Vorneweg trägt ein Mitarbeiter ein Kreuz mit Fotos der Schaeffler-Standorte in Deutschland, die geschlossen werden sollen. Dahinter schleppen Kollegen einen Sarg über die Straße vor dem Schaeffler-Gelände. Auf die Fahrbahn sind in grüner Signalfarbe Kreuze gesprüht - 1211 sollen es sein, jedes einzelne steht für einen Arbeitsplatz, der am Standort Herzogenaurach bedroht wird.

Rund 200 Mitarbeiter sind morgens um 9 Uhr gekommen, um ihren Protest gegen den geplanten Stellenabbau auszudrücken. Vor dem Parkhaus steht ein kleines Podest für die Redner. Sie alle kündigen einen erbitterten Kampf gegen diese Pläne an, sagen "geschlossen Nein". Nach einer knappen halben Stunde ist die Aktion vorüber, die Demonstrierenden gehen wieder an ihren Arbeitsplatz. Zurück bleiben die Kreuze, und nachdenkliche Mienen einiger weniger, die noch etwas brauchen, um sich zu sammeln.

Heftigen Widerstand angekündigt

Andrea Grimm, Mitglied des Gesamtbetriebsrates und Aufsichtsrätin, wendet sich als erste Rednerin an die Belegschaft. Sie kündigt gegen die "teils drastischen Maßnahmen" einen "heftigen Widerstand" von Betriebsrat und IG Metall an. Unter dem Deckmantel der Transformation und der Corona-Krise würden Maßnahmen angekündigt, die eine Gewinnmaximierung als Ziel hätten. Grimm formuliert die Forderungen der IG Metall, die zu dem Aktionstag bundesweit aufrief: Keine Standort-Schließungen, keine betriebsbedingten Kündigungen, keine Verlegung nach Osteuropa und eine Übernahme aller Auszubildenden.

Freilich werde es ohne betriebsbedingte Kündigungen kaum gehen, wenn in Herzogenaurach tatsächlich 1211 Arbeitsplätze wegfallen sollten, sagt sie später im FT-Gespräch. Bei einer Stammbelegschaft von 9200 Beschäftigten seien das 13,2 Prozent.

Kurzarbeit bis Ende 2021

Ein konkretes Vorgehen habe man noch nicht ausgearbeitet, ergänzt sie, denn "wir wissen ja noch nichts". Bekannt sei lediglich, dass der Werkzeugbau nach Höchstadt verlagert werden soll und im Sondermaschinenbau wohl 86 Stellen wegfallen. Zudem laufe bis zum Jahresende 2021 noch Kurzarbeit. Das lässt keine Kündigungen zu.

Kämpferisch gibt sich auch die Erste Bevollmächtigte der IG Metall, Lisa Mongs. "Hoffentlich hören Sie uns auch zu", ruft sie hinüber zum Schaeffler-Trakt, wo viele Fenster geöffnet seien. Manche hätten nicht teilnehmen wollen, weil das ja eh keinen Sinn habe. Den 200 Anwesenden ruft sie zu, dass Protest sehr wohl einen Sinn mache. "Ihr steht für alle Kollegen, die sich heute nicht nach außen getraut haben."

Schaeffler dürfe nicht auf den Coronazug aufspringen, fordert sie und verspricht: "Wir entscheiden, wann dieser Sarg in die Erde gelassen wird. Und nicht der Arbeitgeber".

Betroffen sind von den Schaeffler-Plänen auch die Auszubildenden. Sophie Block spricht als Vertreterinder Jugend die Zahlen an. Am Standort seien es nur noch 89 neue und deutschlandweit 126 weniger als noch im Vorjahr. Das dürfe nicht weiter reduziert werden, der Arbeitgeber müsse zu seiner Verantwortung stehen, jungen Menschen eine Perspektive zu geben.

Erinnerung an 2009

"Die Zukunft geht nicht ohne uns", ruft sie unter großem Applaus . Aber vor allem die Auszubildenden hätten die Folgen der Sparmaßnahmen zu tragen.

Gregore Beutura, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, erinnert an das Jahr 2009, als Tausende gemeinsam um den Standort Herzogenaurach gekämpft und ihn letztlich gehalten haben. "Ihr habt den Karren aus dem Dreck gezogen!" Und was sei der Dank dafür? "Man gibt uns einfach auf! Das lassen wir nicht zu!"