"Wenn das Zeltlager nicht stattfinden kann, packen wir es eben in eine Tüte." Das war der Grundgedanke hinter der Aktion "Zela in der Tüte", die die Verantwortlichenrunde der Pfarrjugend Herzogenaurach in den vergangenen Wochen vorbereitet hatte.

Schon im April hatten sich die 40 Ehrenamtlichen schweren Herzens dazu entschieden, das Zeltlager 2020 aufgrund der Pandemie abzusagen. "Das war natürlich nicht leicht für uns, aber selbst wenn sich die Maßnahmen soweit gelockert hätten, dass es hätte stattfinden können, war es uns zu riskant. Auf einem Zeltplatz in der freien Natur mit 160 Personen kann man einfach nicht die nötigen Hygiene- und Abstandsregelungen einhalten", erklärt Julia Wittmann, eine der Zeltlagerleiterinnen.

Doch ganz ohne Zela wollte die Gruppe den Sommer dann doch nicht akzeptieren und arbeitete an einem Ersatzprogramm für die sicher enttäuschten Zeltlagerkinder. Über ein Online-Formular konnten dann Überraschungstüten bestellt werden, die am vergangenen Wochenende, pünktlich zum eigentlichen Zeltlagerstart, kontaktlos an die Kinder übergeben wurden.

Die Tüten, ein Jutebeutel mit dem klassischen "Flammen-Logo" der Pfarrjugend, sind prall gefüllt mit Materialien für das volle Zela-Programm zu Hause: Jedes Kind erhielt wie jedes Jahr ein T-Shirt, damit die Sammlung nicht unterbrochen wird. Mit der Tüte können die Kinder in einem Heftchen die Lieblings-Sommergetränke ihrer Leiter entdecken, das Rezept für die berühmte Lauchcremesuppe ausprobieren und unzählige Workshop-Ideen mit Bastelmaterial finden.

So kann zum Beispiel ein kleines Lagerkreuz aus Stöcken gebaut und sogar ein Wimpel in Miniaturgröße aufgehängt werden. Außerdem bekam jedes Kind eine Klopapier-Fackel, eine kleine Sonnencreme, ein Knicklicht, Teebeutel für einen leckeren Zela-Tee, Autogrammkarten des Betreuerteams und ein Tattoo mit der Zeltlager-Flamme. Noch dazu wurde im Dohnwald eine Route für den Robinson-Tag festgelegt, die die Kinder mit einer Wegbeschreibung ablaufen können und dabei verschiedene Aufgaben lösen müssen.

Zelt im Garten aufgebaut

Auf der Homepage der Pfarrjugend können die Kinder in einem internen Bereich Bilder von ihren Basteleien hochladen und miteinander sowie mit den Leitern chatten und in Zeltlager-Erinnerungen schwelgen. Neben dem internen Bereich wird außerdem an jedem Tag der jetzigen Zeltlagerwoche ein Blog-Eintrag auf der Website veröffentlicht. "Das Zelt im Garten ist aufgebaut und eingerichtet", schreibt eine Mutter am Sonntagabend auf der Homepage.

Wer in Herzogenaurach unterwegs ist und sich aufmerksam umschaut, der entdeckt vielleicht auch bunt bemalte Steine, die die Kinder passend zum Zeltlager anmalen können und dann in der Stadt verteilen sollen. "Man muss eben das Beste daraus machen", sagt Julia Wittmann, "wir wären natürlich auch gerne gefahren, aber da ist man machtlos und man muss einfach verantwortungsbewusst handeln. Die Gesundheit geht vor. Immerhin haben die Kids jetzt was zu tun während der Woche und das Zela-Feeling bleibt nicht ganz aus."

In sechs Teams fuhren die Mitglieder der Pfarrjugend am Samstag die Tüten aus und überreichten sie mit zwei Armlängen Abstand an die Zeltlagerkinder, die sich natürlich freuten, ihre Betreuer zumindest mal kurz zu sehen. Mit viel Herzblut setzten die Ehrenamtlichen alles daran, ihren Zela-Kindern die Woche so bunt wie möglich zu gestalten, damit niemand traurig sein muss. Der langjährige Zeltlager-Fan Jonas spricht aus, was sich alle denken: "Ist voll blöd, dass das Zeltlager ausfallen muss." Trotzdem freuen sich alle auf das Zeltlager 2021, das dafür dann doppelt so schön werden soll.