Ausgestattet mit viel Selbstvertrauen und einer Siegesserie im Gepäck treten die Höchstadt Alligators am heutigen Freitag (20 Uhr, Sprade-TV) in Deggendorf an. Während der DSC für die angepeilte Revanche sein Trainerteam verstärkt hat, kann der HEC mit einem weiteren Erfolg eine dunkle Serie durchbrechen.

Oberliga Süd, Männer

Deggendorfer SC (8.) - Höchstadter EC (5.)

Viel zu holen gab es für die Alligators beim Deggendorfer SC in den vergangenen Jahren nicht. Fünfmal trat Höchstadt in der Eishockey-Oberliga in Deggendorf an, fünfmal fuhr der HEC mit leeren Händen nach Hause.

Doch dass es diesmal anders laufen kann, untermauert nicht nur die starke sportliche Bilanz, die die Mittelfranken derzeit aufweisen - auch die beiden Duelle im Saisonverlauf bewiesen, dass Höchstadt kein krasser Außenseiter in der "Festung an der Trat" ist.

Anfang Dezember verkaufte sich Höchstadt in Deggendorf teuer und ging verdient in Führung. Ein Glückstor von Andreas Gawlik, dessen Distanzschuss von der Plexiglasscheibe an Dirksens Rücken und von dort ins Tor prallte, brachte aber die Wende. Mit 3:5 verloren die Alligators.

Anders lief es am vergangenen Sonntag, als der DSC am Kieferndorfer Weg antrat: Die Alligators untermauerten ihre Heimstärke in dieser Saison mit einem blitzsauberen Auftritt, nutzten ihre Chancen konsequent und gewannen trotz spätem Wackler verdient mit 5:4.

Höchstadt verdient sich den Respekt der Liga

Der fünfte Sieg nacheinander war ein weiteres Indiz dafür, dass die Alligators ein Play-off-Kandidat sind. Dass Höchstadts Höhenflug kein Zufall ist, scheint aber noch nicht überall angekommen zu sein. Nach dem 7:1-Kantersieg über den Titelkandidaten Regensburg vor zehn Tagen bekam der Ex-Regensburger Michail Guft-Sokolov von seinen ehemaligen Teamkollegen Respekt, aber auch Verwunderung zugesprochen: "Die Regensburger waren ziemlich überrascht von unserer Leistung. Sie haben anerkannt, dass wir wirklich gut gespielt und sie uns unterschätzt hatten."

Unruhige Zeiten in Deggendorf

Auf die leichte Schulter nehmen dürfte der Deggendorfer SC die Alligators indes nicht - ganz im Gegenteil: "Die Deggendorfer haben am Sonntag in der Schlussphase durch die späten Tore Lunte gerochen. Sie werden noch etwas aggressiver kommen. Dafür müssen wir bereit sein", erklärt Guft-Sokolov, was auf sein Team zukommt.

Für den achtplatzierten DSC könnte der dritte und letzte Hauptrundenvergleich mit den Alligators richtungsweisend sein: Nach drei Niederlagen in den vergangenen vier Partien würde eine weitere Pleite den Kontakt zu den direkten Play-off-Rängen vorerst abreißen lassen. Zudem würde die aufkeimende Kritik aus dem Vereinsumfeld noch lauter werden.

Denn mit 27 Punkten aus 19 Spielen läuft der DSC seinen Ansprüchen hinterher - und ruft zu selten sein Potenzial ab. Das erklärte jüngst auch DSC-Trainer Henry Thom, der den Kampfgeist seines Teams öffentlich in Frage stellt. Zu viel bleibe an der individuellen Qualität von Thomas Greilinger, René Röthke und Andrew Schembri hängen, zu selten zeige das gesamte Team den nötigen Einsatzwillen.

Coach des Jahres als Mentaltrainer

Um einen neuen Impuls zu setzen und am mentalen Aspekt zu arbeiten, verstärkte der DSC daher in dieser Woche sein Trainerteam: Mit Chris Heid verpflichteten die Niederbayern den Erfolgstrainer des Bayernligisten EC Pfaffenhofen - als Mentalcoach an der Seite von Cheftrainer Thom.

Der 37-jährige Deutsch-Kanadier wurde zum Bayernliga-Trainer des Jahres 2020 gewählt, nachdem er dem Aufstieg in die Bayernliga mit Pfaffenhofen den souveränen Klassenerhalt folgen lassen hatte. Heid blickt auf 226 DEL-Einsätze zurück und soll nun den Deggendorfern helfen, zurück in die Erfolgsspur zu finden.

Wie Höchstadt die Gespenster vertrieb

Für Guft-Sokolov und seine Teamkollegen geht es indes vor allem darum, das aufs Eis zu bringen, was die Alligators so stark macht: Der Glaube an die eigene Qualität muss sichtbar sein. Selbstverständlich sei das aber nicht. "Als ich nach Höchstadt kam, wusste ich, dass wir gut sind. Aber ich hatte das Gefühl, dass nicht jeder Spieler daran glaubte. Die Vorsaison war noch zu präsent in den Köpfen", sagt Guft-Sokolov.

Das habe sich in den ersten Partien fortgesetzt, ehe die 3:13-Packung in Peiting Mitte November den Wendepunkt markierte: "Nach der Klatsche in Peiting mussten wir in die Corona-Zwangspause. Die Pause tat uns vermutlich gut, wir konnten die Köpfe freibekommen. Danach haben wir gemerkt, dass wir gut spielen können", sagt der Stürmer, der zuletzt stark steigende Form aufwies.

Wie wichtig Trainer Mikhail Nemirovsky in diesem Entwicklungsprozess war, betont Guft-Sokolov: "Nemo hat die Vorsaison noch als aktiver Spieler erlebt. Er weiß, was wir brauchen, wie er uns dazu bringen kann, ruhig weiterzuarbeiten. Er hat viel dazu beigetragen, dass wir so gut spielen."

Alligators mit sieben Spielen in 15 Tagen

In den kommenden zwei Wochen wird "Nemo" neben seinen Fähigkeiten als Motivator die Belastungssteuerung beschäftigen. Denn das Spiel in Deggendorf markiert den Auftakt in eine Phase von sieben Punktspielen binnen 15 Tagen. Der Vorteil: Vier dieser Partien absolvieren die Alligators in ihrem Stadion. Am Sonntag (17 Uhr, Sprade-TV) gastieren die Passau Black Hawks am Kieferndorfer Weg. Am Dienstag folgt das Nachholspiel gegen den EC Peiting (20 Uhr, Sprade-TV).

Doch der Fokus der Alligators liegt auf dem Spiel beim Deggendorfer SC, dessen Festung Guft-Sokolov stürmen will: "Wir fahren nach Deggendorf, um zu gewinnen."