Von Julia Heimberger

Vor 20 Jahren verließ der damals 20-jährige Hotelfachmann Matthias Mösel seine Heimat in Wiesenthau, Ende 2017 kehrte er zurück. Ausschlaggebend dafür waren seine Hochzeit und der lang ersehnte Nachwuchs. Der heute 40-Jährige blickt voller Stolz auf ein turbulentes und aufregendes Leben zurück. Nach ersten Erfahrungen in Gasthäusern in Schlaifhausen entschied er sich für den kommunikationsfreudigen Beruf des Hotelfachmanns. "Ich mochte die Geselligkeit, dass man das Dorfgeschehen miterlebt und den Umgang mit den Menschen", erinnert sich Mösel.

Die Ausbildung absolvierte er damals in nur zwei Jahren in Fürth, um anschließend in die Schweiz zu wechseln. Im pompösen Staatshotel Bellevue Palace, dem schweizer Pendant zum Hotel Adlon Kempinski in Berlin, verkehren Staatsoberhäupter und Diplomaten. "Aber das war viel zu businessmäßig, da fehlte der Umgang mit dem Menschen", erklärt der Franke mit Tiroler Dialekt. Er entschied sich daher für die Urlaubshotellerie mit ganzjährigem Betrieb, "den nur im Winter wollte ich nicht arbeiten". Mit 31 Jahren gab es dann die erste Option auf einen Direktionsposten, "aber den hat dann ein Einheimischer bekommen".

Mit 34 Jahren Geschäftsführer der Maierl-Alm in Kitzbühel

Durch mehrere Kontakte wurde sein Name für den Geschäftsführerposten der Maierl Alm in den Kitzbüheler Alpen ins Gespräch gebracht. Ein Headhunter nahm Kontakt zu ihm auf und kurze Zeit später erfüllte sich der hart erarbeitete und langersehnte Traum vom Hoteldirektor. "Alle Jahre meiner Wanderschaft waren darauf ausgerichtet, irgendwann mal Hotelmanager zu werden", erzählt er. "Dafür habe ich aber auch wahnsinnig viel Privatleben geopfert, um dorthin zu kommen." Während andere Hochzeiten, Geburtstage und Geburten feierten, habe er arbeiten müssen.

2014 lernte er auf der Maierl Alm seine zukünftige Frau kennen, 2015 zog sie zu ihm. "Wir teilten uns ein Büro und einen Schreibtisch", lacht Matthias Mösel. Als sich 2017 dann der Nachwuchs ankündigte, war beiden klar, dass das nicht in einer Personalwohnung auf 1500 Meter Höhe mit 24 Stunden Präsenzzeit im Hotelbetrieb funktionieren würde. "Ich habe mich dann Ende 2017 mit einer eigenen Gastronomie-Beratungsfirma selbständig gemacht und wir sind zurück nach Wiesenthau gezogen." Dort wohne er jetzt mit Frau und Kind in einem Vier-Generationen-Haus. "Ich bin sehr glücklich, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben, einen gesunden Sohn zu haben und dass ich jetzt Arbeit und Familie in Einklang bringen kann."

Durch Zufall zum Arivo-Projekt in Forchheim

Zu diesem Zeitpunkt sei er auch zum Arivo-Aparthotel-Projekt in Forchheim dazu gestoßen. Ein Freund habe ihm die Ausschreibung für die Gastronomie geschickt, aber 300.000 bis 400.000 Euro Startkapital für eine Kücheneinrichtung sei nicht realisierbar gewesen. "Ich habe dann die Ausschreibung an meine alte Schulfreundin Caroline Dippold geschickt. Sie hat ein Innenarchitekturbüro in München", erzählt er und ergänzt: "Sie ist zufälligerweise die Tochter des Firmenchefs." Die große Gruppe habe zahlreiche Tochter-Unternehmen und eine sei davon die Projekt Bauart GmbH aus Hirschaid, die von einem alten Jugendfreund Thomas Siebenhaar geleitet wird. Thomas Siebenhaar war ein "alter Bekannter" aus der gemeinsamen Fußballzeit rund ums Walberla. Nachdem sich so der Kreis geschlossen habe, saß die gesamte Kompetenz für Bau, Innenreinrichtung und Gastronomie an einem Tisch. Statt einen anonymen Betreiber mit dem Bau zu beauftragen, entschloss man sich, das gesamte Apartmenthotel selbst auf die Beine zu stellen. "Das macht natürlich wahnsinnig viel Arbeit, eine neue Hotelreihe in Oberfranken zu entwerfen und mit zu begleiten." Ab April 2019 ist er das Gesicht und der persönliche Ansprechpartner für seine Gäste. Konzipiert ist das Hotel nicht nur für Gäste und Touristen, sondern bevorzugt für einen längerfristigen Aufenthalt von bis zu sechs Monaten für Geschäftsleuten, die in der Forchheim Region arbeiten.

Arivo heißt ankommen, sowohl für die Gäste als auch für meine Familie

Matthias Mösel freut sich über seine neuen Aufgaben, von denen er viele zur Zeit auch im Homeoffice erledigen kann. "Das mit dem Namen "Arivo" ist natürlich auch doppelt toll, das heißt ja aus dem Italienischen übersetzt "ankommen". Und zwar nicht nur für die Gäste, sondern auch für mich und meine Familie. Ein Ankommen in der Heimat." Für die nächsten Jahre steht daher für die junge Familie kein weiterer Umzug mehr an. Zum Abschluss sagt er noch lachend: "Ich gehe hier nicht mehr weg, in der Heimat ist es zu schön!"