Die Stadt hat einen neuen Kämmerer. Am 1. Februar tritt Stefan Zenger das Amt des höchsten kommunalen Finanzbeamten an. Der 41-Jährige ist bereits seit August 2014 in Diensten der Stadt Herzogenaurach. Erforderlich war die Neubesetzung, weil der bisherige Kämmerer nach einem Gerichtsurteil wegen Unterschlagung das Amt abgeben musste.

Bürgermeister German Hacker freute sich beim Pressetermin am Dienstag, dass er nun nach einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren und der noch abzuwartenden Fristen Vollzug melden konnte. In seiner Sitzung vom 17. Dezember 2020 hatte sich der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig für Stefan Zenger entschieden.

Der Stadtrat habe sich bewusst dafür entschieden, den Verfahrensweg der Ausschreibung zu wählen, sagte Hacker. Das stehe in der Tradition der Stadt. Man habe schon auch Stellen hausintern besetzt, aber bei Amtsleitern sei immer ausgeschrieben worden.

Dass der Neue jetzt ein Mann aus den eigenen Reihen wurde, freut Hacker durchaus. Umso mehr, da Zenger bereits seit Jahren den stellvertretenden Kämmerer Sören Bischoff kennt und sich jetzt darauf freut, mit ihm noch enger zusammenzuarbeiten, wie er bei seiner Vorstellung im Rathaus feststellte. Bischoff habe sich übrigens nicht selbst auf diesen Posten beworben, sagte Bürgermeister Hacker. In der Stadtratssitzung sei er freilich zur Wahl Zengers gefragt worden und habe sich da sehr positiv geäußert.

In einer Pressemitteilung berichtet der Bürgermeister: "Zenger konnte sich letztendlich im Auswahlprozess im Anschluss an das Ausschreibungsverfahren in einem Feld aus Bewerbern aus ganz Deutschland durchsetzen. Ihm zur Seite wird auch weiterhin unser erfahrener stellvertretender Kämmerer Sören Bischoff hervorragende Arbeit leisten."

Stefan Zenger ist einen eher untypischen Weg gegangen. Bevor er den kaufmännischen Bereich wählte, erprobte er zunächst sein handwerklichen Geschick und machte eine Lehre als Tischler. Dann ist Zenger längere Zeit buchstäblich untergetaucht: Vier Jahre lang verpflichtete er sich für die Bundesmarine und absolvierte den Dienst auf einem U-Boot.

Das war freilich in jungen Jahren. Noch bei der Bundeswehr in Eckernförde erhielt Zenger die Möglichkeit, eine kaufmännische Ausbildung zu absolvieren. Nach dem Abschluss bei der IHK in Flensburg zog es den gebürtigen Erlanger, der in Herzogenaurach aufgewachsen ist und auch zur Schule ging, zurück nach Franken.

Dort hat er vor seiner Tätigkeit für die Stadt Herzogenaurach mehrere Jahre als Finanzbuchhalter in einer Steuerkanzlei, einem Unternehmen der Solarbranche und einer Fluggesellschaft sowie zuletzt bei einer Stiftungsverwaltung breite Erfahrungen an verantwortlichen Stellen im Bereich der Wirtschaft beziehungsweise Finanzwirtschaft sammeln können, stellt Bürgermeister Hacker fest.

Bei der Stadt war Zenger zunächst im Baubetriebshof tätig. Seine Nachfolgerin wurde übrigens Sonja Dietz, die inzwischen ins Rathaus wechselte und direkte Assistentin von Bauamtsleiterin Silke Stadter ist. 2016 rückte Stefan Zenger aus der Einsteinstraße ins Herz der Stadt: Er wechselte in die Finanzabteilung und dort konkret ins Steueramt. Dort übernahm er die, wie es Hacker bezeichnet "zentrale Querschnittsaufgabe", die gesamte Finanzwirtschaft der Stadt auf die Umsatzsteuerthematik vorzubereiten, was man nun zum 1. Januar habe erfolgreich umsetzen können.

Das sei eine Mammutaufgabe gewesen, bescheinigt das Stadtoberhaupt. In den letzten dreieinhalb Jahren habe Zenger diese Thematik beackert und geprüft, welche Dienstleistungen und Tätigkeiten der Stadt denn künftig umsatzsteuerrelevant sind. Hacker: "Er musste in jeden Finanzvorgang reinschauen und hat den kleinsten Kassenzettel umgedreht." Während seiner Tätigkeit im Steueramt Stefan Zenger "so nebenbei" noch den Verwaltungsfachwirt gemacht.

Jetzt, als Stadtkämmerer, kommt der Haushalt auf ihn zu. Der wird in Herzogenaurach für gewöhnlich bereits Ende Januar beschlossen, in diesem Jahr aber deutlich später. Frühestens in der Stadtratssitzung Ende März kann dies geschehen, auf diesen Zeitpunkt lautet der Plan. 2022 will man wieder in den normalen Rhythmus kommen.

Die Verzögerung sei heuer sogar eher günstig, merkt Hacker weiter an. Denn coronabedingt sei die Einnahmesituation schwierig und undurchsichtig gewesen. Im Dezember sei sie aber deutlich besser geworden, die Stadt habe gewissermaßen zwei Weihnachtsgeschenke erhalten. Zum einen gab es Ausgleichszahlungen von Bund und Land in Höhe von 26 Millionen Euro. Zum anderen beziffert Hacker den Einbruch bei der Gewerbesteuer als weniger drastisch wie angenommen, Aus den vorsichtig vermuteten 3,5 Millionen Euro sind in der Endabrechnung letztlich doch noch neun Millionen Euro geworden. Freilich ist dieser Betrag nur die Hälfte der Summe, die man zum Jahresbeginn angenommen hatte.

Für 2021 geht die Stadt von Gewerbesteuereinnahmen von elf Millionen Euro. Das lässt sich aus Vorauszahlungen so erahnen. Weil man für einen ausgeglichenen Etat aber etwa 25 Millionen an Einnahmen aus der Gewerbesteuer brauche, droht ein Abrutschen tief in die roten Zahlen und ein satter Griff in die Rücklagen. Dem neuen Kämmerer steht also ein äußerst schwieriger erster Haushalt bevor.

Wer aber schon fast drei Wochen am Stück im Unterseeboot durch den Atlantik gefahren ist, ohne aufzutauchen, mit 24 Kameraden auf 60 Quadratmetern eingepfercht, der lernt gelassen zu werden, meinten Hacker und Zenger mit einem Schmunzeln.