Natürlich wurde gemäß der Bedeutung des berühmtesten Sohnes des Ortes eine Tafel am Geburtshaus von Friedrich Harth (1880-1936) in Zentbechhofen angebracht. Dass dessen Nachname dort aber falsch geschrieben steht, mag man als Makel oder mit Humor sehen. Jedenfalls zeigt es, dass im Gedenken an Harth noch Luft nach oben ist.

Wenn es nach Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (FW) geht, wird sich das ändern. Und zwar im Rahmen der Sanierung des Pfarrhauses, in dem Harth 1880 geboren wurde. Das Gebäude wird der Stadt überlassen und die will daraus ein Gemeindezentrum für Senioren und Vereine machen - aber eben auch einen Schauraum Friedrich Harth widmen.

Friedrich Harth: Wichtige Rolle bei der Förderung Willy Messerschmitts

Die Bedeutung Harths spielt dabei keine geringe Rolle. Denn der Umbau wird einen siebenstelligen Betrag kosten, meint Brehm. Auch angesichts der coronabedingten finanziellen Belastung ist das nicht gerade wenig. "Vor einem Jahr wäre die Euphorie größer gewesen", sagt der Bürgermeister und verweist auf andere Prioritäten. "Die Umsetzung wird nicht kurzfristig notwendig sein" - Brehm spricht von guten vier Jahren.

Dass der Raum für Harth fest eingeplant ist, hat nämlich auch einen profanen Grund. Denn wenn der Umbau nicht nur von Fördermitteln der Dorferneuerung und des Denkmalschutzes, sondern auch aus einer EU-Förderung durch einen Entschädigungsfonds unterstützt werden soll, muss die überregionale und internationale Bedeutung Harths und damit seines Geburtshauses belegt und im Haus gewürdigt sein. Wer war also der Flugpionier Friedrich Harth?

Feste Größe in der Luftfahrt: der Zentbechhofener Friedrich Harth

Einer, der sich auskennt, ist Hobbyflieger und -historiker Klaus Strienz. Schon 1986 schrieb der Fränkische Tag über die Verdienste des damaligen Gymnasiallehrers. "Friedrich Harth, in Fachkreisen schon immer als eine feste Größe in der Geschichte der Luftfahrt anerkannt, ist jetzt auch für seine Heimatstadt entdeckt worden." Strienz hatte damals eine Ausstellung zu Harth kuratiert.

Heute sagt er, der in Archiven geforscht und zwei Ordner mit Materialien zu Hause hat, Harth sei zwar nicht so bedeutsam wie Ritter von Spix für die Biologie, "er ist aber sicherlich der bekannteste Zentbechhofener".

Seine Bedeutung für die Luftfahrt fußt auf zweierlei. Einmal natürlich auf seiner Lebensleistung, der Weltbestleistung 1921, als er in der Rhön mit seinem Segelflieger über 21 Minuten durch die Luft flog - länger als alle vor ihm. "Das war der Höhepunkt seines Lebens", sagt Strienz. Die Landung fiel - wie üblich bei den Versuchen dieser Jahre - etwas harsch aus. Harth erlitt unter anderem einen doppelseitigen Schädelbruch, sodass er seine aktive Fliegerkarriere beenden musste.

Pionier beeinflusst Pionier: Friedrich Harth und Willy Messerschmitt

Das ist vielleicht weniger ein Sinnbild dafür, wie nah Erfolg und Schicksal beieinander liegen können als für den mutigen Pioniergeist Friedrich Harths. Und der wurde schon früh geweckt. Strienz erzählt vom Schlüsselerlebnis des sechsjährigen Friedrich, der die auf dem damaligen Försterhaus nistenden Störche allweil in ihrem majestätischen Flug beobachtete. Dort also, im damaligen Haus seines Vaters, des Försters, das heute zum Gemeindezentrum umgebaut werden soll, liegt die Sehnsucht nach dem Vogelflug bei Harth begründet. Ab diesen Jahren verfolgte der Pionier beständig sein Ziel.

Kindlichen Versuchen mit selbstgebastelten Flügeln folgten nach dem Studium der Architektur in München ernstzunehmende Konstruktionen von Gleitflugzeugen, die er mit Wilhelm Messerschmitt baute, den er in Bamberg kennenlernte und unter seine Fittiche nahm. Harth war dort zunächst Stadtbaumeister, dann Oberbaurat. In der Förderung Messerschmitts liegt die zweite Bedeutung Harths, der durch diese Zusammenarbeit einem weiteren, dem weit wichtigeren Flugpionier den Weg ebnete.

Strienz beschreibt die Schwierigkeiten damaliger Flugzeugbauer. "Das Know-How war nur begrenzt vorhanden." Er spricht von Inselentwicklungen, da durch fehlenden Austausch zwischen den Ländern jeder autonom für sich entwickeln und tüfteln musste. Messerschmitt war bei der Konstruktion von Harths viertem Flieger von Beginn an mit dabei. Kurz vor der Fertigstellung brach der Erste Weltkrieg aus, zu dem Harth gleich eingezogen wurde. Messerschmitt, der erst nach seinem Abitur 1917 eingezogen wurde, baute währenddessen weiter nach Harths Plänen, die der von der Front nach Bamberg schickte. So näherten die beiden sich mit verschiedenen Modellen, die sie am Heidelstein ausprobierten, langsam dem Höhepunkt von Harths Karriere 1921.

Ehre nur für Ehrenvolles: Friedrich Harth und der Nationalsozialismus

1922 aber kam es wegen unterschiedlicher Vorstellungen zum Bruch zwischen den beiden. Harth hatte sich dem Segelflug verschrieben, Messerschmitt wollte mehr - und konstruierte später ebenso für die Nazis wie die Bundesrepublik motorgetriebene (Kampf-)Flugzeuge. Während Messerschmitt aber durch diese Kooperation zu Ruhm und fragwürdigen Ehren gekommen ist, fiel Harth hingegen tief und trat - laut Wikipedia - ebenfalls der NSDAP bei, weil er von der Wohlfahrt lebte. Der Kunsthistoriker Manfred Fischer bezeichnete ihn zuletzt als "strammen Nazi", der vom "Führerprinzip" im barocken Bauwesen schwadronierte und Baubeschreibungen mit Hitlerzitaten anreicherte.

Für Klaus Strienz bleibt das ein Makel in der Biografie. Die Ehren, die dem Luftfahrtpionier durch einen eigenen Schauraum in Zentbechhofen gemacht werden sollen, findet er dennoch gut. "Ich kann das nur begrüßen", meint Strienz. Ihm aber etwa das gesamte, noch zu sanierende Gemeindezentrum namentlich zu widmen - was bisher auch nicht zur Debatte steht - das würde auch die Person miteinschließen.

Beides trennt Strienz genau, der Pionier Harth hat alle Ehren, gerade in seiner Heimat verdient. Der spätere Nationalsozialist Harth sollte davon aber nicht berührt werden.