Das renommierte, vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) produzierte Politiksatire-Magazin extra 3  hat in seiner Folge vom 26. Februar 2026 Missstände an der Universität Erlangen unter die Lupe genommen. Im dem im Rubrik-Format "Der reale Irrsinn" gezeigten, gut dreiminütigen Beitrag berichten Studierende von erschreckenden Zuständen in den Universitätsgebäuden. 

"Das ganze Dach hier ist baufällig, hier regnet es immer wieder rein", erklärt Vincent Hennecke, Fachschaftssprecher Naturwissenschaften an der FAU, zur Situation in einer Toilette im Hörsaalgebäude des Biologikum/Physikum. Und das, obwohl die Toilette erst kürzlich saniert worden sei. Das Problem konnte dadurch jedoch offensichtlich nicht behoben werden, wie die gezeigten Aufnahmen von braunen Ablagerungen an Wänden und Boden belegen. 

Uni Erlangen im Visier: "Vorlesungen, wo es uns auf den Kopf regnet"

Wie in dem Beitrag von extra 3 zu sehen ist, rinnt das Wasser auch an etlichen anderen Stellen im Gebäude durch die Decke und muss mit Eimern aufgefangen werden. "Es ist katastrophal", fasst Fachschaftssprecher Vincent Hennecke die Lage zusammen. Doch das an vielen Stellen undichte Dach im Hörsaalgebäude der Biologie und Physik sei bei weitem nicht die einzige Unannehmlichkeit für die Studierenden.

Aushängende Sicherheitshinweise warnen schwangere und stillende Frauen zudem vor einer erhöhten PCB-Belastung bei längeren Aufenthalten im Gebäude. Die Abkürzung PCB steht für eine Gruppe giftiger, extrem langlebiger organischer Chlorverbindungen, die bis in die 1980er-Jahre als Weichmacher, Flammschutzmittel und Isolierflüssigkeiten im Bauwesen genutzt wurden und heute im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Nach Angaben der Sendung sind die bausubstanziellen Probleme an der Uni Erlangen bereits seit Längerem bekannt. Demnach war im philosophischen Seminargebäude schon 2013 ein Teil der Decke herausgebrochen und herabgestürzt.

Weil trotzdem nicht genügend Geld in die sanierungsbedürftigen Gebäude gesteckt werde, zeigen sich die Studierenden zunehmend verärgert. "Auf der einen Seite wird hundert Meter weiter ein neues Gebäude gebaut, da investiert der Freistaat Milliarden, auf der anderen Seite werden die Bestandsgebäude absolut nicht saniert", moniert Vincent Hennecke. "Die FAU hat kein Geld und es ist skandalös, dass wir hier Vorlesungen haben, wo es uns auf den Kopf regnet", ärgert sich der Fachschaftssprecher.

"Reicht nicht für vollständige Finanzierung": Uni Erlangen fehlt Geld für umfangreiche Sanierung

Nach Angaben des NDR erhält die Uni Erlangen für den Bauerhalt jährlich 6,6 Millionen Euro vom Freistaat Bayern. Notwendig wären demnach jedoch 35 Millionen Euro. Um die betroffenen Gebäude sanieren zu können, müsse man laut Bayerischem Wissenschaftsministerium "intern umschichten". Wie Hennecke berichtet, bekomme man vom Kanzlerbüro der Universität deshalb "die ganz klare Info", dass man nur noch Maßnahmen umsetzen könne, "um die Gefahr für Leib und Leben abzuwenden, und nichts anderes mehr". Auf Nachfrage hat sich die Uni Erlangen zu den Zuständen geäußert.

Wie eine Sprecherin der FAU am Dienstag (10. März 2026) gegenüber inFranken.de mitteilt, ist "für viele der sanierungsbedürftigen Gebäude bereits Ersatz geplant und auf dem Weg". Demnach belaufen sich die Investitionen des Freistaates Bayern für die Standortentwicklung der FAU insgesamt auf rund 2 Milliarden Euro. Erst kürzlich habe der Bayerische Landtag für drei Großbauprojekte grünes Licht gegeben und rund 540 Millionen Euro dafür genehmigt. Mittel für die Gebäudebewirtschaftung und den Bauunterhalt erhalte die FAU indes im Rahmen der Grundfinanzierung.

"Im Entwurf des Doppelhaushalts 2026/2027 des Freistaates Bayern ist dafür erfreulicherweise eine Steigerung um 10 Prozent vorgesehen", teilt die Uni Erlangen mit. Das sorge zwar für "leichte Entlastung", könne die Inflationsentwicklung der letzten Jahre jedoch nur zum Teil kompensieren. "Leider reicht diese Steigerung nicht für die vollständige Finanzierung des erforderlichen Substanzerhalts und das Auffangen der gestiegenen Gebäudebewirtschaftungskosten aus", heißt es vonseiten der FAU. Die in dem Beitrag des NDR gezeigten baulichen Mängel bestehen demnach größtenteils noch immer. 

Uni Erlangen äußert sich zu baulichen Mängeln und erhöhter PCB-Belastung 

Nach Angaben der Lehranstalt konnten die undichten Stellen im Dach des Hörsaalgebäudes der Biologie und Physik "durch die regelmäßig durchgeführten Reparaturen einzelner Schadstellen nicht nachhaltig gelöst werden". Dadurch komme es immer wieder zu "Nutzungseinschränkungen sowohl bei Hörsälen als auch bei einer Toilettenanlage". Betroffene Lehrveranstaltungen wurden demnach "in Absprache mit Dozierenden in andere Gebäude verlagert". Eine Sanierung der "dringlichsten Bereiche" sei bereits veranlasst und die betroffenen Hörsäle sollen nach Abschluss der Arbeiten wieder in Betrieb gehen.

Die Warnung an schwangere und stillende Frauen vor einer erhöhten PCB-Belastung in den Gebäuden sei derweil eine bloße Vorsichtsmaßnahme. "Die FAU nimmt die Betreiberverantwortung für die Gebäude sehr ernst und weist daher Schwangere und Stillende rein vorsorglich auf die theoretisch möglichen Gefahren hin", heißt es vonseiten der Uni Erlangen. Die ermittelten Werte für die PCB-Belastung der Raumluft in den Gebäuden bewege sich jedoch "im akzeptablen Bereich der PCB-Richtlinie" und schränken den Aufenthalt demnach nicht ein. Weitere Nachrichten aus Erlangen findet ihr in unserem Lokalressort. 

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