Es gibt keinen Streit. Das wird auf beiden Seiten des Zaunes betont. Hört man sich auf diesen um, sind unterschiedliche Ansichten über die Schönheit und Notwendigkeit des Zaunes hingegen durchaus vorhanden. Aber das ist auch nicht das Problem. Letztlich geht es um die Frage, wie man sein Grundstück in Zeiten von Ökologie und Privatsphäre begrenzen soll. Darüber nämlich kann es durchaus verschiedene Ansichten geben.

Termin bei Nachbar X, der im Frühjahr den Zaun des Anstoßes gebaut hat. Mit Blick auf die grüne Thujahecke sitzt man auf der Terrasse. Im Vordergrund gepflegter Rasen auf zwei Ebenen. Am rechten Rand des Gartens der Pool. Im Hintergrund, hinter der Thuja und dem Zaun, der an den lichten Stellen der Hecke durchblitzt, steht eine Häuserreihe, deren Dächer in den blauen Himmel ragen.

In einem der Häuser wohnt auch Nachbar A, der den Fränkischen Tag auf den Zaun aufmerksam gemacht hat. Der Zaun, so sagt dieser, sei nicht nur nicht schön, sondern laut Bebauungsplan der Stadt Herzogenaurach auch zu hoch - das Landratsamt werde in der Sache aber nicht aktiv (wie berichtet).

Fehlender Anstand

Seinen Namen möchte Nachbar X ebenfalls ungern in der Zeitung lesen. Er sagt: "Wir haben den Zaun ja nicht wegen der Nachbarn gebaut, sondern weil sich manche nicht an die Anstandsregeln halten."

Ihm gehe es um seine Privatsphäre. Weil die Straße, die am Garten vorbeiführt, hinaus ins Grüne führt, kämen viele Spaziergänger vorbei. Drum habe man als Sichtschutz die Thujahecke gepflanzt.

Aber auch diese hätte manch einen Spaziergänger nicht davon abgehalten, Zweige zur Seite zu schieben und einen Blick hinter die Hecke zu werfen. Dorthin, wo Nachbar X nur seine Ruhe haben will. Er vermisse den Anstand vieler Leute.

Dass die Thuja an einigen Stellen die Lebenskraft verlassen hat, sodass nachgepflanzt werden musste, um die Lücken zu schließen, kam erschwerend hinzu. Bis man sich dazu entschieden hat, die Sicht in den Garten endgültig und dauerhaft zu verunmöglichen. "Wir haben den Zaun dahin gebaut, weil viele Leute da vorbeilaufen", sagt Nachbar X. Zur Seite hin habe man darauf verzichtet. Man wolle sich nicht abschotten.

Fehlendes Gespräch

Um die 4000 Euro habe der Zaun gekostet. Keine Kleinigkeit. Warum ein Metallzaun und warum daran das Plastik in Grau? Das fragen sich die Nachbarn von gegenüber. "Jedem gefällt etwas anderes", sagt Nachbar X, "das ist Geschmackssache".

Außerdem - dieses Argument verwenden beide Seiten - gebe es solche Zäune sehr häufig in Herzogenaurach. Die einen sehen darin nun eine Legitimation ihrer eigenen Gartenbegrenzungsästhetik, die anderen die leichtfertige Limitierung ökologischer Mindeststandards.

Darüber könnte man nun streiten, käme wohl aber doch auf keinen grünen Zweig. Drum besteht die Kernfrage nur noch darin, ob der Zaun zu hoch ist. Bei Nachbar X habe sich das zuständige Landratsamt noch nicht gemeldet. Das müsste sich dann in aller Konsequenz um die Einhaltung sämtlicher Bebauungspläne im gesamten Landkreis kümmern. Beide Seiten vermuten, darin liege das Zögern des Amtes begründet.

Mit seinen Nachbarn hat Nachbar X, wie er sagt, das Gespräch gesucht - mit unterschiedlichen Ergebnissen. "Mehr wie hingehen und reden wollen, können wir nicht", sagt er. Ein Streit ist das natürlich noch nicht. Dafür müsste man miteinander sprechen und sich nicht verstehen. In konstruktiver Weise sei das bisher wenig geschehen. Jetzt wolle man einfach seine Ruhe haben. Das gilt möglicherweise für beide, nicht miteinander streitende Seiten.