Patient 35 Jahre, Name Lazarus, fünfmal geschockt. Die knappe Ansage des Notfallhelfers und das Martinshorn verheißen nichts Gutes: Ein Mensch ist in Lebensgefahr.

Das könnte sich überall auf der Welt zutragen. In diesem Fall liegt das "Geschehen" allerdings 2000 Jahre zurück. Die evangelische Kirchengemeinde Weingartsgreuth hatte zum Adonia-Musical "Herzschlag", einer Geschichte mit biblischem Hintergrund, eingeladen.

Bereits zum dritten Mal gastierte damit einer von deutschlandweit 59 Projektchören in Wachenroth. Für die Vorbereitungen sei ein großes Helferteam notwendig, sagte Edwin Klein, der die Besucher in der vollen Ebrachtalhalle willkommen hieß.

Markus Heusser ist der an Musik und Texten maßgeblich beteiligte Leiter und Gründer von Adonia Deutschland. Wie dem Tourmagazin zu entnehmen ist, ist "Herzschlag" das erste Musical, in dem die biblische Geschichte komplett in die heutige Zeit übertragen wird.


Packendes Stück

In dem packenden Stück wird mit Notfallversorgung, modernen medizinischen Geräten und Smartphone gearbeitet. "Immanuel" - Jesus - kommt zu spät, um seinen kranken Freund zu retten. Lazarus ist bereits tot und seine Schwestern Maria und Martha fragen sich, weshalb Immanuel, der sonst so viele Wunder tut, sich so lange Zeit gelassen hat. Die Geschichte geht mit einer Musik einher, die das Publikum mitreißt. Band und Chor begeistern mit rhythmischen ins Ohr gehenden Weisen. Ihre Soli sangen die Jugendlichen mit sicheren, ausdrucksstarken Stimmen. Musik, Gesang, tänzerische Elemente und schauspielerische Leistung vereinen sich in einer hervorragenden Choreografie.

Die Zuhörer wurden gleich zu Anfang in das Geschehen auf der Bühne eingebunden. "Drücken, drücken, 30 Mal, pusten, pusten" heißt das Eingangslied, bei dem das Publikum zum Mitmachen aufgefordert wird.

Der biblische Hintergrund ist zwar ernst, auf besondere Effekte wird dennoch nicht verzichtet: Immanuel und Follower auf Instagram, eine Gartenparty mit LED-Lampions und Tanzeinlagen in Cheerleader-Manier. Oder wenn Lazarus" Schwester Martha nach dessen Auferweckung sagt "du brauchst dringend eine Dusche".

Im Vordergrund stehen jedoch die zum Teil wörtlich übernommenen biblischen Texte und die christliche Botschaft: "Ich würde gerne seinen Plan verstehen" titelt ein Song. Ein anderer "Ich bin, ich bin, ich bin die Auferstehung". Das spricht viele Zuhörer an, manch einem auch aus der Seele.


"Er ist tot."

Hervorragend interpretiert wird die bedrückende Stimmung als der Tod des Lazarus festgestellt wird: "Er ist tot. Herzschlag weg, alles still", heißt es im Song. Alles ist düster. Die Musik der sechsköpfigen Band - Percussion, Gitarre, Bass, Keyboards und Querflöte - ist verhaltend, klagend. Doch dann betritt Immanuel die Bühne: Er ruft seinen Freund und Lazarus tritt aus dem Leichentuch heraus. Das Musical endet siegreich, kraftvoll und voller Lebensfreude mit der Auferstehung Jesu und einer fantastischen Lichtgestalt.

Von den Zuschauern in der voll besetzten Ebrachtalhalle gab es stehende Ovationen für die Akteure. Rund 70 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren, darunter auch etliche aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt, standen auf der Bühne.