Die Gartenpforte von Jörg und Kerstin aus Niederndorf schmückt seit ein paar Tagen ein rautenförmiges, buntes Metallschild mit der Aufschrift "Bayern blüht Naturgarten". Darauf können die beiden wirklich stolz sein, denn sie gärtnern anders als viele ihrer Nachbarn. Es kommt kein chemisches Pflanzenschutzmittel in den Garten, sie düngen nicht mit mineralischem Dünger und verwenden keine torfhaltige Gartenerde. Diese drei erforderlichen Kernkriterien werden ergänzt durch einen wichtigen vierten Punkt.

"Insgesamt sollte der Garten eine hohe ökologische Vielfalt aufweisen können und durch möglichst viele Arten an Pflanzen und Tieren geeignete Lebensräume schaffen", erklärt Matthias Scholz, einer der beiden Garten-Zertifizierer, die von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) speziell geschult worden sind.

Der hauptberufliche Polizist hat als gelernter Gärtner die Voraussetzung, um Naturgärten beurteilen zu dürfen. Denn es reicht nicht, zwischen Laub- und Nadelbäumen unterscheiden zu können. "Wir müssen erkennen können, welche Pflanzen und Bäume in den Gärten wachsen, ob heimisch oder exotisch oder ob die Blüten für Insekten nützlich sind, auch wenn keine einzige Blüte zu sehen ist", betont Scholz.

Während sich ein putziges Laufenten-Pärchen watschelnd auf die mit Wasser gefüllte Emailleschüssel zubewegt, rieseln Unmengen an Blättern von den Sträuchern. Jörg und Kerstin, die beide beruflich voll eingespannt sind, stehen entspannt daneben. "Wir lassen das Laub auf den Beeten liegen, damit die Stauden darunter geschützt sind, falls es im Winter Kahlfröste gibt", sagt der leidenschaftliche Bio-Gärtner. Obwohl der Garten nicht groß ist, ist eine Vielzahl an heimischen Sträuchern wie Haselnuss und Hainbuche zu sehen.

Platzsparend gärtnern

"Besonders in einem kleinen Garten muss man platzsparend gärtnern, aber das geht auch naturnah", betont Kerstin, die besonders ihre Hauswurz-Töpfe liebt, die auf der Haustreppe verteilt sind. Die Hauswand schmückt eine Spalierbirne, blühender Efeu rankt am Gartenzaun in die Höhe und Weintrauben hängen am Garagentor verlockend über dem Kopf.

Mit seinem handwerklichem Geschick kann Jörg viel Geld sparen. Sein selbst gebautes Gewächshaus hat einige raffinierte Details. "Die Tür lässt sich falten, wenn ich meine Tomaten ernten gehe", lacht Jörg und führt es auch gleich vor. "Ich verwende viele ausrangierte Materialien ein zweites Mal", und so kam ihm die Idee, seine alte Duschtür dort einzubauen. Im Garten wird das Gemüse in Mischkultur angebaut, das zusätzlich aus einem Garten zwei Häuser weiter kommt, um den sich die beiden auch liebevoll kümmern.

Es gibt verschiedene "wilde Ecken" im Garten, die besonders der Tier- und Insektenwelt wie Igeln, Käfern und Wildbienen zugute kommen. Laubhaufen, Gehölzschnitt oder gestapelte Natursteine schaffen Lebensräume für Igel, Eidechsen und Käfer. In einem kleinen Mini-Holzfass zeigt Kerstin auf ein seltsames Gebilde: "Hier scheinen Wespen ein Nest gebaut zu haben."

Jeder kann sich bewerben

"Wir haben keine Nacktschnecken mehr an unseren Salaten, seitdem die Laufenten bei uns wohnen", berichtet Jörg. "Sie baden manchmal in dem kleinen Mini-Teich, aber am liebsten gehen sie zu einem größeren Weiher am Dorfrand", erklären die beiden tierlieben Gärtner. "Sie kommen normalerweise abends immer wieder nach Hause zurück." Die beiden Naturgärtner engagieren sich ehrenamtlich im Obst- und Gartenbauverein (OGV) Niederndorf. Kerstin unterstützt den Vorstand, während Jörg als Vogelschutzwart mit zupackt.

Im Anschluss an Jörg und Kerstins Garten erhielt auch seine Mutter Rita für ihren vorbildlichen Niederndorfer Naturgarten die Plakette verliehen. Hier packt Jörg natürlich auch regelmäßig mit an, wenn Hilfe nötig ist.

In Herzogenaurach freuen sich seit einer Woche Petra und Hans-Joachim Fischer vom Archehof Fischer über die Naturgarten-Plakette. Die durch ihren Marktstand auf dem Herzogenauracher Bio-Markt bekannten Gärtner erfüllen alle Kriterien, die zur Prämierung eines Naturgartens erforderlich sind.

Sie unterstützen mit ihren Tieren die Gesellschaft zur Erhaltung alter gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH), die sich dafür einsetzt, bedrohte Nutztierrassen durch Lebenderhaltung vor dem Aussterben zu bewahren. Auf dem Hof leben Bayerische Landgänse, Pommernenten, Alpine Steinschafe und verschiedene Hühnerrassen, wie das Deutsche Lachshuhn. Petra gibt als Naturpädagogin Unterricht in ihrer Grünen Schule auf dem Archehof.

Wer seinen Naturgarten zur Zertifizierung anmelden möchte, findet alle Infos und das Anmeldeformular dazu auf der Webseite der LWG. Dafür ist es nicht erforderlich, Mitglied in einem OGV zu sein. Es besteht außerdem die Möglichkeit, sich beim Kreisvorsitzenden der Gartenbauvereine im Landkreis Erlangen-Höchstadt, Otto Tröppner, anzumelden. Kontakt: troeppner@gartenbauvereine-erh.de, Tel. 09548/8244.