Konstruktionsbüro. "Die Ausbildung liegt uns sehr am Herzen", sagt Wagner. 1960 wurde das Unternehmen gegründet. "Auch in Krisenzeiten haben wir nie aufgehört, auszubilden", hebt Wagner hervor. Mit 30 Azubis in fünf Bereichen verzeichnet die NAF derzeit einen Höchststand. Der Hauptbereich bleibt der Industriemechaniker, der Anlagenführer und die Industriekaufleute. Wichtig ist der NAF deshalb auch ein enger Kontakt mit der Mittelschule in Neunkirchen. Die Kosten für den EU-weit gültigen Computerführerschein haben die NAF deshalb gesponsert.
Neue Parkplätze für die Mitarbeiter sind bereits an dem unteren Gelände der NPW entstanden. Diesen Teil des Grundstücks hatte die NAF gekauft. Weitere Parkplätze, falls nötig, könnten neben dem Lidl auf dem Grundstück des ehemaligen Getränkemarktes Markgraf entstehen. Vor zwei Jahren hat die NAF auch dieses Grundstück erworben. Und für den Fall der Fälle, dass sich die NAF nochmals erweitern wird, wurde eine Fläche im Gewerbegebiet Ost neben der Kleinsendelbacher Straße reserviert. Dort war ursprünglich der neue Verwaltungstrakt mit Lagerhalle angedacht.
Doch ein Werksverkehr hätte dann eingeführt werden müssen. Die Idee nach Eggolsheim zu ziehen, wurde ebenfalls verworfen. Auch mit Kompromissen seitens der Gemeinde für den fünfgeschossigen Kopfbau fiel die Entscheidung für eine Erweiterung in Neunkirchen. Dem Markt ganz den Rücken gekehrt hätten sie nie.