Dank Adidas und Puma ist Herzogenaurach als Sportstadt weltweit bekannt. In Sachen Football ist der Ort mit nur 23 000 Einwohnern aber einer schwarzer Fleck auf der Landkarte. Zumindest bis kommenden Samstag. Dann findet unter Beteiligung der Herzo Rhinos auf dem Gelände des ASV Herzogenaurach ein Spieltag der deutschen Flag-Football-Liga (DFFL) statt. Ins Leben riefen die Mannschaft Kayla Jones und Niklas Benz.

"Anfangs haben wir Football nur im Fernsehen geguckt, dann hat sich jemand von uns einen Ball gekauft und wir haben hin- und hergeschmissen. Schließlich haben wir uns regelmäßig zum Spielen auf einem Bolzplatz getroffen", berichtet Benz, Leiter der neuen Abteilung unter dem Dach des ASV. Zur Premiere am Samstag fällt der 23-Jährige aus Niederndorf allerdings verletzungsbedingt aus.

Bislang spielen die Herzogenauracher die wesentlich harmlosere Football-Variante Flag, bei der man den balltragenden Gegenspieler im Gegensatz zum Tackle nicht zu Boden ringt, sondern lediglich eine der beiden Flaggen aus dem Hosenbund ziehen muss. Auch der Körperkontakt beim Blocken ist reduziert. "Eine blöde Bewegung und schon war es passiert", kommentiert Benz seine Verletzung, die ihn voraussichtlich noch ein Dreivierteljahr außer Gefecht setzt. Nicht nur deshalb suchen die Rhinos weiter nach Verstärkung. Zum Training jeden Montag und Mittwoch um 19 Uhr auf dem ASV-B-Platz seien Gäste im Mindestalter von 16 Jahren willkommen.

Auch weibliche. Noch ist der 21er-Kader aber ausschließlich männlich, denn Kayla Jones verzichtet trotz familiärer Prägung auf einen Einsatz. "Mein Vater ist US-Amerikaner und hat in der High School Football gespielt. Ich selbst mache aber nur Gehirnsport", sagt die 20-Jährige schmunzelnd. Als selbsternannte "Teammutti" sei sie unter anderem für Organisation, Fotos und Pressearbeit zuständig. Über die sozialen Medien und Mundpropaganda rekrutierte die Röttenbacherin die Sportler aus der Region - hauptsächlich Studenten -, die am Samstag ab 10 Uhr beim "Herzo-Bowl" gegen die Nürnberg Rams, die Würzburg Wombats und die Forstenried Deers antreten.

Flag-Football ist nicht nur in Herzogenaurach neu - die DFFL im Modus Fünf-gegen-Fünf gibt es erst seit 2016. Knapp 40 Mannschaften spielen in vier Divisionen. Die Rhinos sind im Süden eingeteilt. Derbys gibt es neben den Rams gegen die Eckental Gladiators. Der Ablauf ist bewusst flexibel gestaltet. Teams können sich auch für Spieltage in anderen Divisionen anmelden und müssen umgekehrt nicht an jedem Turnier der eigenen Division teilnehmen. Am Finaltag in Magdeburg am 22. September treten die zwölf Vereine an, die im Laufe der Saison relativ zu ihren Partien die meisten Punkte gesammelt haben.

Auch die Herzogenauracher haben also die Chance aufs Finale, obwohl sie erst Anfang Juli eingreifen, während sich andere Teams schon seit April nach den Flaggen flacken. Zumindest namenstechnisch sind die Rhinos vorbereitet. "Wir haben einen Namen gewählt, den niemand hat. Rhinos gibt es nur ein weiteres Mal in Deutschland", sagt Benz, der zudem die Optik des Logos lobt. Auch das Datum für den Heimspieltag war durchdacht: "Am Weihersbach ist an diesem Wochenende Kirchweih", erklärt der 23-Jährige und hofft auf den ein oder anderen Footballinteressierten.


Hemhofen Gechers sind Tabellenzweiter

Für die Herzo Rhinos soll die Premieren-Saison in der deutschen Flag-Football-Liga der Einstieg in die Tackle-Variante sein. Diesen Schritt haben die Hemhofen-Gechers übersprungen und treten gleich zum Debüt in der bayerischen Aufbau-Liga Nord an. Dort sind sie gegen die Schweinfurt Gladiators (24:22) und bei den Trojans aus Coburg (22:6) mit zwei Siegen gestartet.

Am 8. Juli bestreiten sie im Rahmen des 90. Jubiläums des TSV Hemhofen um 14 Uhr ihr drittes Spiel gegen die Falcons aus Neustadt/Aisch, die zum Auftakt sogar schon drei Mal erfolgreich waren und direkt vor den Gechers (fränkisch für Hähne) von der Tabellenspitze der Fünfer-Liga grüßen. Ab September bilden die Hemhofener ihren eigenen Nachwuchs aus und bieten für Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren die Flagvariante an.