Wo das ganze Geld des AvP-Rechenzentrums ist, weiß niemand so genau. Es ist jedenfalls weg und das bedroht so manche Apotheke in ihrer Existenz. 19 000 Apotheken gibt es in Deutschland, 3500 sind deutschlandweit, 300 in Bayern von der Pleite des Apothekenrechenzentrums betroffen. In unterschiedlichem Ausmaß. Manche im sechsstelligen oder gar siebenstelligen Bereich. Bei einigen Apotheken herrsche nicht nur Angst, sondern Panik, weiß Christian Redmann von der Stadt-Apotheke in Ebermannstadt. Dabei war die AvP das größte der privaten Abrechnungszentren. Auch Christian Redmann ließ seine Abrechnungen über die AvP bearbeiten und ist durch frühzeitiges Handeln zum Glück nicht in der Existenz bedroht. "Ich habe ein neues Abrechnungszentrum gesucht. Dort wurden mir Sonderkonditionen angeboten", erklärt Redmann. Das neue Rechenzentrum verzichtet auf ihren Anteil, weil den Betroffenen schnell und langfristig geholfen werden müsse.

Die Rezepte, die noch für die AvP gedacht waren, konnte Redmann ebenfalls zum neuen Rechenzentrum geben. Eigentlich hätten sich die Apotheker das schnelle und sofortige Handeln von der Politik gewünscht. Auch Volker Seubold aus Bamberg, der Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands, sieht die Politik in der Pflicht. "Gerade wenn man sieht, wie anderen Großunternehmen geholfen wurde", sagt Seubold. Eingerichtet wurde ein kurzfristiger KfW-Kredit. "Der Kredit ist gut gemeint, aber schlecht gemacht", meint Redmann.

Denn auch wenn es günstigere Konditionen sind, müssen diese Kredite samt Zinsen zurückbezahlt werden. Obwohl die betroffenen Apotheker die Situation nicht verschuldet haben. "Viele Apotheken, die nicht anders können, müssen das nutzen", sagt Redmann enttäuscht über die nur spartanische Hilfe seitens der Politik. "Wir aber haben den Auftrag der Versorgung", betont Redmann und erklärt damit schon, warum durch die Pleite des Abrechnungszentrums viele Apotheken in der Existenz bedroht sind. Mit der Pleite des Rechenzentrums sind Umsatz und Gewinn weg.

Laufende Kosten bleiben

"Die laufenden Kosten bleiben", fügt der Apotheker und Buchautor an. Und es müssen Arzneimittel und Medikamente bestellt werden. Womit, wenn das Geld weg ist? Dass die Apotheken die Abrechnungen an solche Anbieter abgaben, liegt auf der Hand. Ein Rezept ist vereinfacht ausgedrückt ein Warengutschein über die verordneten Medikamente und das Geld dafür bekommen sie von den Krankenkassen.

Die 150 Krankenkassen haben unterschiedliche Rabattverträge, und auch die Medikamente werden ebenfalls unterschiedlich abgerechnet. Normalerweise monatlich, außer verordnete Hilfsmittel, und dann gibt es noch Pflegehilfsmittel, die wieder anders abgerechnet werden müssen. "Alleine für diese Abrechnungen müsste man zwei Leute anstellen", erklärt Redmann, warum die Apotheken diese Arbeit an Rechenzentren abgegeben haben. Wenn das Geld über das Rechenzentrum bei den Apotheken eingeht, bucht der Großhandel für die Arzneimittel das Geld ab.

Manche Apotheken gehen beim Kauf der Medikamente auch in Vorkasse. Doch wenn kein Geld am Konto eingeht, kann der Großhandel nicht abbuchen. Ohne Medikamente keine Apotheke. "Der Großhandel kann seine Rechnungen stunden", sagt Redmann. Trotzdem muss die Ware irgendwann bezahlt werden. "In der Regel sind die Apotheker Einzelkaufleute, die mit ihrem Privatvermögen haften", benennt Seubold die zusätzliche Tragik der Situation. Und: "Der Verlust wird nicht ersetzt", sagt Redmann. Das Geld der AvP ist weg. Zudem müssen die pharmazeutischen Fachkräfte ebenso bezahlt werden wie die Miete, der Strom und die Heizung.

Entlassungen drohen

Der eine oder andere Apotheker könne so auch gezwungen sein, Personal in Teilzeit zu schicken oder zu entlassen. Dass die Apotheker für Fehler anderer haften müssen, dürfe nicht sein. Das sei ein Manko, das dringend behoben werden müsse. Parallel zum neuen Rechenzentrum suchte sich der Ebermannstädter Apotheker eine Anwaltsfirma. So hofft er, nach dem Insolvenzverfahren in drei bis fünf Jahren wenigstens einen Teil seines Geldes zurückzubekommen.

Und er hat durch sein frühzeitiges Handeln Glück im Unglück. "Ich bin froh, dass hier alles stabil ist, ich weder Kredite aufnehmen muss, noch Personal entlassen oder betteln gehen muss", sagt Redmann. "Wichtig ist, dass die Kunden weiterhin die Treue halten", fügt Seubold hinzu.