Die Menschen haben es ihm angetan, und da vor allem die Charakterköpfe, die "mit Strukturen im Gesicht." Wenn der Zirndorfer Kunstmaler Rudolf Lumm unterwegs ist, zückt er gerne Block und Bleistift, um mal schnell ein Porträt zu zeichnen. Von der alten Frau, die ihren Rollator über den Kirchenplatz schiebt. Oder vom Landwirt draußen auf dem Feld, mit den listigen Augen in einem vom Wetter gegerbten Gesicht.

Und er geht ins Wirtshaus. Denn auch dort, am Stammtisch, sitzen die "Gesichter", die er sucht. Deshalb ist der 67-jährige Künstler dorthin zurückgekehrt, wo er schon im November gezeichnet hatte - in die Wirtsstube der Brauerei Heller. Und da saßen sie wieder, die Charakterköpfe. Oder "Gleesköpf", wie es der "Butzn" zu sagen pflegt. Er ist einer von ihnen.


Die Texte abgestimmt

Rudolf Lumm hat all die Zeichnungen, die er über mehrere Tage hinweg im kalten November in Herzogenaurach gefertigt hat, inzwischen vervollständigt. Zuhause im Atelier hat er seine Skizzen koloriert und mit Begleittexten versehen. Jetzt fehlte noch das Treffen mit Klaus-Peter Gäbelein, dem kundigen Herzogenauracher, um die Texte abzustimmen, ob denn alles passt. Das ist nun geschehen, auf ein Paar Bratwürste mit Kraut und einem Seidla Bier trafen sich die Beiden.

Unterstützt wurden sie von Hans Heller, denn auch der Brauereichef ist im Bildband vertreten, der zurzeit entsteht. Es wird ein Buch über den Raum Erlangen, mit tausend Zeichnungen auf 350 Seiten. Ein Zehntel davon etwa gehören der Aurach-Metropole, ihren historischen Winkeln und markanten Bauten, aber auch den Menschen. Alle Zeichnungen, die er angefertigt hat, vor allem die in wenigen Strichen geschaffenen Portraits, bringt er natürlich nicht im Buch unter. Manche Leute erhalten ihr Bild auf Postkartengrüße gleich ausgehändigt und das ist allemal - eine schöne Erinnerung.

In Herzogenaurach gefalle es ihm ausgesprochen gut, wiederholt der Künstler bei dem Gespräch seine Aussage vom November. So sei die Substanz der Altstadt mit das Schönste, was man im Kreis antreffen könne. Deshalb hat er auch all das gezeichnet, was ihm aufgefallen ist: die Stadttürme, die Steinerne Brücke, das Museum, die Kirche, den Schmied unten an der Hauptstraße. Manche Dinge müsse man zeichnen, die könne man nicht fotografieren, sagt er.


Nochmal zu Schaeffler

Unterdessen sind ihm ein paar Ecken eingefallen, die noch fehlen. Ein bisschen Platz hat er noch, wie zum Beispiel auch den Bereich am Freizeitbad Atlantis. Dieses "Denkmal" der neueren Zeit pflegt er noch in sein Buch ein. Und Heimatvereins-Vorsitzender Gäbelein ermuntert ihn, auch den Schaeffler-Haupteingang nicht zu vergessen. Wie wichtig ist dieses Unternehmen doch für die Stadt. Gäbelein ist noch immer angetan von der Begeisterung, die der Künstler an den Tag legt. Dessen Begeisterung für Herzogenaurach sei kein bisschen blasser geworden. Und was ist mit dem Aischgrund? "Da gefiel ihm besonders Löschäd", verrät Gäbelein, also Lonnerstadt. Das habe Lumm ihm gesagt.


Nächstes Ziel: Erlangen

Jetzt ist der Künstler aber erstmal die nächsten Wochen in Erlangen und den zwölf Stadtteilen unterwegs. 150 Blätter habe er da noch zu zeichnen. Zeit hat der Maler bis zum Herbst, dann soll das Buch auf den Markt kommen. Davon muss er an die 2000 Exemplare verkaufen, damit sich das Wagnis trägt. Also ist es durchaus ein finanzielles Abenteuer, auf das er sich da einlässt.

Ganz hat er Herzogenaurach aber noch nicht abgeschlossen, bevor er sich Erlangen zuwendet. "Ich möchte noch einmal mit Herrn Hoyer vom Stadtmuseum sprechen", sagt Lumm. Es wäre schön, wenn er dort die Herzogenauracher Bilder ausstellen dürfte.