Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeichnete beim Festkommers zum 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Baiersdorf Matthias Slansky und Frank Wolf mit dem Ehrenzeichen für 25 Jahre aktiven Feuerwehrdienst aus. Herrmann kennt die Baiersdorfer Wehr schon aus seiner Zeit als junger Regierungsrat beim Landratsamt Erlangen-Höchstadt, wo er für öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig war.

Deutliche Worte fand der Minister für diejenigen, die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit angriffen. Als Beispiele erwähnte er zwei Attacken in München und Nürnberg. "Unglaublich, was die sich für einen Spaß daraus machen." Doch auch die Baiersdorfer kennen dieses Phänomen, wie Stellvertretender Kommandant Josef Simon berichtete. Immer öfter haben die Rothelme "mehr Arbeit mit Gaffern und Facebook-Freunden als mit dem eigentlichen Einsatz".

Den Festvortag hielt der Baiersdorfer Historiker Horst Gemeinhardt. Er hat schon 1992 für die große Stadtausstellung die Vereinsakten nach Spuren von jüdischen Mitbürgern durchforstet. Einige seiner Ergebnisse präsentierte er dem Publikum beim Festkommers.

Anfang 1933, so berichtete Gemeinhardt, ließ die Feuerwehr ein großes Erinnerungsbild herstellen. Auf dem erhaltenen Foto sind zwei jüdische Wehrmänner abgebildet: Adolf Bügeleisen und Ludwig Kohn, den langjährigen Kassier der Wehr.
"Ein wunderbares Beispiel der Integration", nannte Gemeinhardt deren Tätigkeit für das Gemeinwohl. 1935 heißt es lapidar in der Feuerwehrchronik: "Sie sind ausgeschieden."

Kohn ist der Sohn von Benjamin Kohn, der um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert 20 Jahre lang Feuerwehrkommandant war. Ludwig Kohn dagegen blieb, in der Vorstellung, ihm als Träger des Eisernen Kreuzes könne nichts geschehen. Doch beim Pogrom 1938 wurde er verhaftet und in ein Fürther Judenhaus verbracht. 1942 wurde er in KZ Izbica umgebracht.

Vor einigen Jahren meldeten sich Nachkommen von Bügeleisen in Baiersdorf. Sie besitzen Fotos des leidenschaftlichen Feuerwehrmanns, die ihn und sogar seine Frau in Feuerwehruniform zeigen. Bügeleisen war 1890 aus Russisch-Polen nach Baiersdorf gekommen. 1897 trat er in die Feuerwehr ein, aber erst 1913 konnte er deutscher/bayerischer Staatsangehöriger werden.

Die Beiden sind keineswegs die einzigen Wehrleute jüdischen Glaubens. Schon in deren Gründungsjahr ist als Schriftführer Alexander Kronacher verzeichnet. Und etwas später die Brüder Louis, Philipp und Lazarus Hirschkind. Letzteren und den Kommandanten Benjamin Kohn ernannte die Wehr 1901 zu Ehrenmitgliedern. Die aus Baiersdorf stammenden Hopfenhändler Gerngros riefen 1906 eine Stiftung für Witwen und Waisen von Feuerwehrleuten ins Leben.

Beim Festkommers sprachen Bürgermeister Andreas Galster (CSU), Landrat Alexander Tritthart (CSU) sowie Kreisbrandrat Matthias Rocca Grußworte. Da die First Responder - die Erste-Hilfe-Gruppe aus der Feuerwehr seit 15 Jahren besteht, rief Ralf Meisner deren Entwicklung in Erinnerung. Matthias Wollf, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, dankte allen für ihr Engagement über die vielen Jahre. Der Baiersdorfer Singverein umrahmte den Festakt mit Liedern.