Der Querläufer trifft sich regelmäßig mit Sportlern der Region auf deren Lieblingslaufrunde. Diesmal bewegt sich Jochen Brosig abseits von jeglichem Wettkampfstress auf dem 600 Kilometer langen Main-Radweg. Zum Auftakt lief der Röttenbacher von der Weißmainquelle am Ochsenkopf über Bad Berneck nach Kulmbach. Da die Strecke an ihrem östlichen Ende zweigeteilt ist, machte sich der 53-Jährige von Kulmbach aus - quasi rückwärts - auf den Weg über Bayreuth zur Rotmainquelle bei Creußen.

Querläufer:Hast du Lust auf eine gemeinsame Tour? Wie wäre es mit dem Main-Radweg?
Harald Rist: Ich sage einmal spontan ja. Es ist wieder Zeit für eine gemeinsame Aktion. Lass uns anfangen.

Bevor mich der Main-Radweg Richtung Bamberg weiterführt, laufe ich erst einmal entlang des Roten Mains zurück zur Quelle. Mein Laufpartner für diesen Abschnitt ist mein Freund Harald. Wir kennen uns seit 30 Jahren. Dieses freundschaftliche Jubiläum muss besonders begangen werden.

Insgesamt werden es 65 Kilometer an zwei Tagen sein. Bist du fit?
Respekt habe ich natürlich. Ich laufe nicht so viel wie du, aber wenn wir das richtige Tempo anschlagen, sollte es für mich zu schaffen sein.

Den Abschnitt haben wir in zwei Teile aufgeteilt. Einmal von Kulmbach nach Heinersreuth mit Übernachtung im Gasthof Opel (34 km). Am nächsten Tag weiter nach Creußen (31 km). Unsere Tour beginnt am Kulmbacher Hauptbahnhof. Bewölkt, milde Temperaturen. Eine Runde durch die Altstadt darf nicht fehlen, bevor wir Kulmbach verlassen. Über den Marktplatz samt Luitpoldbrunnen, der mit seinem Obelisken beeindruckt, laufen wir vorbei am historischen Rathaus. Über der Spitze des Obelisken sehen wir die Plassenburg, die über dem Geburtsort von Thomas Gottschalk thront. Durch schmale Gässchen verlassen wir die 25 000-Einwohner-Stadt und folgen dem Weißen Main. Über Burghaig und Mainleus joggen wir gemächlich über die Mainwiesen zum Vereinigungspunkt der beiden Quellarme bei Frankenberg. Fotostopp.

Hier fließen also Weißer Main und Roter Main zusammen.
Der Zusammenfluss sieht ziemlich unspektakulär aus. Die Frage ist: Würde man ihn erkennen, wenn kein Hinweisschild da steht?

Weiter geht's entlang des Roten Mains über Katschenreuth, Melkendorf, Oberzettlitz nach Lanzenreuth. "Da vorne machen wir Brotzeit." Eine Bank lädt Harald und mich zur Rast ein. Idyllisch unter drei Birken, links ein Bauernhof, rechts nichts als Wiesen. Gut gestärkt laufen wir wieder los. Eine Ortschaft weiter, in Dreschen, wäre ein Geheimtipp für den Einkehrschwung gewesen. Gasthof Kolb mit Biergarten und Übernachtungsmöglichkeit. Das erfahren wir fünf Kilometer weiter in Langenstadt an der Tanzlinde von einem Radfahrer. Hätten wir das einmal vorher gewusst.

Die Wolken reißen auf, es wird wärmer. Neudrossenfeld heißt unser nächstes Zwischenziel. Wir unterqueren die A 70, vorbei an Neuenreuth joggen wir kurz vor Altdrossenfeld am "Steinernen Fahrrad" vorbei. Der Weg ist bestens markiert, so dass wir auch ohne Karte und Navi ans Ziel kommen würden. Im Drossenfelder Bräuwerk kehren wir zu einer zünftigen Brotzeit ein. Für den Querläufer ist das Bier wohl zu stark. Er erholt sich aber bis Heinersreuth wieder. Den Abend beschließen wir bei ein, zwei Bier und Gequatsche über alte Zeiten.

Wir haben schon über die Hälfte der Strecke. Morgen sind es noch 31 Kilometer.
Das hört sich positiv an. Aber warten wir einmal ab, wie ich morgen aus dem Bett komme.

Am nächsten Morgen starten wir zeitig nach einem guten Frühstück Richtung Bayreuth. Die Schleife durch die Innenstadt zeigt uns, wie sehenswert die Wagnerstadt ist. Durch die Gassen der Altstadt gelangen wir zum Markgrafenbrunnen und betreten durch die gleichnamige Passage den Hofgarten.

Am Brunnen treffen wir Marion. Das Schöne am Genusslaufen ist die Begegnung mit den Menschen. Marion gibt uns Tipps für unseren weiteren Weg mit. Sie selbst will demnächst den 200 Kilometer langen Jean-Paul-Wanderweg durchs Fichtelgebirge gehen.

Harald und ich verlassen Bayreuth über Oberkonnersreuth, laufen weiter nach Destuben. Unser Wasser wird knapp, doch der Sophienberg liegt noch vor uns. Kurz vor Unterschreez fragen wir an einem Hof nach Wasser. Günni, der Besitzer, lotst uns auf seine Terrasse. Von dort hat er eine herrliche Aussicht über Bayreuth. Wir bekommen nicht nur Wasser, sondern ein alkoholfreies Weizen obendrauf. Auch isotonisch ist die Lage jetzt bestens, der Berg kein Problem. Unter der A 9 durch gelangen wir zum Oberschreezer Sportplatz. Haag liegt vor uns und der Tannenberg. Schon haben wir die Rotmainquelle erreicht. Noch acht Kilometer bis Creußen. Die geht es jetzt nur noch bergab. Dort angekommen lassen wir uns im Café ein großes Stück Erdbeerkuchen schmecken.

Wie hat es dir auf dem Main-Radweg gefallen?
Landschaftlich sehr schön. Am Anfang ging es viel an der Straße entlang, aber zum Glück herrschte wenig Verkehr. Vom Sophienberg hattest du mit nichts erzählt (lacht). Das Ortsschild von Creußen kam zur rechten Zeit. Der Main-Radweg ist sehr empfehlenswert.

Demnächst geht es weiter von Kulmbach nach Lichtenfels.

Run happy and smile!
Euer Querläufer