Der Querläufer trifft sich regelmäßig mit Sportlern der Region auf deren Lieblingslaufrunde. Diesmal bewegt sich Jochen Brosig abseits von jeglichem Wettkampfstress auf dem Main-Radweg. Den Auftakt seines Projekts bilden die Weißmainquelle am Ochsenkopf und die Rotmainquelle bei Creußen im Landkreis Bayreuth.

Herr Brosig, wie kamen Sie auf diese Idee?
Querläufer: Meine Kärntner Freunde Andy und Manfred sind den Alpe-Adria-Trail abgelaufen. Bei der Großglockner-Etappe durfte ich sie begleiten. Da habe ich mir überlegt, was in unserer Heimat ein schönes Projekt wäre. Die Main-Radweg-Etappen sind für mich gut am Wochenende zu machen. Ohne aufwendige Anreise, aber landschaftlich sehr schön.

Der Main-Radweg ist ein etwa 600 Kilometer langer Radfernweg in Franken und Hessen. Er beginnt an den Quellen des Weißen Mains am Ochsenkopf bei Bischofsgrün und des Roten Mains in Creußen. Nach jeweils etwa 50 Kilometern vereinigen sich die beiden Arme bei Kulmbach zum Main. Der Main-Radweg führt von dort über Bamberg, Schweinfurt, Würzburg, Aschaffenburg, Hanau, Offenbach und Frankfurt bis zum Rhein in Mainz-Kastel. So verläuft die Strecke durch die fränkischen Urlaubsgebiete Fichtelgebirge, Fränkische Schweiz, Frankenwald, Oberes Maintal/Coburger Land, Steigerwald, Haßberge, Fränkisches Weinland, Liebliches Taubertal, Spessart-Mainland sowie durch das Gebiet Hessischer Untermain. Es gibt sogar eine eigene Homepage unter www.mainradweg.com.

Haben Sie Ultraläufe schon immer angezogen?
Querläufer: Ja, es konnte nie weit genug sein. Nach Zehn-Kilometer-Lauf, Halbmarathon und Marathon musste es der Rennsteiglauf über 73 Kilometer sein. Danach zog es mich nach Biel zum 100-Kilometer-Lauf. Aber dann hat mein Körper gesagt, es reicht. 100 Kilometer sind genug.

Mit der Familie fahre ich nach Bischofsgrün. Die Läuferfrau Gudrun und mein Sohn Jonas sind mit von der Partie. Der Wanderparkplatz am Ende der Ochsenkopfstraße ist unser Start und Ziel für eine Zehn-Kilometer-Runde. Es ist ein herrlicher Lauftag mit blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. Vogelgezwitscher begleitet uns auf dem Weg zur Quelle. Trotz des schönen Wetters haben wir die Wege für uns allein. Nach rund 40 Minuten erreichen wir die Weißmainquelle am Osthang des Ochsenkopfes. Das Fotoshooting ist obligatorisch. Seit 1717 ist die Quelle in Granitblöcken gefasst und trägt das Hohenzollern-Wappen. Weiter geht es runter nach Karches. Wir stärken uns im Waldrasthaus am Karchessee. Von dort laufen wir zurück zum Auto.

Wie war der weitere Streckenverlauf?
Querläufer: Er führt bis Bad Berneck ausschließlich bergab. Natur pur, immer am Weißen Main entlang. Zusätzlich war die Bundesstraße 303 für den Autoverkehr gesperrt. Wunderbar.

Meine Familie lässt es sich bei einem Einkehrschwung im Café Kaiser gut gehen. Für mich geht es weiter nach Neuenmarkt. Unser nächster Treffpunkt ist das dortige deutsche Dampflokomotiv-Museum. In Gedanken versunken laufe ich den Radweg hinunter nach Bad Berneck. Irgendwann sind die Bestzeiten auf allen Strecken gelaufen und der Reiz an Wettkämpfen lässt nach. Dann ist die Zeit für neue Herausforderungen wie den Main-Radweg. Die über 600 Kilometer kann ich mir in für mich passende Etappen aufteilen. Der Auftakt führt mich von der Quelle des Weißen Mains über Bischofsgrün nach Kulmbach - 55 Kilometer liegen vor mir.

Wie wurden Sie zum sogenannten Genussläufer?
Querläufer: Zwei Lauffreunde haben mich auf den Weg gebracht. Thomas und Erwin. Die Idee vom Genusslaufen finde ich super. Es ist die Freude an der Bewegung in der Natur. Laufen macht Spaß. Die Balance zwischen Körper, Geist und Seele.

Die angekündigten Gewitter haben sich verzogen. Beim Dampflok-Museum ist mein Verpflegungsstopp. Während meine Familie das Museum besucht, fülle ich meine Speicher auf. Der letzte Abschnitt, 14 Kilometer nach Kulmbach, wartet auf mich. Die Bahnschranke nahe Ludwigschorgast bremst mich aus. Zehn Minuten warte ich schon, aber es kommt kein Zug. Dann geht die Schranke hoch. Aus den ersten Nieseltröpfchen werden dicke Regentropfen. Jetzt sind es nur noch sechs Kilometer. Ein kurzer Schauer lässt mich die Regenjacke anziehen. Noch vier Kilometer. Eine Umleitung versperrt mir den direkten Weg zum Ziel. Schon sehe ich die Plassenburg, das Wahrzeichen von Kulmbach. Um 18 Uhr laufe ich am Marktplatz ein. In der Brasserie Roberts beschließen meine Familie und ich den Lauftag und Ausflug an den Weißen Main.

Der Anfang ist also gemacht. Wie lautet Ihr Zwischenfazit?
Querläufer: Eine landschaftlich wunderbare Strecke auf ruhigen Wegen. Liebe Freunde der Laufkunst, kommt doch einmal mit auf den Main-Radweg! Ihr werdet es nicht bereuen. Der Urlaub beginnt dann quasi vor der Haustüre. Sonnige Grüße aus Franken.
Demnächst geht es weiter von Kulmbach über Bayreuth zur Rotmain-Quelle. Weitere Episoden vom Main-Radweg folgen.

Run happy and smile!
Euer Querläufer