Zwei Wochen lang können täglich 100 Kinder in die Welt der Großen hineinschnuppern, und dass es Spaß macht, ist unübersehbar. Seit dem Jahr 2006 bietet die Gemeinde Röttenbach ihren Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren an, Erfahrungen in der Kinderspielstadt "Röbalino" zu sammeln.

Der FT besuchte "Röbalino" (kleines Röttenbach) und wurde gleich von den zwei kundigen Fremdenführern Lara-Marie und Bastian gegen eine Gebühr von drei Talern durch die Kleinstadt geführt.

Bereits kurz nach 10 Uhr herrschte am Montagmorgen geschäftiges Treiben. Es wird gehämmert, Fladen werden in der Bäckerei gebacken, das Taxi befördert Besucher und Kunden von der Bank, an der bereits großer Andrang herrscht, in die Wellnessoase oder zum Kino, das sich in der Aula der Mittelschule befindet.

In der Wellness oase genießt gerade Sammy eine super Massage von Moritz. "Ich will vielleicht mal Masseur werden", überlegt Moritz laut. Auch Hütten werden gebaut, die ortsansässige Betriebe in Auftrag gegeben haben. "So eine fertige Hütte kostet 40 Taler, wenn man sie aber selber baut, ist sie um 33 Taler billiger", erklärt Nicolas, der Teamleiter.

Jugendpfleger Frank Schulte und seine Kollegin Christine Lorz sind der Kopf dieses beispielgebenden Ferienprogrammes. Ihnen zur Seite stehen noch vier Praktikanten der Fachakademie, zwei Honorarkräfte, ein Natur- und Wildnispädagoge, und diese Woche sind noch zusätzlich drei Ehrenamtliche sowie zehn Jugendliche aus dem Jugendclub dabei.

"Wir Jugendpfleger beginnen mit der Planung bereits im November des Vorjahres. Im April startet dann die Mitarbeiterwerbung", erzählt Jugendpfleger Frank Schulte. Am ersten Dienstag im April sind dann die Plätze buchbar. Man kann täglich, wöchentlich oder alle zwei Wochen buchen."

Die erste Woche war bereits am Dienstag, 2. April, nach einer halben Stunde ausgebucht und die zweite Woche im Juni. Im Vorfeld bekommen die Kinder einen Brief und ihren Pass, den sie jeden Morgen am Einwohnermeldeamt von Röbalino vorzeigen müssen. Geht dieser verloren, kostet ein Ersatz drei Taler! Mit ihrem Pass gehen die Röbaliner dann zum Arbeitsamt, um die passende Arbeit zu finden. Der durchschnittliche Verdienst in Röbalino liegt bei fünf Talern die Stunde - wobei davon ein Taler an Steuern ans Finanzamt gezahlt werden muss.

Die Führung durch die kleine Stadt geht weiter, vorbei am Freizeitpark, in dem die Kinder nach der Arbeit spielen dürfen, an der Werkstatt fürs Formel-1-Rennen, an der Eisdiele, der Röba-Bank, an der großer Andrang herrscht, zum Freibad, wo Lisa gerade genüsslich ihre Füße kühlt. In der Schneiderei werden Handytaschen und Talertaschen von Hand genäht und im Stadttheater übt Andy Wahl mit ein paar Schauspielern eine Pantomime ein.

Wo Häuser gebaut werden, gibt es natürlich auch einen Baumarkt und einen Baumeister, der im Bau- und Fundamt residiert. Eifrige Bauleute errichten gerade ein Holzhaus - eine Auftragsarbeit. " Am Donnerstag kommt die Jugendfeuerwehr, und da wird dieses Haus in Brand gesteckt und die Feuerwehr löscht es", erklärt Anna Kohl, eine vom Team, die dieses Jahr das erste Mal mitmacht und begeistert ist.

Im Krankenhaus sitzen drei Verletzte, die schon verarztet wurden. "Leider ist der Gips ausgegangen und jetzt können nur noch Verbände angelegt werden", erfahren wir von Sophie. In der Apotheke ist Gott sei Dank nicht viel los und Maxi und Jasmin sind zufrieden, dass es keine weiteren gesundheitlichen Probleme im Städtchen gibt.

Schmuck, Anstecker und Buttons gibt es bei Lara, die tägliche Zeitung wird in der Druckerei gedruckt und zum Ausspannen gibt es noch eine Cocktailbar. Die eifrigen Zeitungskollegen des Städtchens kommen gerade vorbei und machen noch eine Aufnahme für die nächste Ausgabe. Zum Schluss darf auch der äußerst wichtige ortsansässige Entsorgungsbetrieb, der für die Müllbeseitigung zuständig ist, nicht vergessen werden. Wirklich an alles wurde gedacht!

Eine richtige kleine Stadt ist dieses Röbalino mit seinen 36 Läden und Ämtern und nicht nur die Fremdenführer Lara-Marie und ihr Bruder Bastian sind begeistert von so einem Ferienprogramm. "Wir waren letztes Jahr schon dabei und es hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir auch heuer wieder hier sind", strahlen beide.

"Die Kinder hier lernen spielerisch, was es heißt, einen Beruf zu haben und Geld zu verdienen", erklärt Anna Kohl, die Teamleiterin, die auch für das Einwohnermeldeamt zuständig ist, bevor sie sich weiter um ihre kleinen Bürger kümmert.