Sandra Wrana muss jetzt erst einmal tief Luft holen. Schließlich ist die derzeitige Situation für die Lehrerin an der Anton-Wölker-Grundschule ziemlich belastend. Wegen der Corona-Pandemie unterrichtet Wrana seit Wochen mit Mundschutz. Sie impft Kinder auf Abstandsregeln. Und: sie lüftet die Klassenzimmer so gut es geht stoß. Aber weil genau das nicht überall problemlos geht, das Lüften, hat die Schule nun ein Luftfiltergerät angeschafft. Sandra Wrana steht im Werkraum und sagt: "Ich finde die Filter sehr gut."

So sieht das nicht nur die Lehrerin. Mehr und mehr Schulen denken darüber nach, ihre Klassenzimmer mit Raumluftfiltern auszustatten. Diese sollen die Aerosole aus der Luft filtern und so die Infektionsgefahr im Klassenzimmer herabsetzen. Die Geräte saugen die Raumluft an der Unterseite an, schicken sie durch einen Filter und stoßen sie oben wieder aus. Herausgefiltert werden laut einer Studie der Bundeswehruniversität München bis zu 99,995 Prozent der Aerosole. War's das also mit dem ständigen Lüften? Mit den Masken und den Abständen?

So wirken die Filter tatsächlich

"So einfach ist das nicht", sagt der Infektionsimmunologe der Universität Erlangen, Christian Bogdan. Schließlich handle es sich bei den Filtern nicht um ein "Allheilmittel". Wie wirksam die Geräte tatsächlich sind, hänge von zahlreichen Faktoren ab. Entscheidend seien beispielsweise Raum- und Filtergröße. Auch die Qualität der Geräte spiele eine große Rolle: Nur sogenannte Hepa-Filter der Klasse H13 oder H14 können Viren filtern. Klar sei aber auch: "Luftfilter können die Hygieneregeln nicht ersetzen", sagt Bogdan.

Ganz ähnlich formuliert das Bogdans Kollege Markus Werner. In einem Feldversuch hat der Hygiene- und Umweltmediziner herausgefunden, dass die Geräte zwar den Partikelgehalt in der Luft deutlich reduzieren. Die relevanten Infektionssituationen können die Luftfilter allerdings nicht verhindern, sagt Werner. Zu diesen zählt der Arzt Kontakte, bei denen geniest oder gehustet wird. Selbst hochwertige Luftfilter benötigen Zeit, um diese Situationen gänzlich zu bereinigen. Diese Zeit bleibe aber oftmals nicht, sagt Werner.

Auch das Umweltbundesamt spricht sich gegen den flächendeckenden Einsatz von Luftfiltern an Schulen aus. In engen und schlecht belüftbaren Räumen können die Geräte eine "ergänzende Maßnahme" sein, aber kein Ersatz für die Hygieneregeln, heißt es in einer Handreichung. Gefördert werden die Luftreiniger vom Freistaat nur für diese Klassenräume.

Viele Gemeinde überlegen, trotz hoher Kosten

Trotz der begrenzten Wirkung solcher Filter überlegen immer mehr Gemeinden, sich Luftfilter für die Klassenzimmer anzuschaffen. Genau wie Sandra Wrana befürchten sie, dass die Schüler in den Wintermonaten bibbernd in den Schulbänken sitzen werden. Dass bislang viele Schulen zögerlich sind, hat vor allem mit den immensen Kosten der Filter zu tun. Bis zu 2000 Euro muss man für ein passendes Gerät bezahlen.

Noch wenige Schulen mit Filter

In Höchstadt gibt es Luftfilter bislang nur in Etzelskirchen und an der Grundschule Süd, wie der Rektor der Spix-Schule, Michael Ulbrich, erklärt. Die Stadt habe die Sache ernst genommen und schon vor Monaten bei den Schulen nachgefragt, ob Filter benötigt werden. An der Spix-Schule habe man sich dagegen entschieden, weil sich in fast allen Klassenräumen bereits CO-2-Messgeräte befinden, die den Lehrern anzeigen, wann gelüftet werden soll. Damit komme die Schule gut zurecht, sagt Ulbrich. Befürchtungen, wonach Schüler im Klassenzimmer frieren, teilt er nicht. Schließlich kühlen die Räume nicht innerhalb weniger Minuten aus.

Zu den hohen Anschaffungskosten kommen laut Ulbrich die Kosten für die Wartung der Geräte hinzu. Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, müssen die Filter zudem regelmäßig ausgetauscht werden, wodurch zusätzliche Kosten entstehen. Für die oberfränkische Landtagsabgeordnete Ursula Sowa (Bündnis 90/Die Grünen) lasse der Staat die Schulen mit den Kosten allein. Das Konzept des Freistaats im Umgang mit der Lufthygiene an Schulen bezeichnet sie als "undurchdacht und knausrig".

Jeder Raum bedürfte einer eigenen Analyse

Dennoch: Auch Sowa hält den willkürlichen Einsatz von Luftfiltern in Klassenzimmern für wenig sinnvoll. Einfach in jeden Raum ein Gerät zu stellen, sei nicht zielführend und könne gar trügerisch sein. "Jeder Raum braucht eine eigene Lösung und muss zuvor analysiert werden", erklärt die Grünen-Politikerin.

Eine Lösung für das Kostenproblem hat unterdessen das Max-Planck-Institut in Mainz entwickelt. Ein Forscherteam hat eine Lüftungsanlage konstruiert, die sich mit einfachen Baumarktmaterialien nachbauen lässt. Die Innovation funktioniert nach dem Dunsthaubenprinzip: Die ausgeatmete Luft ist wärmer, steigt nach oben und wird über Auffangbehälter an der Decke nach draußen transportiert. Die Baupläne stehen inzwischen auf der Homepage des Institutes. Damit lassen sich laut Institut bis zu 90 Prozent der Aerosole herausfiltern.