Es ist erst fünf Wochen her, als am Fronleichnamstag ein Jahrhundertregen über Adelsdorf niederging und zahlreiche Keller überflutete. Am Donnerstagabend wiederholte sich dieses Jahrhundertereignis. Erneut wurden in kurzer Zeit in Adelsdorf 61 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter gemessen und wieder reihenweise Keller geflutet, meist die selben wie vor fünf Wochen.

Wie aus Eimern geschüttet hat es am Donnerstagabend auch über Hemhofen und Zeckern. 160 Feuerwehreinsätze registrierte Kreisfeuerwehr-Pressesprecher Stefan Brunner allein im Gemeindegebiet von Hemhofen. 30 Feuerwehren aus dem Landkreis waren mit insgesamt 350 Aktiven bis Mitternacht im Einsatz. Die überlastete Kanalisation drückte das Wasser in die Keller, flutete verschiedene Gewerbehallen. Im Keller der Hemhofener Schule stand das Wasser 1,20 Meter hoch.


Alles beginnt von vorne

In Adelsdorf gab es diesmal nur rund 20 Einsätze, dafür traf es viele bereits zum zweiten Mal. "Am Montag wäre die Trocknung fertig geworden, jetzt beginnt alles von vorne", klagte am Freitag Hans-Josef Schmidt, in dessen Keller in der Bahnhofstraße seit der letzten Überflutung eine Trocknungsanlage installiert ist. Schmidt hat zwar ein Rückstauventil in der Waschküche, dafür drückte bei ihm das Wasser aus einem Gully im Kellerabgang. Da halfen auch die Sandsäcke auf dem Gully nichts. Die Versicherung droht ihm jetzt nach der zweiten Überflutung zu kündigen.

Im Haus schräg gegenüber hat Rainer Herzig zwar auch ein Rückstauventil in der Waschküche, doch der Druck im Kanal war offensichtlich stärker. Er konnte das Wasser nicht davor zurückhalten, sich in allen Kellerräumen auszubreiten. "Alle Anwohner haben jetzt Angst, wenn der Himmel dunkel wird", sagt Herzig. Man könne nicht mehr fortfahren, ohne die Befürchtung, dass was passiert.

Für die Geschädigten im Bereich Bahnhof-, Jahn- und Beethovenstraße ist das Baugebiet Seeside schuld an den Überflutungen. Dass das Wasser aus der Großbaustelle kommt, könne man unschwer an der braunen Färbung erkennen. Hans-Josef Schmidt, der seit über 60 Jahren in seinem Haus wohnt, hat solche Hochwasser vorher noch nicht erlebt.

Seeside-Investor und Vermarkter Ralph Munck spricht von einem "Katastrophenereignis, auf das man sich nicht vorbereiten kann". Wenn die Bebauung abgeschlossen ist, sollten solche Überflutungen nicht mehr vorkommen, meint Munck, der sich am Montag mit Bürgermeister und Stadtplaner zusammensetzen wird, um weitere Vorkehrungen zu besprechen.

Der Überflutung der Bahnhofstraße hält Munck entgegen, dass früher vom ehemaligen Aldi-Gelände bis zu 750 Liter pro Sekunde in den Reuthgraben geflossen sind und im Gebiet Läusberg Überschwemmungen auslösten. Jetzt würden nur noch 150 Liter in den Reuthgraben geleitet.
Langsam zum Problem werden auch die gegenseitigen Anfeindungen unter den Bewohnern der unterschiedlichen Gebiete.

Auch Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) sieht sich Angriffen ausgesetzt, die für ihn inzwischen "grenzwertig" sind. Er möchte die Baustelle mit den im Endausbau 500 Reihenhäusern so sichern, dass solche Überflutungen künftig verhindert werden. Gleichzeitig appelliert er aber auch an die betroffenen Anwohner, ihre Häuser mit funktionierenden Rückstausystemen zu sichern. Dazu müsse auch mal ein Profi ins Haus geholt werden, sagt Fischkal.