Eine Frau wurde an ein Kreuz gebunden, um vergewaltigt zu werden. Anderen Frauen wurde nach der Vergewaltigung in die Vagina geschossen. Innerlich zerfetzt, wenn sie es überhaupt überleben. Der Kongo ist weit weg, und doch haben diese Untaten mit jedem hier zu tun, denn sie passieren wegen des Abbaus der Seltenen Metalle und Erze.

"Für unsere Handys, für die E-Autos", erklärt Hanne Pfeiffer. Zusammen mit Gabi Schmidt hat sie als Kooperation des ökumenischen Frauenbunds Sophia und des katholischen Frauenbunds diese Ausstellung für den Seelsorgebereich Stöckach-Forth in der katholischen Kirche Kreuzerhöhung zum internationalen Tag der Gewalt an Frauen organisiert. Zum neunten Mal finden jährlich eine Aktion und ein Gottesdienst statt, um besonders auf das Leid der Frauen aufmerksam zu machen.

Die Bilder und Werke der Heroldsberger Künstlerin Corinna Maron holten die beiden Frauen in den Seelsorgebereich Neubau, um auf die vielen Formen des lautlosen Leids, das Frauen angetan wird, aufmerksam zu machen und wachzurütteln. Denn jeder Einzelne kann durch sein Verhalten helfen, diese Gewalt zu beenden.

Doch nicht nur im Kongo oder im Jemen findet Gewalt statt, auch in jedem Landkreis werden Frauen und Kinder Opfer von Gewalt und Missbrauch. "Wir haben uns deshalb mit den dafür zuständigen Organisationen in Verbindung gesetzt und Material und Infoblätter ausgelegt", sagt Pfeiffer. Zur Vernissage waren Vertreter der örtlichen Hilfsorganisationen vor Ort. Für jedes Bild und Werk, das in der Kirche ausgestellt ist, hat Hanne Pfeiffer recherchiert und einen Text geschrieben, der das Leid zeigt und erlärt,warum es entstand.

Aber auch ermutigende Beispiele sind zu sehen, in denen sich Frauen über die Religionen hinweg zusammenfanden und für sich einstanden und mit Erfolg kämpften. Im Kongo ist das Leid der Frauen besonders schlimm, er ist das gefährlichste Land der Welt für Frauen. "Die Frauen im Kongo werden als Kriegswaffe benutzt, vergewaltigt und gefügig gemacht", sagt Hanne Pfeiffer.

Im Kongo herrscht ein Bürgerkrieg, und es geht um die Rohstoffe, Erze und Metalle für den technischen Wohlstand der Industriestaaten. Auch für E-Autos. Die Ehemänner oder das gesamte Dorf müssen bei den unfassbaren Gräueltaten zusehen. "So sollen die Männer erniedrigt werden und die Gemeinschaft des Dorfs zerstört werden, um vertrieben zu werden. " Die Rohstoffe sollen dann abgebaut werdenkönnen und man will dafür Arbeitssklaven haben, erklärt Pfeiffer.

Sie präsentiert dann aber auch positive Beispiele, wie den Arzt Mukwege, der diese misshandelten Frauen operiert.Der katholische Frauenbund und die Frauengruppe Sophia zeigen auch, wie der Einzelne helfen kann. Broschüren und CDs liegen bereit, die über Organisationen und deren Projekte berichten, mit denen schwer traumatisierten Frauen geholfen wird. Auch über Produkte, die frei von Rohstoffen aus diesen Ländern sind, wird informiert.

Es geht auch anders

Mit den Werken der Künstlerin Maron zeigen die Organisatorinnen auch ermutigende Beispiele. In Liberia beispielsweise. Auch dort herrschte Krieg und wie in jedem Krieg gab es Gewalt gegen Frauen und Kinder. Friedensverhandlungen scheiterten.

Die Sozialarbeiterin Leymah Gbowee und Ellen Johnson Sirleaf schafften es, christliche und muslimische Frauen zu vereinen. Diese Frauen, die sich "Frauen in Weiß" nannten, protestierten, streikten und beteten am Marktplatz. Sie gingen schließlich in die Räume, in denen die Männer die Friedensverhandlungen ergebnislos führten und sperrten die Männer ein. Raus durftendie Männer erst wieder, als sie ein Ergebnis brachten. Eine der "Frauen in Weiß" wurde die erste Präsidentin.

Auch hier vor Ort gibt es Leid und häusliche Gewalt. "Das wurde gerade durch Corona noch mehr", erklärt Pfeiffer.

Neben der Aufklärung der Menschen und dem Kauf von "sauberen" Produkten können die Besucher der Ausstellung noch mehr tun: Wünsche für die Frauen aufschreiben und an den Wünschebaum hängen, damit diese Bitten vor Gott getragen werden.

Die Menschen leiden still und um das Leid bleibt es still. Je größer, desto stummer. Lautloses Leid.

Ausstellung

Öffnungszeiten Die Ausstellung ist täglich von 11 Uhr bis 16 Uhr geöffnet und endet am Mittwoch, 25. November, mit einem Gottesdienst um 19 Uhr in der Kirche Kreuzerhöhung. Um Anmeldung wird erbeten.