Luise Tröger weiß, wie man sich vermarkten muss. Seit fast zwei Jahren betreibt die gelernte Industriekauffrau das Hebammen- und Familienzentrum Zwergenland in der Höchstadter Hauptstraße - und das mit großem Erfolg. Das breit aufgestellte Kursangebot, das die 29-Jährige über die vergangenen zwei Jahre zusammengetragen hat, haben viele Familien gerne angenommen. Aber die Sache mit der Anzeige, ja, die habe selbst Luise Tröger nicht kommen sehen, sagt sie.

Denn als sie vor Kurzem die Räume ihres Zwergenlands auf einem bekannten Immobilienportal einstellte, reagierten viele überrascht. Manche vermuteten, sie wolle womöglich ihr Geschäft aufgeben. Wie Tröger nun versicherte, sei dem aber nicht so, das Gegenteil sei vielmehr der Fall: Um weitere Kurse anbieten zu können, suchte die Unternehmerin neue Kursleiter. Und da viele Therapeuten auf den einschlägigen Immobilienplattformen unterwegs sind, lud sie die Räume dort zur Miete hoch.

"Wir haben durch das Portal einige Kontakte bekommen", sagt Tröger. So sei zum Beispiel ein Kinderphysiotherapeut auf das Zwergenland aufmerksam geworden, der nun dort Kurse anbieten wird. Über die neuen Kursleiter freut sich die Inhaberin sehr - auch deshalb, weil einige Kursleiter wegen Corona noch zögerlich seien, wofür Luise Tröger Verständnis hat.

Späte Öffnung

Überhaupt habe die Corona-Pandemie das Zwergenland hart getroffen, sagt sie. Ähnlich wie Fitnessstudios habe ihr Betrieb erst sehr spät öffnen dürfen. Zwar seien die Besucherzahlen inzwischen wieder moderat, dennoch schreibe das Unternehmen noch lange keine schwarzen Zahlen.

Schließlich müssen zunächst die bereits vor Corona gebuchten Kurse nachgeholt werden. Die teils hohen Mietkosten während des Lockdowns und der Verdienstausfall seien schwer zu kompensieren, sagt Tröger. "Gerade ein junges Unternehmen, das noch wenig Rücklagen gebildet hat, hat es schwer."

Existenzbedrohend sei die Situation dank der gut angenommen Kurse für Tröger aber derzeit nicht. Auch deshalb, weil sie vom Staat Corona-Soforthilfe bekommen habe. Die meisten Baby-Kurse sind im Zwergenland angelaufen. Und auch der Geburtsvorbereitungskurs, den die Hebamme während der Corona-Zeit online angeboten hat, steht wieder im Programm. "Im Moment stehen die Chancen gut, dass wir durch die Krise kommen", sagt Tröger.

Gutes Hygienekonzept

Das liegt auch daran, dass die Eltern, die das Zwergenland mit ihren Kindern besuchen, das Hygienekonzept vorbildlich umsetzen. Zudem seien die Räume, die dem Familienzentrum zur Verfügung stehen, ausreichend groß. "In einem 55 Quadratmeter großem Kursraum, lassen sich die Abstände leicht einhalten", sagt sie. Trotzdem wäre eine zweite Welle für das Zwergenland nur schwer zu stemmen.

Seit Kurzem bietet das Familienzentrum auch Kurse nur für Erwachsene an. Im Programm steht zum Beispiel WingTsun, ein Selbstverteidigungskurs, der auch das ältere Publikum ansprechen soll. "Wir gehen jetzt mit so vielen Kursen wie möglich an den Start", sagt Luise Tröger.