Nachdem er bereits klargemacht hatte, dass seine Karriere als Fußballtrainer beendet sei und dass er in dieser Frage nicht einmal bei seinem Heimatverein eine Ausnahme machen würde, ließ Lothar Matthäus bei der Expertenrunde des Fernsehsenders Sky jüngst eine Bombe platzen: Der 57-Jährige will es als Spieler noch einmal wissen.

Sekunden zuvor hatte er dem FC Herzogenaurach via TV zum Titelgewinn in der Fußball-Bezirksliga Mittelfranken Nord und dem damit verbundenen Aufstieg in die Landesliga gratuliert - dann erklärte er: "In zwei Wochen bin ich bei der Meisterschaftsfeier dabei. Ich hoffe, dass ich auch beim letzten Punktspiel mitspielen darf. Ich habe meinen Spielerpass in Herzogenaurach. Das könnte noch einmal eine ganz spannende Geschichte werden in meiner langen Karriere."

Überraschend kommt dieser Vorstoß nicht - zumindest nicht für den Sportlichen Leiter des FCH, Rudi Litz. "Wir hatten das schon schon seit längerem angedacht. Einfach, um unseren Ehrenspielführer zu würdigen, der wieder zu einer wichtigen Person im Verein geworden ist und viel für uns tut." Allerdings sei auch in Matthäus' Sinne klar gewesen, dass es ein Comeback erst dann geben werde, wenn es in der Bezirksliga um nichts mehr gehe.


Keine Respektlosigkeit

"Zu 100 Prozent ist es noch nicht sicher. Aber es sieht gut aus, dass Lothar die Mannschaft im Heimspiel gegen Hüttenbach am 13. Mai auf den Platz führen und spielen kann. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch beim Trainer ", sagt Litz, der die Aktion nicht als Respektlosigkeit gegenüber dem Kontrahenten verstanden wissen will. "Ich werde die Hüttenbacher anrufen und ihnen erklären, um was es uns dabei geht. Ich hoffe, dass sie Verständnis für uns haben."

Laut Litz wäre das der krönende Abschluss einer überragenden Saison, in der sich der FCH für die gute Arbeit der vergangenen Jahre belohnt. "Seit Jakob Karches 2015 als Spielertrainer gekommen ist, hat sich die Mannschaft kontinuierlich weiterentwickelt. Spieler, die aus der eigenen Jugend kamen, haben sich gut integriert und maßgeblichen Anteil am Erfolg. Wir hatten schon nach Rang 4 in der vergangenen Saison das Gefühl, dass etwas Großes entstehen könnte. Dass es so gut laufen würde, haben wir aber nicht gedacht. Aber wenn man ab dem zweiten Spieltag vorneweg marschiert und drei Spiele vor Saisonschluss mit 76 Punkten Meister wird, ist das absolut verdient", freut sich der Sportliche Leiter.

Er hofft, dass die zweite Herrenmannschaft mit dem Aufstieg in die Kreisklasse und die A-Jugend mit dem Klassenerhalt in der Bezirksoberliga weitere Erfolge besteuern, damit der FCH auch beim Unterbau für das künftige Landesligateam ein gutes sportliches Niveau vorweisen kann.

Zunächst liege der Fokus jedoch auf dem Kreispokal-Endspiel am heutigen Dienstag. Um 17.30 Uhr müssen die Pumas beim SK Lauf ran, den sie in der Liga erst am Samstag mit 3:0 besiegt und damit die Meisterschaft klargemacht haben. "Das haben wir am Sonntag ein bisschen gefeiert. Aber die Jungs brennen auf dieses Finale, wollen das Double holen und den Titel aus dem Vorjahr verteidigen", berichtet Litz. Er finde es schade, dass die Partie nicht auf neutralem Boden ausgetragen wird, das Heimspielrecht sieht es als leichten Vorteil für den SK Lauf. "Aber wir nehmen die Gegebenheiten so an und wollen auf die Meisterschaft noch einen draufsetzen." Die Trophäe, 700 Euro Preisgeld und der Einzug in die erste Totopokal-Runde auf Verbandsebene wollen sich die Pumas nicht entgehen lassen.