Gut zehn Minuten hielt das Abwehr-Bollwerk des TSV Höchstadt stand, dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Die SpVgg Greuther Fürth, die als sportlicher Ehrengast für ein Freundschaftsspiel zum 150-jährigen Jubiläum des TSV angereist war, schoss sich warm für ihre erste Bundesliga-Saison. Im Schnitt alle vier Minuten mussten die Höchstadter Torhüter Steffen Hauser, Karsten Thurn und Jan Köppel, die in dieser denkwürdigen Partie genauso wie 22 Feldspieler Einsatzzeit bekamen, den Ball aus dem Netz fischen. Aufgrund der permanenten Beschäftigung hatten aber auch alle drei immer wieder die Möglichkeit, sich auszuzeichnen. Dagegen hing die Offensivabteilung um Roland Kleebauer, Johannes Nägel und Co. erwartungsgemäß in der Luft. Außer zwei,drei Vorstößen in Richtung Strafraum ließen die Fürther nichts zu und banden die TSV-Stürmer ansonsten in Abwehrarbeit. 0:18 leuchtete es nach 90 Minuten von der Anzeigentafel. Acht Klassen Unterschied machen sich halt doch bemerkbar.

Viel bewegen und Spaß haben

Doch trotz der Klatsche sah man nur glückliche Gesichter auf Seiten des TSV. "Das war ein Riesenerlebnis", freute sich ein erschöpfter Georg Krodel, der in der zweiten Halbzeit für Höchstadt auf dem Platz gestanden hatte. "Länger hätte ich auch gar nicht durchgehalten bei dem Tempo", gab der Verteidiger zu. Alles sei so schnell gegangen, dass er kaum Zeit hatte zu überlegen, was er mit dem Ball anfangen soll. Auf jeden Fall war es ganz anders, als im Stadion oder im Fernsehen. "Für uns war es ein absolutes Highlight und da darf natürlich auch jeder mal ran", erklärte Krodel.



Auch auf Fürther Seite machte sich Zufriedenheit breit. "Ja, das hat gepasst. Wir sind ernsthaft an die Sache ran gegangen, haben uns gut bewegt und Spaß gehabt", sagte Publikumsliebling Heinrich "Hulk" Schmidtgall, der nach dem Schlusspfiff geduldig die Autogrammwünsche der großen und kleinen Fans erfüllte. Nur Fragen nach seinem Trikot wies er freundlich zurück. "Die dürfen wir bei Freundschaftsspielen nicht verschenken." Wer den TSV Höchstadt so deutlich besiegt, muss die Bayern nicht fürchten, war von einigen Fans zu hören und Schmidtgall verkniff sich ein Grinsen. "Wie wir in sechs Wochen abschneiden, lässt sich in dieser frühen Phase noch nicht sagen."
Ins gleiche Horn stieß auch der Fürther Trainer Mike Büskens. "Momentan geht es uns vor allem um Bewegung. Deshalb haben bis auf Thomas Pledl alle auch nur eine Halbzeit gespielt." Seine Mannschaft bekomme jetzt nach drei Wochen intensiver Vorbereitung noch mal eine Woche frei, "um den Kopf frei zu bekommen und die Familie zu besuchen". Individuelle Ausdauerläufe stehen währenddessen natürlich trotzdem auf dem Programm. Der Bundesliga-Premiere sieht Büskens optimistisch entgegen. "Wir haben einen guten Kader mit Spielern, die alle bereit sind, hart zu arbeiten und an ihre Grenzen zu gehen."

Auf Tuchfühlung mit den Stars

Von der Qualität der Fürther Spieler überzeugten sich am Sportplatz des TSV Höchstadt mehr als 2000 Besucher. Und das aus nächster Nähe. Entspannt genossen sie Geschehen auf dem Rasen, spendeten Szenenapplaus, ließen sich aber ansonsten nicht aus der Ruhe bringen. Die Versuche des Stadionsprechers, die Menge für eine Laola-Welle oder Sprechchöre zu gewinnen, verhallten jedenfalls ungehört.
Nur einmal ging ein Raunen durchs Rund. Kurz vor Schluss waren alle Fürther aufgerückt und der TSV setzte zu einem Konter an, der allerdings eine sichere Beute von Torwart Issa Ndoye wurde, der in dieser Szene als verkappter Libero 30 Meter vor seinem Tor agierte und die Situation entschärfte. Viel wichtiger war es vor allem den jüngsten Fans, nach der Partie auf Tuchfühlung mit den Stars zu gehen, das eine oder andere Autogramm oder ein gemeinsames Foto abzustauben. Ein fünfjähriger Knirps war ungeheuer stolz, schon neun Unterschriften gesammelt zu haben. Da machte es dann auch keinen Unterschied, ob sich die Fürther oder die Schiedsrichter auf seinem T-Shirt verewigten.

Die Statistik zum Spiel

TSV Höchstadt - SpVgg Greuther Fürth 0:18
TSV Höchstadt:
Hauser, Thurn, Köppel - Krodel, Mönius, Grünbaum, Berthold, Niklas, Wahl, Gerner, Kleebauer, Nägel, Engel (Brehm, Grau, Kaiser, Safai, Parpart, Lorz, Wirkner, Waltrich, Schott, Strasser, Franz, Schatz, Fuchs, Sommerkorn)
SpVgg Greuther Fürth: Hesl, Ndoye - Mavraj, Nöthe, Asamoah, Prib, Rahman, Kleine, Petsos, Sararer, Geis, Pledl, (Pektürk, Sobiech, Schmidtgall, Nehrig, Fürstner, Tyrala, Azemi, Stieber, Hefele, Onuegbu
Tore: 0:1 Asamoah (11.), 0:2 Nöthe (12.), 0:3 Kleine (19.), 0:4 Mönius (26., ET), 0:5 Nöthe (28.), 0:6 Asamoah (29.), 0:7 Asamoah (37.), 0:8 Prib (40.), 0:9 Sararer, 0:10 Sararer (42.), 0:11 Stieber (47.), 0:12 Onuegbu (65.), 0:13 Fürstner (73.), 0:14 Tyrala (75.), 0:15 Pledl (77.), 0:16 Onuegbu (79.), 0:17 Fürstner (81.), 0:18 Stieber (86.)
Schiedsrichter: Steffen Brütting (Effeltrich), Kilian Bauer (Möhrendorf), Frank Iftner (Lonnerstadt)
Zuschauer:2000