Mit der Verlängerung des bundesweiten Lockdowns herrscht auch in den Kindertagesstätten weiterhin der Ausnahmezustand. Erst wurde der Personenkreis derer, die eine Notbetreuung in Anspruch nehmen konnten, begrenzt: Mussten zu Beginn der Pandemie beide Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, sind die Kitas nun wieder für alle zugänglich. Und dieses Angebot nutzen inzwischen immer mehr Eltern. Laut Sozialministerium haben vergangene Woche bayernweit 21 Prozent eine Notbetreuung wahrgenommen. Am häufigsten besuchten die Kinder ihre Kita im Landkreis Erlangen-Höchstadt, hier waren es 32,9 Prozent. Je nach Einrichtung gibt es aber große Unterschiede, wie man in Höchstadt und Umgebung sieht.

Wer in der Kindertagesstätte St. Johannes in Zentbechhofen anruft, hört am Telefon ausgelassene Kinderstimmen im Hintergrund. Vergangenen Mittwoch besuchten dort 19 Kinder die Notbetreuung, regulär befinden sich 52 Kinder in dem Hort. Zwar variiere die Zahl je nach Wochentag, wie die Einrichtungsleiterin Christina Schindlbeck erklärt. In ihrer Tagesstätte würden jedoch nur jene Eltern einen Platz beanspruchen, die unbedingt auf die Notbetreuung angewiesen seien. "Wir kennen die Eltern der Kinder und wissen, dass es bei vielen nicht anders geht", sagt Schindlbeck.

Zu den teilweise hohen Kinderzahlen muss Schindlbeck zusätzlich mit den bestehenden Corona-Beschränkungen umgehen. "Wir versuchen, den Kindern möglichst viel Normalität zu geben", sagt sie. Vom Alltag aus den Zeiten vor der Pandemie sei man in Zentbechhofen aber noch weit entfernt. So führe die Maskenpflicht beispielsweise dazu, dass die Kinder Erzieher nicht richtig verstehen und ihre Mimik nicht mehr deuten können. Für das Erlernen der Sprache sei jedoch das gerade im Kindergartenalter enorm wichtig, sagt Schindlbeck.

40 von 135 Kindern

Ähnlich sieht das Daniela Bätz. Für die stellvertretende Leiterin der katholischen Kindertagesstätte St. Michael in Höchstadt ist die Maske im Umgang mit den Kindern besonders störend. Auch die Abstände könne man bei so kleinen Kindern keinesfalls einhalten, sagt sie. In ihrer Einrichtung befinden sich momentan rund 40 Kinder in der Notbetreuung, zu normalen Zeiten sind es 135. "Viele Eltern lassen ihre Kinder noch zu Hause", sagt Bätz. Diejenigen, die kommen, seien in festen Stammgruppen untergebracht, die nicht vermischt werden dürfen. Das heißt aber auch, dass es Tage gibt, an denen in einer Gruppe zwei Kinder spielen und in der anderen 14.

Überhaupt sei die Situation seit langem "sehr schwierig", sagt Bätz. Lediglich im September habe ihre Einrichtung vier Wochen im Normalbetrieb verbracht. "Der Ausnahmemodus zehrt an unseren Nerven." Man könne die pädagogischen Inhalte nicht mehr so vermitteln, wie man gerne will, sagt sie. Noch schwieriger sei es für Eltern, die den Spagat zwischen Home-Office und Home-Schooling anstellen müssten. Am meisten jedoch litten die Kinder. "Viele wollen ihre Freunde sehen. Das können wir Erzieher nicht ersetzen", sagt Bätz.

Um die Zeit des Lockdowns zu verkürzen, schnüren Bätz' Mitarbeiter nun Pakete für die Kinder, die die Eltern dann in der Einrichtung abholen können. Darin befinden sich zum Beispiel Bastelanleitungen oder Rezepte für die Herstellung selbstgemachter Knete. Auch Schindlbeck hat sich Gedanken gemacht, wie man die Kinder im Lockdown besser erreichen könnte. Ihre Einrichtung wird in Zukunft eine App nutzen. Über das Smartphone der Eltern können die Kinder dann die Erzieher in Videos bei Fingerspielen oder beim Musizieren bestaunen. "Wir können den direkten Input nicht ersetzen, aber wenigsten Kontakt halten", sagt Schindlbeck.

Ansteckung von Kindern unklar

Entspannung erhoffen sich die Kindertagesstätten auch durch die vom Bundesrat beschlossene Ausweitung der Kinderkrankentage. Gesetzlich Versicherte haben im Jahr 2021 Anspruch auf Krankengeld für jedes Kind für 20 Arbeitstage, Alleinerziehende für bis zu 40 Arbeitstage. Dies gilt rückwirkend ab 5. Januar 2021. Auch die voranschreitenden Impfungen lassen die Hoffnung nach einem normalen Kitaalltag wachsen. Trotzdem dürfte es bis zum Frühling dauern, bis eine ausreichend große Masse geimpft worden sein wird.

Wie hoch die Ansteckungsgefahr ist, die von Kindern ausgeht, ist unterdessen nicht abschließend geklärt. Eine im September durchgeführte Analyse am Institute of Child Health in London kommt zum Schluss, dass Kinder ein deutlich geringeres Risiko haben, sich mit dem Coronavirus anzustecken oder es weiterzugeben. Forscher aus Indien und den USA haben hingegen nachgewiesen, dass es sogenannte Superspreader, also Menschen, die das Virus an viele andere Menschen weitergeben, auch unter Kindern gibt. Die Studienlage bleibt daher unklar. Vor dem Hintergrund der neu auftretenden und wohl auch ansteckenderen Virusmutationen warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel dennoch vor einer zu schnelle Öffnung der Kitas und Schulen.

Auch bei Christina Schindlbeck hat es vergangenes Jahr einen Corona-Fall gegeben. Damals habe sich eine Erzieherin mit dem Virus infiziert. Aber weil sie den ganzen Tag über eine Maske getragen hatte, kam es zu keiner weiteren Ansteckung. Das zeige eben auch, wie wichtig die Masken trotz aller Probleme sein können, sagt Schindlbeck. "Wenn es dem Wohle aller dient, dann tragen wir die Masken gerne."