Zu einer Plauderrunde in gelöster Atmosphäre traf sich die Niederndorfer Familie Conrads mit Pfarrer Helmut Hetzel und der FT-Redaktion im katholischen Pfarrheim. Die katholische Kirche ist Partner der Spendenaktion "Franken helfen Franken", deren Erlös nun symbolisch übergeben wurde. Mit dabei auch Ratskeller-Wirtin Bea Wirth, die mit einer Versteigerung ebenfalls einen namhaften Betrag erzielt hat. Insgesamt kamen für die Familie fast genau 10 000 Euro zusammen.
Als die Spendenaktion gestartet wurde, die der FT in Herzogenaurach dem an Leukämie erkrankten Jakob widmete, war die Lage weitaus weniger gelöst. Noch niemand wusste, wie der Bub auf die Knochenmark-Transplantion reagieren würde, die er am 28. November bekam. Und wie er all die Strapazen verkraften würde. Dann folgte die erste Punktion, mit einem hervorragenden Ergebnis.

Jakobs Körper nahm einhundert Prozent gesundes Knochenmark des unbekannten Spenders an.
Nach 60 Tagen dann die zweite Punktion mit dem gleichen Ergebnis. Jetzt wartet die Familie auf den März, denn erst nach einhundert Tagen könne man davon ausgehen, dass die Werte stabil bleiben. Und auch danach gilt Wachsamkeit, wie bei jedem Krebspatienten in den ersten Jahren.

Dennoch war das Gespräch schon jetzt sehr gelöst. Der elfjährige Jakob und seine achtjährige Schwester Lena begleiteten die Familie ins Pfarrhaus, und beide plauderten munter drauf los. Es ist der Start in ein neues Leben des Jungen, dessen einzige Chance die Transplantation gewesen war, nachdem die Krebstherapie mit Chemo erfolglos geblieben war.


Jakob in Plauderlaune

Pfarrer Hetzel nutzte die Gelegenheit, sich über die Krankheit und vor allem Jakobs Befinden ausgiebig zu informieren. "Es geht jetzt nicht ums Geld", sagte er. "Das ist jetzt nicht das allerwichtigste." Aber man sei natürlich froh, der Familie mit den Spenden finanziell unter die Arme greifen zu können. Denn der Alltag mit seinen Erfordernissen geht weiter. Jakob braucht ein neues Bett und die Kosten für die Reha müssen die Eltern vorstrecken. Das geht nur mit unbezahltem Urlaub. Auch könnte die Familie ohne zusätzliche Hilfe wohl auch nicht ihren lang ersehnten Urlaub antreten.

Birgit und Daniel Conrads dankten für die Unterstützung. Allein über "Franken helfen Franken" der Mediengruppe Oberfranken sind bisher 7600 Euro zusammen gekommen, darunter 700 Euro vom Ratskeller. Den Rest erzielte die Pfarrei selbst: unter anderem durch eine Spende der Stadtjugendkapelle und den Erlös der Nikolausaktion der Pfarrjugend.

Und Jakob? Der plapperte munter drauf los. Erzählte vom Fußball und von der Klinik. Und davon, dass er sehr dankbar sei, dass es Computerspiele gebe, und das Smartphone. Denn ohne das wäre die einsame Zeit in der Klinik wohl noch einsamer geworden. WhatsApp war sein Kontakt zur Außenwelt. "Ich konnte ja nichts mehr anderes machen", sagt der Elfjährige.

Und auch jetzt ist er noch die meiste Zeit nicht in Gesellschaft, sondern zu Hause. Jakob muss das normale Leben, den gewöhnlichen Alltag erst wieder lernen. Und das geht langsam. Mutter Birgit ist jeden Tag da und verbringt die Zeit gemeinsam mit dem Sohn. Da entfällt ein Gehalt. Birgit Conrads: "Wir müssen uns schon auf das Nötigste beschränken." Denn die Kosten laufen weiter, und Schulden aufs Haus sind auch da.

Als es Lena mit ihrer Freundin langweilig wurde, am runden Tisch im Pfarrhaus, hatte der große Bruder schnell eine Lösung zur Hand. "Lasst euch von der Mama ein bisschen Geld geben und geht einkaufen", sagte er weltmännisch. Und die kleine Schwester war begeistert: "Ja, wir gehen zum Elli!"

Aufgeschlossen und wissbegierig war der Bub auch die ganze Zeit in der Klinik, wie die Eltern berichten. "Jakob hinterfragt jede ärztliche Maßnahme und diskutiert sie aus" sagte Vater Daniel. Pfarrer Hetzel fand das gut, die Auseinandersetzung mit der Krankheit schaffe Selbstbewusstsein und gebe Kraft. Und er freute sich, wie lebhaft und fröhlich Jakob mit der Situation und der Bewältigung der Krankheit umgeht. Der Familie gab er mit auf den Weg: "Ihr habt genug Sorgen gehabt. Ihr dürft auch mal was feiern."


Franken helfen Franken seit 2009

Die Spendenaktion "Franken helfen Franken" gibt es seit 2009. In diesem Jahr war die Spendenbereitschaft der Leser besonders groß: Mit fast 70 000 Euro wurde bei zwölf Maßnahmen doppelt so viel erlöst als in den Vorjahren. Bis zum Donnerstag waren es allein für die Herzogenauracher Aktion zugunsten von Jakob Conrads 7600 Euro. Seit 2009 wurden somit schon rund 400 000 Euro Spendengelder in ganz Franken gesammelt. Jeder gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe Oberfranken, die über ihre Zeitungen Fränkischer Tag, Bayerische Rundschau, Coburger Tageblatt, Saale-Zeitung und Die Kitzinger sowie ihre Internetangebote (unter anderem das Zeitungsportal inFranken.de) viele Menschen erreicht.

Martina Ullrich ist bei der MGO in Bamberg Sachbearbeiterin in der Finanzbuchhaltung. Sie kümmert sich seit Jahren um die Spendenaktionen und ist begeistert von der Hilfsbereitschaft der Leser. Manche Aktionen kommen so gut an, dass auch noch viele Jahre hinweg gespendet wird, sagt sie. Deshalb bleiben die Konten auch dauerhaft geöffnet, auch weit nach den Aktionen zur Adventszeit hinaus.

Persönlich ergriffen war Ullrich von einer Geschichte aus Bamberg. Da wurde eine Wohngruppe für schwer erziehbare und behinderte Kinder unterstützt. Nach ihren Wünschen für Weihnachten gefragt, wurden ganz bescheidene Dinge genannt, wie eine Haarbürste oder Buntstifte. Man kann schon mit kleinen Aufmerksamkeiten viel bewirken. "Mir ging auch die Geschichte von Jakob ans Herz", sagte sie. Umso mehr freut sie sich, dass der Bub auf dem Weg der Besserung ist. Typisieren lassen hat sie sich übrigens schon vor langer Zeit. Das wolle sie auch jedem Menschen empfehlen, weil man damit ohne großen Aufwand im Idealfall Leben retten kann.